Ame­ri­ka­ner ist Kin­der-Schüt­zen­kö­nig

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - DÜSSELDORF - VON SVEN-AN­DRÉ DREY­ER

Jo­na­than Ater ver­trat die Kai­sers­wer­t­her Schüt­zen­bru­der­schaft ein Jahr lang als Klein­schüt­zen­kö­nig. Nun en­det die Amts­zeit des 7-jäh­ri­gen ge­bür­ti­gen Ka­na­di­ers.

KAI­SERS­WERTH Rh­ein­ki­lo­me­ter 756, am fer­nen Ho­ri­zont ste­hen Schäf­chen­wol­ken, nach­mit­tags ist es, pas­send zum Fe­st­um­zug der St. Se­bas­tia­nus Schüt­zen­bru­der­schaft Kai­ser­werth, noch ein­mal warm ge­wor­den. Auf dem Kir­mes­platz herrscht re­ges Trei­ben, es riecht nach Pop­corn und Ge­bra­te­nem aus dem Wok. Aus den Laut­spre­chern des Ket­ten­ka­rus­sells tropft rhyth­mus­reich deut­scher Schla­ger auf die Be­su­cher des Kai­ser­wer­t­her Schüt­zen­fes­tes. Et­was ab­seits des Fest­plat­zes sitzt auf ei­ner Bank Jo­na­than Ater. Et­was un­ru­hig er­war­tet der Sie­ben­jäh­ri­ge das Aus­schie­ßen des Klein­schüt­zen­kö­nigs, sei­nes Nach­fol­gers. Und den­noch: Jo­na­than ge­nießt die letz­ten Au­gen­bli­cke, in de­nen er sie noch tra­gen darf, die schwe­re Ket­te, die ihn in der Funk­ti­on des jüngs­ten Schüt­zen­kö­nigs der Kai­sers­wer­t­her Bru­der­schaft be­stä­tigt.

Als er sich im ver­gan­ge­nen Jahr selbst zum Klein­schüt­zen­kö­nig ge­schos­sen hat­te, woll­te er es zu­nächst kaum glau­ben. Der Wett­be­werb wird mit ei­ner Arm­brust aus­ge­tra­gen, ge­zielt wird auf Luft­bal­lons, die den Um­riss ei­nes Vo­gels nach­bil­den. Jo­na­than ziel­te ge­nau – und traf. „Erst als al­le im­mer wie­der sei­nen Na­men rie­fen, däm­mer­te Jo­na­than, was ge­sche­hen war“, er­zählt sein Va­ter Ben (44). Wäh­rend sei­ne Ge­schwis­ter Ro­bert (11) und Reece (10) nicht ganz so er­folg­reich wa­ren wie ihr klei­ner Bru­der, schoss sich der Zweit­kläss­ler di­rekt in das höchs­te Amt der Kin­der. Ge­mein­sam mit sei­ner Prin­zes­sin Franziska Wal­ter (9) ver­trat er in der ver­gan­ge­nen Sai­son schließ­lich die Bru­der­schaft in der Funk­ti­on des Klein­schüt­zen­paa­res. „Das war sehr, sehr cool“, sagt Jo­na­than.

„Cool“ist ein Wort, das Jo­na­than ger­ne mag. Vi­el­leicht auch, weil es sei­ner Mut­ter­spra­che ent­stammt, denn Jo­na­than be­sitzt die dop­pel­te Staats­bür­ger­schaft. Weil sein Va­ter Ame­ri­ka­ner, und sei­ne Mut­ter Ka­na­die­rin ist – bei­de ar­bei­ten an der In­ter­na­tio­na­len Schu­le in Kai­sers­werth –, be­sitzt Jo­na­than bei­de Päs­se. Ge­bo­ren wur­de er in Squa­mish, ei­ner Klein­stadt in der Pro­vinz Bri­tish Co­lum­bia im Wes­ten Ka­na­das. Nach Düsseldorf kam er im Jahr 2009.

Und weil vie­le sei­ner Freun­de und de­ren El­tern Mit­glied bei der Kai­sers­wer­t­her Schüt­zen­bru­der­schaft sind, nah­men sie auch Jo­na­than di­rekt zu de­ren Ver­an­stal­tun­gen mit. Für ihn ei­ne ganz neue Er­fah­rung, denn we­der in der Hei­mat sei­nes Va­ters, noch im Ka­na­di­schen Squa­mish gibt es et­was Ver­gleich­ba­res.

Und weil Jo­na­than, der ger­ne Rug­by und Eis­ho­ckey spielt, of­fen­sicht­lich auch ein gu­ter Schüt­ze ist, hol­te er in sei­ner Amts­zeit gleich ei­nen zwei­ten Ti­tel mit dem La­ser­ge­wehr: Auf­grund sei­ner sport­li­chen Leis­tung wur­de er auch zum Bam­bi­ni-Prinz der His­to­ri­schen Deut­schen Schüt­zen­bru­der­schaft ge- kürt. Im Ver­ein fand Jo­na­than schnell Freun­de, und war auf­grund sei­nes Am­tes auch schnell bei al­len be­kannt.

Über­haupt ist die Kom­pa­nie der Klein­schüt­zen ein loh­nen­des Mo­tiv: Auf dem Fe­st­um­zug wer­den die Kin­der in ih­ren Trach­ten häu­fig fo­to­gra­fiert, ih­re wein­ro­ten Ba­retts mit wei­ßer Fe­der und ih­re Holz­schwer­ter tra­gen sie vol­ler Stolz. „Und weil die Kin­der im Al­ter zwi­schen vier und zwölf Jah­ren noch nicht un­ter die Sat­zung der Bru­der­schaft fal­len, sind auch vie­le Mäd­chen da­bei“, er­klärt Klaus Peters, 2. Vor­sit­zen­der der Kai­sers­wer­t­her Schüt­zen, die ei­ne rei­ne Män­ner­ge­sell­schaft bil­den.

RP-FOTO: ANDRE­AS ENDERMANN

Ei­ne „coo­le“Zeit hat Jo­na­than Ater als Klein­schüt­zen­kö­nig er­lebt.

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