Apo­the­kern steht hei­ßer Herbst be­vor

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - WIRTSCHAFT - VON EVA QUADBECK

Der Eu­ro­päi­sche Ge­richts­hof wird im Sep­tem­ber ein Ur­teil fäl­len, das für die Apotheker in Deutsch­land exis­ten­zi­el­le Be­deu­tung hat. Die Rich­ter ent­schei­den, ob Ver­sand­händ­ler auf ver­schrei­bungs­pflich­ti­ge Arz­nei­en Ra­batt ge­ben dür­fen.

BER­LIN Zwi­schen den Apo­the­ken mit tra­di­tio­nel­len La­den­lo­ka­len und den Ver­sand­han­del-Apo­the­ken sind die al­ten Grä­ben wie­der auf­ge­bro­chen. Für Sep­tem­ber wird ein Ur­teil des Eu­ro­päi­schen Ge­richts­hofs er­war­tet, das be­stimmt, ob die Ver­sand­händ­ler ih­ren Kun­den Nach­läs­se auf re­zept­pflich­ti­ge Me­di­ka­men­ten ge­wäh­ren dür­fen.

Für den Ver­sand­han­del sind die Nach­läs­se ein at­trak­ti­ves Mo­dell, ins­be­son­de­re chro­nisch Kran­ke an sich zu bin­den. So ging in Düs­sel­dorf der Fall von Par­kin­son-Pa­ti­en­ten vor das Ober­lan­des­ge­richt, die häu­fig ei­ne gan­ze Rei­he ver­schrei­bungs­pflich­ti­ger Me­di­ka­men­te be­nö­ti­gen. Die nie­der­län­di­sche Ver­sand­apo­the­ke DocMor­ris ge­währ­te Nach­läs­se auf die für ge­setz­lich Ver­si­cher­ten üb­li­chen Zu­zah­lun­gen. Die Wett­be­werbs­zen­tra­le sah ei­nen Ver­stoß ge­gen die in Deutsch­land gel­ten­de Preis­bin­dung für re­zept­pflich­ti­ge Me­di­ka­men­te. Das Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf leg­te dem Eu­ro­päi­schen Ge­richts­hof die Fra­ge zur Prü­fung vor, da auch Fra­gen des frei­en eu­ro­päi­schen Wa­ren­ver­kehrs be­rührt sind.

Der zu­stän­di­ge Ge­ne­ral­an­walt beim EuGH stell­te be­reits fest, dass ei­ne Arz­nei­mit­tel-Preis­bin­dung wie ei­ne „men­gen­mä­ßi­ge Ein­fuhr­be­schrän­kung“wir­ke und nach eu­ro­päi­schen Recht ver­bo­ten sei.

Bei den Apo­the­kern löst die Aus­sicht, dass das Ge­richt dem Ge­ne­ral­an­walt fol­gen könn­te, Un­ru­he aus. Ih­nen steht ein hei­ßer Herbst be­vor. So mach­te sich die Ar­beits­ge­mein­schaft Freie Be­ru­fe bei der CDU-Mit­tel­stands­ver­ei­ni­gung NRW be­reits Ge­dan­ken, wie man der un­ge­lieb­ten Kon­kur­renz vom Ver­sand­han­del den­noch be­geg­nen kann. Ein Ent­wurf für die Lan­des­de­le­gier­ten-Ver­samm­lung am 27. Au­gust sieht vor, den Ver­sand­han­del mit ver­schrei­bungs­pflich­ti­gen Me­di­ka­men­ten in Deutsch­land gänz­lich wie­der zu ver­bie­ten. Bei die­ser Fra­ge lässt das eu­ro­päi­sche Recht den Na­tio­nal­staa­ten weit­ge­hend freie Hand. Nicht in al­len EU-Län­dern kön­nen re­zept­pflich­ti­ge Arz­nei­en be­stellt wer­den. Die deut­sche Re­ge­lung ist al­so re­la­tiv li­be­ral.

Ob die CDU-Mit­tel­stands­ver­ei­ni­gung tat­säch­lich die­se For­de­rung auf­stellt, ist noch of­fen. Die Be­für­wor­ter fürch­ten ei­ne stark wach­sen­de Kon­kur­renz auf dem Markt der ver­schrei­bungs­pflich­ti­gen Arz­nei­en. „Bei­spiels­wei­se könn­te es für Kran­ken­kas­sen in­ter­es­sant sein, di­rek­te Ver­trä­ge mit aus­län­di­schen On­line-Apo­the­ken ab­zu­schlie­ßen, um ih­re Mit­glie­der zu ver­sor­gen“, heißt es in dem Ent­wurf. Das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­te­ri­um ver­mied ei­ne Fest­le­gung, ob sie – un­ab­hän­gig vom Ur­teil – am Ver­sand­han­del mit re­zept­pflich­ti­gen Arz­nei­en fest­hält. „So­bald das Ur­teil vor­liegt, wer­den wir es sehr genau prü­fen“, sag­te ei­ne Spre­che­rin.

Der Vor­sit­zen­de des Apo­the­ker­ver­ban­des Nord­rhein, Tho­mas Preis, sieht dem Ur­teil eher ge­las­sen ent­ge­gen. „Wir Apotheker sind sehr zu­ver­sicht­lich, dass der Eu­ro­päi-

DocMor­ris be­tont:

Wir zah­len Mehr­wert­steu­er wie je­de Apo­the­ke

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.