Lon­don will Kon­zer­ne mit Mi­ni-Steu­ern hal­ten

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - WIRTSCHAFT - VON BRI­GIT­TE SCHOLTES

Der Fi­nanz­mi­nis­ter will die Steu­er­last für Fir­men, die ih­ren Sitz in Groß­bri­tan­ni­en ha­ben, un­ter 15 Pro­zent sen­ken. Da­mit will er Un­ter­neh­men wie die ge­plan­te Super-Bör­se, Vo­da­fo­ne und Gold­man Sachs hal­ten.

LON­DON Der bri­ti­sche Fi­nanz­mi­nis­ter Ge­or­ge Os­bor­ne will die auf der In­sel an­säs­si­gen Un­ter­neh­men mit ei­ner mas­si­ven Steu­er­sen­kung von der Ab­wan­de­rung in die Eu­ro­päi­sche Uni­on ab­hal­ten. Als Re­ak­ti­on auf das Br­ex­it-Vo­tum kün­dig­te Os­bor­ne in der „Fi­nan­ci­al Ti­mes“an, die Kör­per­schaft­steu­er von 20 Pro­zent un­ter 15 Pro­zent zu sen­ken. Das Ziel sei ei­ne „super-wett­be­werbs­fä­hi­ge Wirt­schaft“. Mit ei­ner Steu­er­be­las­tung von Fir­men­ge­win­nen von un­ter 15 Pro­zent wür­de sich Groß­bri­tan­ni­en deut­lich vom Durch­schnitt der In­dus­trie­län­der (OECD) ab­set­zen, der bei 25 Pro­zent liegt. In Deutsch­land sind es knapp 30 Pro­zent, in Ir­land, das des­halb in der EU in der Kri­tik steht, sind es nur 12,5 Pro­zent. Die Re­gie­rung in Lon­don woll­te die Steu­er­be­las­tung ur­sprüng­lich bis zum Jahr 2020 nur un­ter 17 Pro­zent sen­ken. Nach dem Re­fe­ren­dum will Ge­or­ge Os­bor­ne nun noch wei­ter run­ter. Die Ge­fahr ei­nes wächst.

Heu­te will sich Os­bor­ne mit den Chefs gro­ßer Ban­ken tref­fen, um die La­ge zu er­ör­tern. Der In­ter­na­tio­na­le Wäh­rungs­fonds hält es für mög­lich, dass das bri­ti­sche Brut­to­in­lands­pro­dukt bis 2019 um bis zu 4,5 Pro­zent sinkt. We­gen des EU-Aus­tritts fürch­tet die Re­gie­rung, dass vie­le Fir­men ih­ren Haupt­sitz in die EU ver­le­gen, um den Zu­gang zum EUBin­nen­markt nicht zu ver­lie­ren.

Steu­er­dum­ping-Wett­laufs Super-Bör­se Ein Kan­di­dat ist die Lon­do­ner Bör­se (LSE), die ei­gent­lich mit der Deut­schen Bör­se fu­sio­nie­ren soll. Der recht­li­che Sitz der ge­plan­ten Super-Bör­se soll an der Them­se sein, dar­auf hat­ten die Bri­ten aus po­li­ti­schen Grün­den be­stan­den. Doch der Wi­der­stand in Deutsch­land wächst: Ei­ne Bör­sen­fu­si­on oh­ne Haupt­sitz in Frank­furt sei nach dem Br­ex­it nicht mehr mach­bar, sagt Gun­ter Dun­kel, Prä­si­dent des Ver­bands Öf­fent­li­cher Ban­ken. Denn dann wä­re al­lein die bri­ti­sche und nicht mehr ei­ne eu­ro­päi­sche Bör­sen­auf­sicht zu­stän­dig. Das ge­he nicht, sagt auch Ak­tio­närs­schüt­zer Klaus Nie­ding: „Da könn­te man den Sitz eher auf die fran­zö­si­sche Ka­ri­bik­in­sel St. Mar­tin le­gen“, scherzt er, die sei zu­min­dest im EURaum. Im­mer­hin stimm­ten ges­tern die Ak­tio­nä­re der Lon­do­ner Bör­se auf ei­ner au­ßer­or­dent­li­chen Haupt­ver­samm­lung mit 99,89 Pro­zent für die Fu­si­on. Die An­teils­eig­ner der Deut­schen Bör­se müs­sen bis zum 12. Ju­li ih­re Ak­ti­en zum Um­tausch in die der ge­mein­sa­men Ge­sell­schaft an­die­nen. Doch seit dem Br­ex­it-Vo­tum scheint de­ren Zu­stim­mung frag­lich. Das Um­tausch­ver­hält­nis müs­se hin­ter­fragt wer­den, sagt Ak­tio­närs­schüt­zer Nie­ding. Soll­te die Fu­si­on schei­tern, könn­te dies auch das En­de der Un­ab­hän­gig­keit der Deut­schen Bör­se sein. Denn das Bör­sen­ge­schäft ist glo­bal, es zählt Grö­ße. Des­halb könn­ten an­de­re Bör­sen­be­trei­ber so­wohl In­ter­es­se an der Lon­do­ner als auch an der Deut­schen Bör­se be­kun­den. Vo­da­fo­ne Auch der bri­ti­sche Mo­bil­funk­kon­zern Vo­da­fo­ne hat an­ge­kün­digt, ei­nen Weg­zug aus Groß­bri­tan­ni­en zu prü­fen. Dann könn­te Düs­sel­dorf der Ge­win­ner sein. Ent­schei­dend ist für Vo­da­fo­ne vor al­lem, ob es der bri­ti­schen Re­gie­rung ge­lingt, das Land trotz Br­ex­it im eu­ro­päi­schen Bin­nen­markt mit sei­ner Zoll- und an­de­ren Frei­hei­ten zu hal­ten. Gold­man Sachs Die US-Bank prüft, al­le 6500 in Lon­don an­säs­si­gen Mit­ar­bei­ter aus Groß­bri­tan­ni­en ab­zu­zie­hen. Das In­sti­tut sei dar­auf an­ge­wie­sen, dass sei­ne Fi­nanz­pro­duk­te auch im EU-Aus­land an­er­kannt wür­den, heißt es bei der Bank. Ea­sy­jet Der Bil­lig­flie­ger, des­sen Ak­tie seit dem Re­fe­ren­dum ein­ge­bro­chen ist, lässt be­wusst of­fen, ob er sein Haupt­quar­tier in Lu­ton bei Lon­don lässt. Ea­sy­jet be­müht sich der­zeit um ei­ne Li­zenz in ei­nem an­de­ren, nicht ge­nann­ten EU-Staat, um dort sei­nen Sitz ein­zu­rich­ten.

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