Im Jahr 1925 hat­te der Som­mer nur sie­ben Far­ben

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - DÜSSELDORFER KULTUR - VON AN­NET­TE BO­SET­TI

Samm­ler Wil­li Kemp macht sich für den Weg­be­rei­ter der Mo­der­ne, Carl Buch­he­is­ter, stark. Ei­ne Ent­de­ckungs­rei­se im Mu­se­um Kunst­pa­last.

Das Gelb leuch­tet wie ein Wei­zen­feld, das Rot wie ei­ne Mohn­blü­te. In Wirk­lich­keit ist Wie­sen­grün hel­ler, und Grau ver­bin­det man mit dem Som­mer eher nicht. Carl Buch­he­is­ter hat die­ses Bild im Jahr 1925 ge­malt. Es kün­det von ei­nem Som­mer in ei­ner fer­nen, blei­er­nen Zeit zwi­schen zwei Krie­gen. Und doch woll­te der Künst­ler in all der Abs­trak­ti­on, die er ge­brauch­te, die Stim­mung des Som­mers her­auf­be­schwö­ren. Al­les sei breit, rund, far­big, ku­gel­för­mig und kompakt im Som­mer. So er­teil­te Buch­he­is­ter in ei­nem Brief Aus­kunft zu sei­nem Haupt­werk.

Heu­te stau­nen wir in der ak­tu­el­len Aus­stel­lung im Mu­se­um Kunst­pa­last über Far­ben, For­men und die Flüs­se von ge­gen­satz­rei­chen Ele­men­ten. Wir ent­de­cken in Buch­he­is­ter, der zu Un­recht fast ver­ges­sen ist, so viel Al­ters­lo­ses, Mo­der­nes, Er­bau­li­ches. Das fin­det na­tür­lich auch Wil­li Kemp (89), Buch­he­is­ter-Samm­ler und Au­tor des Werk­ver­zeich­nis­ses, an dem er 32 Jah­re ge­ar­bei­tet hat, zum Teil eng zu­sam­men mit der Wit­we Eli­sa­beth. „Mit mir soll das Wis­sen nicht un­ter­ge­hen“, sagt Kemp, der sei­ne Kunst­samm­lung 2011 dem Mu­se­um Kunst­pa­last ge­stif­tet hat, dar­un­ter rund 100 Buch­he­is­ter-Wer­ke. Seit er einst als jun­ger Mann, An­fang der 1960er Jah­re, zum ers­ten Mal ein Bild von dem Pio­nier der mo­der­nen Kunst in Deutsch­land (1890-1964) ge­se­hen hat­te, kam er nicht mehr los da­von. „Je­des Bild ist neu“, sagt Kemp, „das ist gut, aber auch nach­tei­lig, weil ein Mar­ken­zei­chen fehlt, ei­ne Hand­schrift.“Buch­he­is­ter be­deu­te­te viel für den kunst­sin­ni­gen Steu­er­be­ra­ter, „er war der Ers­te, mit dem ich über Kunst spre­chen konn­te“, er­zählt Kemp.

Und dass der Künst­ler ihn er­mun­tert ha­be, über Kunst zu schrei­ben. So wur­de aus Wil­li Kemp ein kennt­nis­rei­cher wie sinn­li­cher An­walt der Kunst– ne­ben dem Sam­meln.

Dank der groß­zü­gi­gen Kem­pSchen­kung kann das Mu­se­um Kunst­pa­last die­se Aus­stel­lung zei­gen, die Kay Hey­mer fein­sin­nig zu­sam­men­ge­stellt hat. Es ist ei­ne Er­in­ne­rung an die Ma­le­rei ei­ner be­we­gen­den Zeit, an ei­nen Künst­ler, der wie vie­le sei­ner Kol­le­gen von den Na­zis Mal­ver­bot er­hielt, der nach dem zwei­ten Kriegs­ein­satz Jah­re brauch­te, um sich zu fan­gen und zu ei­ner neu­en Schaf­fens­pe­ri­ode auf­brach. Doch lässt sich das Werk Buch­he­is­ters nicht ein­fach in ei­ne frü­he kon­struk­ti­vis­ti­sche und die spä­te­re, dem In­for­mel na­he Pha­se auf­tei­len. Ob­wohl er für sich die frü­he Ma­le­rei als be­en­det er­klärt hat­te.

Ei­ne un­ge­heu­re Viel­falt bricht auf den Be­su­cher ein, ei­ne Ma­le­rei sehr ei­ge­ner Art mit nur we­ni­gen na­tu­ra­lis­ti­schen Sze­ne­ri­en, die im Krieg und in der Ge­fan­gen­schaft ent­stan­den. „Kom­po­si­tio­nen“hei­ßen vie­le Wer­ke, dar­an ge­kop­pelt ei­ne un­ver­ständ­li­che Ab­kür­zung, fast ein Spaß, denn der Au­to­di­dakt Buch­he­is­ter pickt ein­zel­ne Sil­ben auf. Sein bild­ne­ri­sches Den­ken ope­riert mit Ge­gen­sät­zen, lebt von Rhyth­men und von plas­ti­scher Er­wei­te­rung des Raums. Auch col­la­gier­te Lein­wän­de gibt es in den spä­ten Jah­ren. Viel und tief zu schau­en.

Bis 7. Au­gust im Eh­ren­hof zu se­hen.

FO­TO: SLG KEMP, VG BILDKUNST 2015

Carl Buch­he­is­ter, Opus 25 a (Som­mer­bild), 1925.

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