Is­land er­staun­te Eu­ro­pa

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - FUßBALL-EM 2016 - VON THO­MAS SCHUL­ZE

Das Bild der Spie­ler und Fans hat das Tur­nier in Frank­reich ge­prägt.

DÜS­SEL­DORF Hu! – das ist ein Aus­ruf des Er­schre­ckens. Hu! – das ist der Schlacht­ruf der is­län­di­schen Fuß­bal­ler und ih­rer An­hän­ger. Hu! – der Ruf geht um die Welt.

Über­ra­schen­der­wei­se hat­ten sich Is­lands Fuß­bal­ler für die End­run­de der EM in Frank­reich qua­li­fi­ziert, vor der Tür­kei. Und den Nie­der­lan­den, die aus die­sem Grund nicht am Tur­nier teil­neh­men durf­ten und zu Hau­se blei­ben muss­ten. Ös­ter­reich wur­de in der Grup­pen­pha­se aus­ge­schal­tet, En­g­land im Ach­tel­fi­na­le. Die Fuß­bal­ler aus dem Mut­ter­land wa­ren er­schre­ckend na­iv ge­gen den ver­meint­li­chen Fuß­ball-Zwerg zu Wer­ke ge­gan­gen.

Hu! – das ist zum Syn­onym für den is­län­di­schen Fuß­ball ge­wor­den. Hu! – das ist der Ruf, der die­se EMEnd­run­de ge­prägt hat: Die Spie­ler der is­län­di­schen Na­tio­nal­mann­schaft ste­hen vor der Kur­ve, ih­rer Fans, die in ih­ren Tri­kots ei­ne blaue Wand bil­den, die Hän­de über dem Kopf zu­sam­men­schla­gen und „Hu!“ru­fen. Hu! – Is­land hat die Her­zen der Fuß­ball­fans er­obert.

Die Uefa ist den Is­län­dern zu tie­fem Dank ver­pflich­tet. Der Neu­ling und kras­se Au­ßen­sei­ter hat mit sei­ner auf­müp­fi­gen, kämp­fe­ri­schen Art, Fuß­ball zu spie­len, uner­war­tet gro­ßen Er­folg ge­habt und da­mit die Dis­kus­si­on über mä­ßi­ge Leis­tun­gen, lang­wei­li­ge und von der Taktik ge­präg­te Spie­le in ei­nem un­nö­tig auf 24 Teil­neh­mer auf­ge­bläh­ten Tur­nier im Keim er­stickt.

Is­land war in al­ler Mun­de, und so manch ei­ner hat dem Au­ßen­sei­ter auch im Vier­tel­fi­na­le ge­gen Frank­reich bei­de Dau­men ge­drückt. Doch das Fuß­ball-Mär­chen der Wi­kin­ger nahm ein ab­rup­tes En­de. Die Skan­di­na­vi­er wa­ren chan­cen­los und la­gen zur Pau­se be­reits mit 0:4 zu­rück. Doch die Mann­schaft voll­ende­te den zu­vor so bra­vou­rös ge­schaf­fe­nen Ein­druck, in­dem sie sich nicht de­pri­miert hän­gen ließ und das Spiel ab­schenk­te, son­dern kon­se­quent wei­ter­spiel­te. Der ver­dien­te Lohn war, dass sie sich mit ei­nem klei­nen Er­folgs­er­leb­nis, zwei To­ren, ver­ab­schie­de­te.

„Es ist nie gut, ein Spiel zu ver­lie­ren, aber was mehr wiegt, ist, was wir er­reicht ha­ben. Und dar­auf sind wir stolz.“Tref­fen­der als Da­gur B. Eg­gert­son, der Bür­ger­meis­ter von Reyk­ja­vik, es for­mu­liert hat, kann man es kaum sa­gen. Er hat die Ge­füh­le in Wor­te ge­fasst. Drei Wo­chen lang hat das klei­ne Land die in­ter­na­tio­na­le Auf­merk­sam­keit in ei­nem nie zu­vor da­ge­we­se­nen Ma­ße auf sich ge­zo­gen. Die schöns­te Ne­ben­sa­che der Welt war für drei Wo­chen für die 330.000 Ein­woh­ner die Haupt­sa­che. Ein­schalt­quo­ten von 99,8 Pro­zent wa­ren ein wei­te­rer Be­leg da­für.

„Es war ein fan­tas­ti­sches Tur­nier für so ein klei­nes Team wie uns“, sag­te der ehe­ma­li­ge Hof­fen­hei­mer Pro­fi Gyl­fi Si­gurds­son. Die bi­bli­sche Ge­schich­te von Da­vid ge­gen Go­li­ath ha­ben Is­lands Fuß­bal­ler auf sport­li­che Wei­se be­lebt und er­zählt. Sie ha­ben ge­zeigt, dass der Klei­ne über sich hin­aus­wach­sen kann und im­stan­de ist, Gro­ßes zu leis­ten. Mit die­sem Ge­fühl, das die Hoff­nung nährt, ha­ben sich die Wi­kin­ger aus Frank­reich ver­ab­schie­det. „Wir ste­hen hof­fent­lich vor ei­ner ro­si­gen Zu­kunft und wol­len bei der nächs­ten End­run­de da­bei sein“, sag­te Si­gurds­son.

Der schwe­di­sche Trai­ner Lars La­ger­bäck wird dann nicht mehr da­bei sein, denn der 67-Jäh­ri­ge zieht sich zu­rück. „Es war ei­ne fan­tas­ti­sche Rei­se. Ich bin sehr stolz, denn wir ha­ben uns enorm wei­ter­ent­wi­ckelt“, sag­te er. „Hof­fent­lich nutzt der Ver­band das Geld, um wei­te­re jun­ge Spie­ler zu för­dern.“

Gut mög­lich, dass es in zwei Jah­ren bei der Welt­meis­ter­schaft in Russ­land er­neut durch die Sta­di­en hallt: Hu!

FO­TO: IMAGO

Im Zei­chen der Tri­co­lo­re: Di­mi­tri Pay­et (li.), Patri­ce Ev­ra und Oli­vier Gi­roud.

FO­TO: PIXATHLON

Blei­ben­der Ein­druck: Die is­län­di­schen An­hän­ger stär­ken ih­rer Na­tio­nal­mann­schaft den Rü­cken.

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