Ban­ker zweig­te 500.000 Eu­ro ab

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - DÜSSELDORF - VON WULF KANNEGIESSER

54-jäh­ri­ger An­ge­klag­ter war be­reits 2005 we­gen Un­treue ver­ur­teilt wor­den.

Mit ei­ner ge­hö­ri­gen Por­ti­on Krea­ti­vi­tät und kri­mi­nel­ler Ener­gie hat ein Bank­ma­na­ger bei sei­nem Ar­beit­ge­ber in fünf Jah­ren mehr als ei­ne hal­be Mil­li­on Eu­ro ab­ge­zweigt. Das ent­spricht fast 9000 Eu­ro Zu­satz­ver­dienst, die sich der 54-Jäh­ri­ge je­den Mo­nat durch Lug, Trug und ge­schick­te Ur­kun­den­fäl­schun­gen auf ei­ge­ne Kon­ten über­wie­sen hat. So heißt es in der An­kla­ge ge­gen den Fi­nanz­ex­per­ten, über die das Amts­ge­richt heu­te (9.30 Uhr, Saal 1.109) ver­han­delt. Im Vor­feld des Pro­zes­ses soll der Ban­ker al­le Vor­wür­fe ge­stan­den ha­ben.

Kaum ein an­de­rer Ma­na­ger die­ser Bank kann­te die haus­in­ter­nen Ab­läu­fe so ge­nau. Seit dem Jahr 2006 war der An­ge­klag­te in di­ver­sen Ab­tei­lun­gen ein­ge­setzt wor­den, soll ab 2010 ei­nen „Herrn Ap­fel­baum“er­fun­den ha­ben, dem in­ner­halb von drei Mo­na­ten mit sechs Zah­lungs­an­wei­sun­gen dann mehr als 80.000 Eu­ro gut­ge­schrie­ben wur­den.

Für sei­ne Be­trü­ge­rei­en hat der An­ge­klag­te an­geb­lich sein Ba­s­tel­ta­lent ent­deckt, hat Un­ter­schrif­ten von Kol­le­gen aus ech­ten Schrift­stü­cken aus­ge­schnit­ten, die Si­gna­tu­ren un­ter an­de­re Do­ku­men­te ge­klebt, die Fäl­schun­gen fo­to­ko­piert und in den bank­in­ter­nen Zah­lungs­ver­kehr ge­ge­ben.

Als nach ei­nem Ab­tei­lungs­wech­sel sol­che Ko­pi­en von Zah­lungs­auf­trä­gen nicht mehr ak­zep­tiert wur­den, soll der Bank­ma­na­ger sei­ne Trick­se­rei­en nicht be­en­det, son­dern nur ge­än­dert und so­gar ver­fei- nert ha­ben. Ab Au­gust 2011 ha­be er E-Mails ge­fälscht, ha­be da­rin Zah­lungs­an­wei­sun­gen von Kol­le­gen er­fun­den und die Pa­pie­re ei­nem an­de­ren Mit­ar­bei­ter zur Un­ter­schrift un­ter­ge­scho­ben. So er­folg­reich war der Trick, dass laut An­kla­ge wei­te­re 40 er­fun­de­ne Zah­lun­gen aus­ge­führt und auf ein Fir­men­kon­to über­wie­sen wur­den, das eben­falls dem An­ge­klag­ten ge­hör­te.

Bis Mit­te des Jah­res 2015 blieb der Ader­lass an­geb­lich un­be­merkt. Ein Jahr zu­vor, als der An­ge­klag­te schon mehr als 27 sol­cher Zah­lungs­an­wei­sun­gen ge­fälscht ha­be, wur­de er von der Bank so­gar noch zum Be­voll­mäch­tig­ten er­nannt und mit Pro­ku­ra aus­ge­stat­tet.

Da­bei war der An­ge­klag­te be­reits 2005 we­gen 16 Fäl­len von Un­treue und Ur­kun­den­fäl­schung zu 5400 Eu­ro Stra­fe ver­ur­teilt wor­den. Und trotz sei­ner enor­men Ein­nah­men durch ins­ge­samt 46 schwe­re Fäl­le von Be­trug, Un­treue und Ur­kun­den­fäl­schung so­wie sei­ner re­gu­lä­ren Ein­künf­te als Bank­ma­na­ger ist der 54-Jäh­ri­ge noch drei Mal we­gen Schwarz­fah­rens und La­den­dieb­stäh­len, manch­mal mit nur ge­ring­wer­ti­ger Beu­te, be­straft wor­den.

Ein Ur­teil über sei­ne jüngs­te Be­trugs­se­rie mit ei­ner Beu­te von 530.000 Eu­ro wird heu­te er­war­tet.

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