„La­dy In­chi­quin“bleibt in NRW

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - KULTUR - VON THO­MAS REISENER

Das Land kauft für knapp 30 Mil­lio­nen Eu­ro die Wes­tLB-Kunst­samm­lung auf

DÜS­SEL­DORF Das Land NRW kauft den we­sent­li­chen Teil der Wes­tLBKunst­samm­lung mit­hil­fe ei­nes Kre­dits der NRW-Bank und über­gibt sie der lan­des­ei­ge­nen Kunst­samm­lung NRW. Ges­tern un­ter­zeich­ne­ten Mit­glie­der der NRW-Lan­des­re­gie­rung und Ver­tre­ter der Wes­tLB-Nach­fol­ge­rin Por­ti­gon ei­nen ent­spre­chen­den Kauf­ver­trag und be­stä­tig­ten da­mit ei­nen Be­richt die­ser Zei­tung vom Frei­tag.

Im Kauf­preis von knapp 30 Mil­lio­nen Eu­ro ist auch die auf fünf Mil­lio­nen Eu­ro ge­schätz­te Stra­di­va­ri „La­dy In­chi­quin“, die der Duis­bur­ger Star­gei­ger Frank Pe­ter Zim­mer­mann ge­spielt hat. Sie soll ihm nun wie­der zur Ver­fü­gung ge­stellt wer­den. Au­ßer­dem ge­hö­ren zu der Samm­lung be­rühm­te Ar­bei­ten von Au­gust Ma­cke, Paul Signac, Gün­ther Ue­cker und Hen­ry Moo­re. Zwei mit­tel­al­ter­li­che Alt­ar­ta­feln von Gio­van­ni di Pao­lo wer­den al­lein schon auf sechs Mil­lio­nen Eu­ro ge­schätzt.

Der ur­sprüng­lich ge­plan­te Ver­kauf der Wes­tLB-Kunst­samm­lung auf dem frei­en Markt hat­te vor gut ei­nem Jahr bun­des­wei­te Pro­tes­te und Vor­be­rei­tun­gen für ein neu­es Kul­tur­schutz­ge­setz auf Bun­des­ebe­ne aus­ge­löst. Das Ge­setz soll in we­ni­gen Ta­gen vom Bun­des­rat ver­ab­schie­det wer­den. Weil die Wes­tLB vor ih­rer Zer­schla­gung ei­ne lan­des­ei­ge­ne Bank war, gilt die Pri­va­ti­sie­rung der Samm­lung als Ta­bu­bruch.

NRW-Fi­nanz­mi­nis­ter Nor­bert Wal­ter-Bor­jans (SPD) hat­te zu­nächst ab­ge­lehnt, die Samm­lung zu­las­ten des Steu­er­zah­lers zu ret- ten, und sich – bis­lang ver­geb­lich – um pri­va­te Spon­so­ren be­müht. Dass das Land die Samm­lung nun doch für knapp 30 Mil­lio­nen Eu­ro Steu­er­geld auf­kauft, nann­te er ges­tern den­noch ei­nen „Er­folg“. Denn die Kon­struk­ti­on des Kaufs über ei­nen auf 100 Jah­re Lauf­zeit ge­streck­ten Kre­dit der lan­des­ei­ge­nen NRWBank er­mög­li­che – in Ver­bin­dung mit den ge­gen­wär­tig his­to­risch nied­ri­gen Zin­sen – ei­ne Mi­ni­malBe­las­tung für den Lan­des­haus­halt: „Prak­tisch wird der Lan­des­haus­halt nur mit 260.000 Eu­ro pro Jahr be­las­tet“, rech­ne­te Wal­ter-Bor­jans vor, „ich den­ke, das soll­te es uns auch wert sein.“Das Land sei aber wei­ter­hin auf der Su­che nach pri­va­ten Stif­tern. Ins­ge­samt wur­den 300 der knapp 400 Kunst­wer­ke er­wor­ben, die nun von der Kunst­samm­lung NRW teil­wei­se an ver­schie­de­ne Mu­se­en im Land ver­lie­hen wer­den sol­len. Mit dem Auf­kauf und der Über­füh­rung an die Kunst­samm­lung NRW ist die Lan­des­re­gie­rung im We­sent­li­chen frü­he­ren Vor­schlä­gen des CDU-Land­tags­ab­ge­ord­ne­ten Tho­mas Stern­berg und des Land­tags­grü­nen Oli­ver Key­mis ge­folgt.

FO­TO: EPA

Frank Pe­ter Zim­mer­mann 2013 auf Stra­di­va­ri „La­dy In­chi­quin“.

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