Test­stre­cke für Ro­bo­ter-Au­tos in Düs­sel­dorf

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - WIRTSCHAFT - VON FLO­RI­AN RINKE

Übe­r­all in Deutsch­land wird das The­ma „au­to­ma­ti­sier­tes Fah­ren“vor­an­ge­trie­ben. In NRW könn­te ei­ne Test­stre­cke in der Lan­des­haupt­stadt ent­ste­hen. Da­für macht sich zu­min­dest der Ver­kehrs­mi­nis­ter auf Bun­des­ebe­ne stark.

DÜS­SEL­DORF Kaum ist die Wer­hahnLi­nie er­öff­net, könn­te es in Düs­sel­dorf das nächs­te zu­kunfts­wei­sen­de Ver­kehrs­pro­jekt ge­ben. Dies­mal geht es nicht um neue U-BahnTras­sen. Das NRW-Ver­kehrs­mi­nis­te­ri­um ar­bei­tet der­zeit an ei­nem Plan, ei­ne Test­stre­cke für au­to­ma­ti­sier­tes Fah­ren in der Lan­des­haupt­stadt ein­zu­rich­ten. Man sei für ein in­ner­städ­ti­sches Pro­jekt in Düs­sel­dorf der­zeit mit dem Bun­des­ver­kehrs­mi­nis­te­ri­um im Ge­spräch, sag­te ei­ne Spre­che­rin des Mi­nis­te­ri­ums un­se­rer Re­dak­ti­on. Ge­naue­re De­tails woll­te sie nicht ver­ra­ten.

In­dus­trie und Wis­sen­schaft drän­gen schon lan­ge auf ei­ne sol­che Test­stre­cke im ur­ba­nen Raum. In NRW hat nicht nur der US-Au­to­kon­zern Ford sei­nen Eu­ro­pa-Sitz, auch vie­le Zu­lie­fe­rer, Te­le­kom­mu­ni­ka­ti­ons- und Lo­gis­tik­kon­zer­ne ar­bei­ten und for­schen hier. Für sie al­le hat das The­ma au­to­no­mes Fah­ren ei­ne gro­ße Be­deu­tung. Te­le­kom­mu­ni­ka­ti­ons­kon­zer­ne ar­bei­ten bei­spiels­wei­se am neu­en Mo­bil­funk­stan­dard 5G, der für die Ver­net­zung und den Da­ten­aus­tausch zwi­schen Fahr­zeu­gen be­nö­tigt wird. Die Zu­lie­fe­rer wie­der­um ent­wi­ckeln et­wa tech­ni­sche As­sis­tenz­sys­te­me, mit de­nen die Fahr­zeu­ge dem Fah­rer im­mer mehr Ar­beit ab­neh­men könn­ten.

Längst tobt da­her zwi­schen den Län­dern ein schar­fer Kon­kur­renz­kampf. Wer als ers­tes Land die Rah­men­be­din­gun­gen schafft, wird at­trak­tiv für Her­stel­ler und die wich­ti­gen Zu­lie­fe­rer. Wäh­rend Bun­des­ver­kehrs­mi­nis­ter Alex­an­der Do­brindt (CSU) in sei­nem Hei­mat­land Bay­ern, dem Sitz von BMW und Au­di, ei­nen Au­to­bahn­ab­schnitt auf­rüs­ten lässt, zie­hen an­de­re Län­der nach. In Nie­der­sach­sen soll auf den Au­to­bah­nen zwi­schen Han­no­ver, Braun­schweig und Salz­git­ter ein 270 Ki­lo­me­ter lan­ger Te­string ent­ste­hen. Vor­an­ge­trie­ben wird das Pro­jekt un­ter an­de­rem von VW und Con­ti­nen­tal. In Ba­den-Würt­tem­berg, wo Daim­ler, Por­sche und Bosch sit­zen, will die Re­gie­rung in den kom­men­den zwei Wo­chen be­kannt ge­ben, wo sie ei­ne Pio­nier­re­gi­on an­sie­delt. Und in Nord­rheinWest­fa­len ge­neh­mig­te Ver­kehrs­mi­nis­ter Micha­el Gro­schek (SPD) be­reits im ver­gan­ge­nen Jahr ei­ne Test­stre­cke in Wup­per­tal. Zu­dem gibt es noch ein ab­ge­schlos­se­nes Test­feld in Al­den­ho­ven bei Aa­chen, das auch mit Lan­des­mit­teln ge­för­dert wur­de.

