Nicht je­der Blick ist auch ein Über­griff

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - STIMME DES WESTENS - VON MAR­TI­NA STÖCKER MEHR SE­XU­EL­LE ÜBER­GRIF­FE . . ., SEI­TE A 3 VON EVA QUADBECK VON MICHA­EL BRÖCKER FA­RA­GE WILL SEIN LE­BEN ZU­RÜCK, SEI­TE A 5

Bei Straf­ta­ten wird in der ge­sell­schaft­li­chen Dis­kus­si­on die Her­kunft von Tä­tern im­mer wich­ti­ger. Das ist gut und an­de­rer­seits sehr ge­fähr­lich. Denn Zah­len – zum Bei­spiel über an­ge­zeig­te Se­xu­al­de­lik­te in Schwimm­bä­dern – wir­ken nur auf den ers­ten Blick ver­läss­lich. So hat es in zwei­ein­halb Jah­ren in Düs­sel­dorf 32 An­zei­gen ge­ge­ben, ge­mes­sen an der Viel­zahl der Be­su­cher und Flücht­lin­ge in der Stadt ist das nicht hoch. Ver­läss­lich ist auch nicht der Be­griff Se­xu­al­de­likt, bei dem fast je­der an Be­grap­schen und Schlim­me­res denkt. Er um­fasst aber auch Ta­ten, die für vie­le nur als Dum­me­jun­gen­strei­che gel­ten – zum Bei­spiel, wenn ein Te­enager zwei Mäd­chen nur hin­ter­her­läuft oder ein Mann sich, vi­el­leicht wirk­lich nur aus Ver­se­hen, mal in die Frau­en­du­sche ver­irrt.

Im Schwimm­bad soll­te nicht je­der Blick auf Bu­sen und Po per se als se­xu­el­ler Über­griff ge­wer­tet wer­den, nur weil der­je­ni­ge, der da guckt, dunk­le statt blon­de Haa­re hat. Soll­te es aber Hin­wei­se auf Be­läs­ti­gung ge­ben – egal durch wen –, sind al­le auf­ge­for­dert, ein­zu­schrei­ten und den Ba­de­meis­ter zu ho­len. Die Bä­der-Mit­ar­bei­ter sind ex­trem sen­si­bi­li­siert. Das muss ge­nü­gen. Über Ba­de-Ver­bo­te für Mi­gran­ten soll­te nie­mand auch nur ei­ne Se­kun­de nach­den­ken. BE­RICHT

Il­le­ga­le Ra­ser

Es steht in kei­nem Ver­hält­nis, dass ei­ne ver­se­hent­lich über­fah­re­ne ro­te Am­pel bei­na­he ge­nau­so hart ge­ahn­det wird wie die Teil­nah­me an il­le­ga­len Au­to­ren­nen. Vor dem Hin­ter­grund, dass im­mer wie­der un­be­tei­lig­te Men­schen ums Le­ben kom­men, die rein zu­fäl­lig den Weg der Ra­ser kreu­zen, sind ho­he Stra­fen mit ab­schre­cken­der Wir­kung über­fäl­lig.

Doch ei­ne sol­che Ge­set­zes­no­vel­le kann im Kampf ge­gen die il­le­ga­len Au­to­ren­nen nur ein Puz­zle­stück sein. Es be­darf auch kon­se­quen­ter Er­mitt­lun­gen ge­gen Ra­ser und der Ver­fol­gung von Au­to­fah­rern, die sich zu sol­chen Ren­nen ver­ab­re­den. Ge­fragt sind zu­dem die Rich­ter, die ein ver­schärf­tes Recht an­wen­den. Dann hat der von NRW ge­for­der­te neue Straf­rah­men für Teil­neh­mer an Au­to­ren­nen die Chan­ce, auch ei­ne Wir­kung zu ent­fal­ten.

Sinn­voll ist, dass die Ge­set­zes­in­itia­ti­ve bei den Tä­tern auch den dau­er­haf­ten Füh­rer­schein­ent­zug und so­gar die Ein­zie­hung der Fahr­zeu­ge vor­sieht. Denn da­mit kann man ih­nen die Grund­la­ge für ih­re ge­fähr­li­chen Ren­nen neh­men. BE­RICHT AU­TO­REN­NEN SOL­LEN STRAF­BAR WER­DEN, TITELSEITE

Br­ex­it-Po­pu­lis­ten

Man braucht schon ei­ne gro­ße Por­ti­on bri­ti­scher Höf­lich­keit, um das Ver­hal­ten der Br­ex­it-Stars sach­lich zu kom­men­tie­ren. Nach dem Rück­tritt von Bo­ris John­son möch­te nun auch Ni­gel Fa­ra­ge, der laut­stärks­te Ver­fech­ter der bri­ti­schen Un­ab­hän­gig­keit, sein Amt auf­ge­ben. Er wol­le „sein Le­ben zu­rück“, sagt er. Wie bit­te?

Was ist mit den Mil­lio­nen, die sich von dem Ver­füh­rer mit dem Hang zur Halb­wahr­heit ver­ra­ten füh­len, weil die ne­ga­ti­ven Aus­wir­kun­gen des Vo­tums schon jetzt für die Wirt­schaft spür­bar und schmerz­haft sind – und kei­nes­wegs so harm­los, wie es Fa­ra­ge bei je­dem Wahl­kampf­auf­tritt er­klärt hat? Die Ab­wer­tung des Pfunds, die Her­ab­stu­fung des G8-Mit­glieds bei den Ra­ting-Agen­tu­ren, das Zu­rück­zie­hen von In­ves­ti­tio­nen und Stand­ort­ent­schei­dun­gen. Jobs sind in En­g­land un­si­che­rer ge­wor­den. Da­für sind zu­erst na­tür­lich die Br­ex­it-Wäh­ler ver­ant­wort­lich. Aber wer für den Br­ex­it in öf­fent­li­cher Rol­le ge­wor­ben hat, soll­te die Fol­gen auch tra­gen. Aber so sind Po­pu­lis­ten: Re­den schwin­gen und ge­gen fau­le Po­li­ti­ker wet­tern. Und dann weg­du­cken, wenn es ernst wird. BE­RICHT

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