Der tie­fe Fall ei­nes Os­car-Ge­win­ners

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - KULTUR - VON PHIL­IPP HOL­STEIN

Micha­el Ci­mi­no, Re­gis­seur des gro­ßen Ki­no-Flops „Hea­ven’s Ga­te“, ist ge­stor­ben.

DÜSSELDORF Jetzt möch­te man al­len emp­feh­len, sich die­sen Film noch ein­mal an­zu­se­hen, die­sen fas­zi­nie­ren­den, über­bor­den­den und de­tail­ver­lieb­ten Wes­tern, die­se mit­rei­ßen­de und aus­ufern­de Ge­schich­te mit Kris Kristof­fer­son, die den Ti­tel „Hea­ven’s Ga­te“trägt und ei­ner der größ­ten Flops der Film­ge­schich­te ist. Micha­el Ci­mi­no hat ihn ge­dreht und 1980 ins Ki­no ge­bracht, er galt als un­glaub­li­ches Ta­lent da­mals, aber die Kri­ti­ker ver­ris­sen das Drei­ein­halb-St­un­den-Epos aufs Hef­tigs­te, das Pu­bli­kum blieb fern, und der Miss­er­folg trieb die Uni­ted-Ar­tists-Stu­di­os in den Ru­in: Der Ver­lust soll 140 Mil­lio­nen Dol­lar be­tra­gen ha­ben. Man ließ Ci­mi­no fal­len, er dreh­te nicht mal mehr ei­ne Hand­voll Fil­me, und nun ist er tot.

„Ich wünsch­te, ich hät­te ihm zu Leb­zei­ten Tri­but ge­zollt“, schrieb Kol­le­ge Wil­li­am Fried­kin („Der Ex­or­zist“) ges­tern bei Twit­ter, nach­dem er er­fah­ren hat­te, dass Ci­mi­no tot in sei­nem Haus in Be­ver­ly Hills ge­fun­den wor­den war. Wahr­schein­lich wird es vie­len Weg­ge­fähr­ten ähn­lich ge­hen, denn der Sturz die­sen Man­nes ist ein­zig­ar­tig.

Er hat­te sich be­reits mit Wer­be­fil­men und Dreh­bü­chern et­wa für „Dir­ty Har­ry“ei­nen Na­men ge­macht, als er für sein Spiel­film-De­büt „Den Letz­ten bei­ßen die Hun­de“1974 Cl­int East­wood und Jeff Bridges ver­pflich­ten konn­te. Gleich da­nach dreh­te er „Die durch die Höl­le ge­hen“, das Meis­ter­werk über den Viet­nam­krieg, und wer es ge­se­hen hat, wird nie die Sze­ne ver­ges­sen, in der Ro­bert De Ni­ro und Chris­to­pher Wal­ken Rus­sisch Rou­let­te spie­len müs­sen. Fünf Os­cars ge­wann die Pro­duk­ti­on 1979, dar­un­ter den für die bes­te Re­gie.

Das Stu­dio woll­te nach­le­gen, „Hea­ven’s Ga­te“soll­te bei den Os­cars tri­um­phie­ren. Das Bud­get lag bei sie­ben Mil­lio­nen, aber Ci­mi­no brauch­te das Sechs­fa­che, weil er sich elend viel Zeit ließ und je­de Sze­ne Dut­zen­de Ma­le dreh­te. Er lehn­te Ja­ne Fon­da ab, weil er die da­mals we­nig be­kann­te Isa­bel­le Hup­pert woll­te, und er war­te­te ta­ge­lang auf gu­tes Wet­ter für Land­schafts­auf­nah­men von we­ni­gen Se­kun­den Län­ge. Er häuf­te 200 St­un­den Ma­te­ri­al an, und die hä­misch ver­lach­te 219-Mi­nu­ten-Fas­sung, die schließ­lich ins Ki­no kam, ge­riet zum Fi­as­ko.

Ci­mi­no galt da­nach als Witz­fi­gur, Ci­ne­as­ten in­des prie­sen sei­nen ei­gen­wil­li­gen Stil. Ci­mi­no dreh­te nur noch vier Fil­me, dar­un­ter den tol­len Thril­ler „Im Jahr des Dra­chen“(1985) mit Mi­ckey Rour­ke. 2012 wur­de „Hea­ven’s Ga­te“re­stau­riert und beim Fes­ti­val in Ve­ne­dig auf­ge­führt. Der Film er­hielt ste­hen­de Ova­tio­nen, aber Ci­mi­no blieb nicht viel Zeit, die Wert­schät­zung nach Jahr­zehn­ten des Ge­mie­den­wer­dens zu ge­nie­ßen. Er wur­de 77 Jah­re alt.

An­d­ris Nel­sons soll­te am 25. Ju­li den „Par­si­fal“in Bay­reuth di­ri­gie­ren. Nun sag­te er we­gen un­über­brück­ba­rer Dif­fe­ren­zen ab. Foto: dpa

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Micha­el Ci­mi­no 1978 beim Dreh von „Die durch die Höl­le ge­hen“.

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