Sha­ron Do­dua Otoo siegt beim Bachmann-Wett­le­sen

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - KULTUR -

KLA­GEN­FURT (dpa) „Manch­mal wa­che ich auf und den­ke: Heu­te bin ich ein Ei. Zu­ge­ge­ben: Das pas­siert mir nicht oft“, heißt es im Text von Sha­ron Do­dua Otoo. Mit ih­rem amü­san­ten Werk über­zeug­te die im deutsch­spra­chi­gen Raum bis­lang un­be­kann­te Au­to­rin die Ju­ro­ren des In­ge­borg-Bachmann-Prei­ses. Die ge­bür­ti­ge Bri­tin er­hielt da­für am Sonn­tag in Kla­gen­furt den mit 25.000 Eu­ro do­tier­ten Haupt­preis der „Ta­ge der deutsch­spra­chi­gen Li­te­ra­tur“.

Die mor­gend­li­che Rou­ti­ne des Ehe­paars Gröt­trup ist seit Jah­ren gleich. Den Ab­schluss des Früh­stücks bil­det stets ein sie­ben­ein­halb Mi­nu­ten lang ge­koch­tes Ei. Ei­nes Mor­gens wei­gert sich das Ei hart zu wer­den – be­kommt ein Ei­gen­le­ben und wird zum Ich-Er­zäh­ler. Das stürzt vor al­lem den pen­sio­nier­ten Herrn Gröt­trup, ein klas­si­scher Pa­tri­arch, in ei­ne Kri­se. An­ge­lehnt ist die Haupt­fi­gur an Hel­mut Gröt­trup (1916 - 1981), deut­scher In­ge­nieur und Ra­ke­ten­fach­mann. Die sicht­lich ge­rühr­te und glück­li­che Ge­win­ne­rin konn­te ihr Glück kaum fas­sen und ge­stand: „Ich ha­be den Preis vor­her ei­gent­lich gar nicht ge­kannt.“Hät­te die in Berlin le­ben­de Au­to­rin um die Tra­di­ti­on des Wett­le­sens ge­wuss­te, hät­te sie ei­nen an­de­ren Text ein­ge­reicht.

Der Ju­ry-Vor­sit­zen­de Hu­bert Win­kels wies auf die Viel­sei­tig­keit des Wett­be­werbs hin. Teil­neh­mer aus acht Na­tio­nen prä­sen­tier­ten ih­re Wer­ke. Die vier Prei­se gin­gen an vier ver­schie­de­ne Na­tio­nen und stell­ten vor al­lem ei­ne neue Ge­ne­ra­ti­on star­ker Frau­en ins Ram­pen­licht: Ne­ben der Bri­tin Otoo er­hiel­ten noch die Deut­sche Ju­lia Wolf und die Ös­ter­rei­che­rin Ste­fa­nie Sarg­na­gel Aus­zeich­nun­gen. In „Pen­ne vom Ki­ka“lässt die Face­book-Poe­tin Sarg­na­gel ih­re Ich-Er­zäh­le­rin ei­nen Win­ter­tag in Wien er­le­ben. Die Haupt­fi­gur geht eis­lau­fen und trifft sich in ei­ner Kn­ei­pe mit ei­ner Freun­din. Die Ich-Er­zäh­le­rin stellt sich da­bei nie über die trau­ri­gen und ver­korks­ten Gestal­ten, de­nen sie be­geg­net. Ih­ren Preis nahm die 30-Jäh­ri­ge mit ro­ter Müt­ze und ge­kleb­ter Son­nen­bril­le ent­ge­gen und freu­te sich über das star­ke Ab­schnei­den der Frau­en: „Auf zum gol­de­nen Ma­tri­ar­chat.“

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