Hei­te­res Wie­der­se­hen mit Düs­sel­dorfs frü­he­rem Ge­ne­ral­mu­sik­di­rek­tor

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - DÜSSELDORFER KULTUR - VON GERT HOLTMEYER

And­rey Bo­rey­ko wur­de beim Sin­fo­nie­kon­zert in der Ton­hal­le mit viel Wohl­wol­len be­grüßt. Er be­dank­te sich mit ei­nem an­spre­chen­den Kon­zert­pro­gramm.

Man muss ja nicht gleich die bi­bli­sche Ge­schich­te vom ver­lo­re­nen Sohn be­mü­hen, um die Wie­der­kehr des frü­he­ren GMD And­rey Bo­rey­ko in die Ton­hal­le zu be­schrei­ben. Oh­ne­hin wür­de der Ver­gleich hin­ken. Wäh­rend der bi­bli­sche Sohn ziem­lich run­ter­ge­kom­men nach Hau­se kommt, steht Bo­rey­ko als Chef des Orches­t­re Na­tio­nal de Bel­gi­que und des Na­p­les Phil­har­mo­nic in Flo­ri­da heu­te glän­zend da. Der ehe­ma­li­ge Düs­sel­dor­fer GMD (2009-2014) wur­de beim Wie­der­se­hen im letz­ten „Stern­zei­chen“-Sin­fo­nie­kon­zer von Pu­bli­kum und Orches­ter je­den­falls be­geis­tert auf­ge­nom­men.

Bo­rey­ko hat­te ein Pro­gramm mit­ge­bracht, das auf den ers­ten Blick kon­ven­tio­nel­ler aus­sah, als es tat­säch­lich war. Mah­ler, Schosta­ko­witsch und Tschai­kow­skys ers­tes Kla­vier­kon­zert – das klingt nicht un­ge­wöhn­lich. Aber der Schein trog.

Gus­tav Mah­lers „Blu­mi­ne“war als zwei­ter Satz sei­ner ers­ten Sin­fo­nie ge­dacht – und wur­de vom Kom­po­nis­ten selbst wie­der zu­rück­ge­nom­men. Dass die Düs­sel­dor­fer Sym­pho­ni­ker die­ses Werk zum ers­ten Mal in ih­rer lan­gen Ge­schich­te spiel­ten, sagt ei­ni­ges über den ge­rin­gen Be­kannt­heits­grad aus. Bo­rey­ko ließ den Takt­stock erst mal lie­gen, sorg­fäl­ti­ge Klang­mo­du­la­ti­on hat­te Vor­rang. Und die ge­lang bes- tens, wo­bei er sich aufs Orches­ter mit sei­nem fül­li­gen Strei­cher­klang und sei­nen ta­del­lo­sen So­l­ob­lä­sern (Oboe, Trom­pe­te) ver­las­sen konn­te.

Tschai­kow­skys ers­tes Kla­vier­kon­zert darf zwar als be­kannt vor­aus­ge­setzt wer­den, nicht aber in der Fas­sung von 1879. Die ent­hält we­ni­ger Hoch­glanz als spä­te­re Fas­sun­gen, da­für aber mehr Zwi­schen­tö­ne. Man braucht al­so ei­nen So­lis­ten, der dif­fe­ren­zie­ren kann. Da­für war mit Ki­rill Ger­stein ge­nau der Rich­ti­ge ge­kom­men. Ger­stein wur­de 1979 in Russ­land ge­bo­ren und ist heu­te Pro­fes­sor an der Stutt­gar­ter Mu­sik­hoch­schu­le. Sein Vor­trag mach­te klar, dass es bei Tschai­kow­sky zwar auch, aber nicht nur um kraft­vol­les Zu­pa­cken geht. Es bleibt noch Platz für Ver­spiel­tes und Zar­tes. Zart klang auch die Zu­ga­be, Rach­ma­ni­nows Me­lo­die op. 3.

Wer es nicht weiß, könn­te in Schosta­ko­witschs fünf­ter Sin­fo­nie man­ches für platt hal­ten. Da­bei zeu­gen die von Bo­rey­ko be­wusst ba­nal in­to­nier­ten Marsch- und Tri­umph­klän­ge eben­so wie die Pau­ken­schlä­ge von dem Gal­gen­hu­mor, mit dem der po­li­tisch ver­folg­te Kom­po­nist die üb­li­chen Hul­di­gungs­fan­fa­ren für Sta­lin auf die Schip­pe nahm. Her­vor­ra­gend wur­den die par­odis­ti­schen Ele­men­te auf den Punkt ge­bracht.

Viel Bei­fall und Bra­vo­ru­fe in der fast aus­ver­kauf­ten Ton­hal­le.

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