Doch um dau­er­haft kon­kur­renz­fä­hig zu sein, reicht das nicht. Denn die Test­stre­cke in Wup­per­tal ist zwar ein An­fang, aber längst nicht aus­rei­chend. Dort kön­nen zwar Fah­re­ras­sis­tenz­sys­te­me ge­tes­tet wer­den, für die In­dus­trie ist es je­doch wich­tig, auch die Ver­net­zung von Fahr­zeu­gen mit der Um­ge­bung, et­wa Am­peln, tes­ten zu kön­nen. Da­für müs­sen die Stre­cken je­doch tech­nisch auf­ge­rüs­tet wer­den.

Da­her gab es am 15. Ju­ni 2015 ein Tref­fen von Ver­tre­tern aus Wis­sen­schaft und In­dus­trie mit Ver­kehrs­mi­nis­ter Gro­schek, Wirt­schafts­mi­nis­ter Gar­relt Du­in (SPD) und Wis­sen­schafts­mi­nis­te­rin Sven­ja Schul­ze (SPD). Es ging um die Grün­dung ei­ner Ar­beits­grup­pe „Au­to­ma­ti­sier­tes und ver­netz­tes Fah­ren“. „Un­ser ge­mein­sa­mes An­lie­gen ist es, in NRW die­se Ent­wick­lung nicht nur zu för­dern, son­dern als Schritt­ma­cher maß­geb­lich mit­zu­ge­stal­ten“, heißt es im Ein­la­dungs­schrei­ben.

Ide­en gibt es vie­le. An der RWTH Aa­chen hofft man et­wa auf ei­ne Stre­cke vor der ei­ge­nen Haus­tür. Lutz Eck­stein, Lei­ter des In­sti­tuts für Kraft­fahr­zeu­ge der RWTH, schlägt als ei­ne Mög­lich­keit vor, tem­po­rär Braun­koh­le­flä­chen zu nut­zen. „Wenn wir ei­nen Au­to­bahn­ab­schnitt oder Dör­fer we­gen der Braun­koh­le­för­de­rung auf­ge­ben, soll­ten wir uns fra­gen, ob es nicht ein Zeit­fens­ter gibt, in dem wir die­se Stre­cken oder Or­te zeit­wei­se für die Er­for­schung von Tech­no­lo­gi­en zum au­to­ma­ti­sier­ten Fah­ren nut­zen kön­nen“, sagt er. Gro­schek ist we­nig be­geis­tert. „Von den Vor­schlä­gen hält die Lan­des­re­gie­rung nichts“, teilt sein Haus in Rich­tung Eck­stein knapp mit. Des­sen Kol­le­ge Achim Kamp­ker, Lei­ter des Lehr­stuhls „Pro­duc­tion En­gi­nee­ring of E-Mo­bi­li­ty Com­po­n­ents“, könn­te sich auch den Cam­pus der Uni Aa­chen als Te­st­re­gi­on vor­stel­len: „Den nächs­ten Schritt beim au­to­no­men Fah­ren wer­den wir nur durch Test­ki­lo­me­ter in der Rea­li­tät hin­be­kom­men.“

Wo die­se ge­fah­ren wer­den könn­ten, will Gro­schek nicht ver­ra­ten. Im Ok­to­ber sol­le be­kannt­ge­ge­ben wer­den, wel­che Pro­jek­te bei den zwei lau­fen­den Leit­markt­wett­be­wer­ben den Zu­schlag er­hal­ten, heißt es.

In Düs­sel­dorf hofft man un­ter­des­sen auf In­for­ma­tio­nen. Von den Plä­nen für ein Pro­jekt zum au­to­ma­ti­sier­ten Fah­ren weiß Ver­kehrs­de­zer­nent Ste­phan Kel­ler je­den­falls bis­lang nichts: „Be­grü­ßens­wert wä­re es al­le­mal und für uns na­tür­lich von ho­hem In­ter­es­se.“

FO­TO: GOOG­LE, DPA ¦ MONTAGE: FERL

In den USA ha­ben sich die Men­schen be­reits an den An­blick von selbst­fah­ren­den Goog­le-Au­tos ge­wöhnt. Auch in Düs­sel­dorf könn­ten bald au­to­ma­ti­sier­te Fahr­zeu­ge un­ter­wegs sein – vi­el­leicht so­gar an den Gehry-Bau­ten.

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