Fall Peg­gy: Ske­lett­tei­le ge­fun­den

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - POLITIK - VON KLAUS TSCHARNKE UND COR­DU­LA DIECKMANN

Die in ei­nem Wald­stück in Thü­rin­gen ent­deck­ten Kno­chen stam­men den Er­mitt­lern zu­fol­ge höchst­wahr­schein­lich von der seit mehr als 15 Jah­ren ver­miss­ten Peg­gy aus Ober­fran­ken. Ge­wiss­heit wird erst die DNA-Un­ter­su­chung brin­gen.

LICHTENBERG (dpa) Mehr als 15 Jah­re lang war die klei­ne Peg­gy ver­schwun­den. Nun scheint es, als hät­te die Su­che nach dem Mäd­chen aus dem ober­frän­ki­schen Lichtenberg ein En­de. In ei­nem Wald rund 15 Ki­lo­me­ter vom frü­he­ren Wohn­ort ent­fernt fand ein Pilz­samm­ler Kno­chen ei­nes Kin­des. Sie stam­men höchst­wahr­schein­lich von der Schü­le­rin, die am 7. Mai 2001 spur­los ver­schwand. Au­ßer­dem fan­den die Po­li­zis­ten Ge­gen­stän­de, die auf die Neun­jäh­ri­ge hin­deu­te­ten. Ih­ren Schul­ran­zen? Ih­re Klei­dung? Das woll­ten die Er­mitt­ler ges­tern nicht preis­ge­ben. Auch wenn der Tod des Mäd­chens so gut wie fest­steht, fängt die Haupt­ar­beit der Po­li­zei und der Staats­an­walt­schaft nun erst rich­tig an: Sie müs­sen klä­ren, wie Peg­gy zu To­de kam und den mög­li­chen Tä­ter fin­den.

Noch legt sich die Staats­an­walt­schaft Bay­reuth nicht ein­deu­tig fest. „Wir hal­ten es für höchst­wahr­schein­lich, es ist al­les schlüs­sig“, sagt der Lei­ten­de Ober­staats­an­walt Her­bert Pot­zel. Aber: „Es ist noch nicht hun­dert­pro­zen­tig ge­wiss, des­halb war­ten wir für die end­gül­ti­ge Ent­schei­dung die DNA-Er­geb­nis­se ab.“Und das kön­ne dau­ern, be­stä­tigt auch die Ge­ra­er Staats­an­walt­schaft, die we­gen des Fund­or­tes in Thü­rin­gen ein­ge­schal­tet ist: „An­ge­sichts des Um­fangs der Un­ter­su­chung“sei nicht vor heu­te Nach­mit­tag mit ei­nem be­last­ba­ren Er­geb­nis zu re­chen, er­klärt Ober­staats­an­walt Tho­mas Vill­wock.

Was wur­de nicht al­les un­ter­nom­men, um das ver­miss­te Kind zu fin­den. Wo­chen­lang wur­de nach Peg­gy ge­fahn­det, die Er­mitt­ler bag­ger­ten ei­nen Hin­ter­hof aus und öff­ne­ten so­gar das Gr­ab ei­ner 81-Jäh­ri­gen, weil sie dort das to­te Mäd­chen ver­mu­te­ten. Ein Mann wur­de als Mör­der ver­ur­teilt und wie­der frei­ge­spro­chen, da­für ein an­de­rer ver­däch­tigt. Al­le Spu­ren führ­ten ins Lee­re, bis der Pilz­samm­ler am Sams­tag die Res­te ei­nes Ske­letts ent­deck­te, in ei­nem Wald bei Ro­da­cher­brunn in Thü­rin­gen, an der Gren­ze zu Bay­ern.

Nun ver­sper­ren Po­li­zei­bus­se den Wald­weg, der zu der Fund­stel­le führt. Ei­gent­lich ein idyl­li­scher, ab­ge­le­ge­ner Ort na­he des Hö­hen­wan­der­we­ges Renn­steig. Jetzt ist zwi­schen den Bäu­men rot-wei­ßes Flat­ter­band ge­spannt. Po­li­zei­au­tos ste­hen übe­r­all. Mit Hun­den durch­strei­fen Po­li­zis­ten das Wald­stück.

Rund 15 Ki­lo­me­ter wei­ter in Lichtenberg ver­brei­tet sich die Nach­richt von der Ent­de­ckung des Ske­letts wie ein Lauf­feu­er. Im Ca­fé am Markt­brun­nen ist Peg­gys Schick­sal Ge­sprächs­the­ma Num­mer eins. „Der Fall Peg­gy ist für uns ganz schwer ge­we­sen. In den ver­gan­ge­nen 15 Jah­ren ver­ging prak­tisch kein Tag, an dem Gäs­te von aus­wärts nicht ge­fragt ha­ben, ob es im Fall Peg­gy was Neu­es gibt“, sagt sie. „Ich hof­fe, dass jetzt end­lich Klar­heit rein­kommt und ein Schluss­strich un­ter die Sa­che ge­zo­gen wird.“

Das Rät­sel um Peg­gy, es scheint ge­löst. End­lich ei­ne Ge­wiss­heit, aber auch ei­ne Hoff­nung, die zer­stört ist. Die Hoff­nung näm­lich, Peg­gy könn­te le­ben, ir­gend­wo. Je­den Tag schwirr­ten ih­rer Mut­ter ähn­li­che Fra­gen durch den Kopf: „Wie sieht sie aus, wie groß ist sie, ist sie grö­ßer als ich?“, sag­te die Mut­ter vor gut ei­nem Jahr in der ZDF-Sen­dung „Ak­ten­zei­chen XY...un­ge­löst“. Am 7. Mai 2001 war das Mäd­chen auf dem Heim­weg von der Schu­le ver­schwun­den. „Wich­tig ist ein­fach für mich, dass die Kri­po mei­ne Toch­ter fin­det.“Haupt­sa­che Klar­heit, „dass wir über­haupt wis­sen, was pas­siert ist, dass wir ein­fach mal zur Ru­he kom­men“.

Seit die­sem Tag grü­belt die Mut­ter, was mit ih­rer Peg­gy ge­schah, die fröh­lich und lus­tig war, vi­el­leicht et­was vor­laut. Die ihr oft Blu­men mit­brach­te. Und die an die­sem Tag nicht in die Schu­le woll­te, so­gar auf dem Weg kurz noch mal um­kehr­te und die Mut­ter mit den Wor­ten um­arm­te: „Ich hab’ dich lieb“. Ein In­ne­hal­ten im üb­li­chen Mor­gen­stress: „Ich hab’ dich auch lieb, und jetzt beeil dich aber.“Letz­te Wor­te, über die die Mut­ter bis heu­te nach­sinnt: „Es ver­geht kein Tag, wo ich nicht an sie den­ke, wo ich dar­über nach­den­ke, was wä­re wenn...“.

FO­TO: DPA

In ei­nem Wald zwi­schen Ro­da­cher­brunn (Thü­rin­gen) und Nord­hal­ben (Bay­ern) wur­de ei­ne ske­let­tier­te Kin­der­lei­che ge­fun­den.

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