Ein sinn­vol­ler Vor­stoß beim Un­ter­richts­aus­fall

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - STIMME DES WESTENS - VON FRANK VOLLMER VON DET­LEV HÜWEL VON MAT­THI­AS BEERMANN

Es be­wegt sich al­so doch was in der Fra­ge, wie in Nord­rhein-West­fa­len der Un­ter­richts­aus­fall er­fasst wer­den soll. Ein aus­sichts­rei­cher Vor­schlag plä­diert da­für, dass al­le Schu­len je ein­mal im Jahr an ei­ner Stich­pro­be teil­neh­men, die über das gan­ze Schul­jahr läuft. Das wä­re gut. Je mehr Schu­len mit­ma­chen und je grö­ßer der Zei­t­raum ist, der er­fasst wird, des­to hö­her die Ak­zep­tanz der Stich­pro­be. War­um die Be­we­gung erst jetzt kommt, ob­wohl das Pro­blem seit Jah­ren die Ge­mü­ter er­hitzt, ist al­ler­dings un­ver­ständ­lich – weil sie auf die Bil­dungs­kon­fe­renz war­ten will, re­agiert die Schul­mi­nis­te­rin zu spät. Trotz­dem: Die aus­ge­wei­te­te Stich­pro­be könn­te sich als sinn­vol­ler Kom­pro­miss er­wei­sen. Al­le Be­tei­lig­ten soll­ten po­si­tiv an das neue Ver­fah­ren her­an­ge­hen und es nicht bloß als de­fi­zi­tä­re Durch­gangs­stu­fe auf dem Weg zur To­tal­er­fas­sung se­hen.

Wich­tig ist aber auch noch ei­ne bes­se­re De­fi­ni­ti­on: Was ist Un­ter­richts­aus­fall? Viel­leicht setzt sich hier ja die Er­kennt­nis durch, dass es ne­ben „aus­ge­fal­len“und „nicht aus­ge­fal­len“ei­ne drit­te Ka­te­go­rie gibt: wenn die Schü­ler sich in der Schu­le be­schäf­ti­gen, aber eben nicht un­ter­rich­tet wer­den – das be­rühmt­be­rüch­tig­te ei­gen­ver­ant­wort­li­che Ar­bei­ten. Das als ei­ge­ne Zwi­schen­stu­fe aus­zu­wei­sen, wä­re nur fair. BE­RICHT AL­LE SCHU­LEN SOL­LEN AUS­FALL MES­SEN, TITELSEITE

EKoh­le-Kom­pro­miss

r klingt drö­ge, aber der Be­schluss von Ro­tG­rün hat es in sich: Mit der Auf­nah­me der Lei­tent­schei­dung zu Garz­wei­ler II in den Lan­des­ent­wick­lungs­plan (LEP) tickt für die­sen Braun­koh­leTa­ge­bau die Uhr. Denn die be­schlos­se­ne räum­li­che Ver­klei­ne­rung des Ab­bau­ge­biets be­deu­tet de fac­to das vor­zei­ti­ge Aus, auch wenn sich das Un­ter­neh­men RWE da­ge­gen noch auf­leh­nen mag.

Schon die An­kün­di­gung der Lei­tent­schei­dung 2014 hat die da­mals von Um­sied­lung be­droh­ten Men­schen in und um Holz­wei­ler auf­at­men las­sen. Mit der Ei­n­ar­bei­tung die­ser Lei­tent­schei­dung in den LEP be­kom­men sie nun ver­brieft, vor den mäch­ti­gen Bag­gern si­cher zu sein, die zu­dem ei­nen deut­lich grö­ße­ren Ab­stand zur Wohn­be­bau­ung ein­hal­ten müs­sen als an­ders­wo.

SPD-Lan­des­che­fin Han­ne­lo­re Kraft hat mas­si­ve Pro­ble­me da­mit ge­habt, die Ver­klei­ne­rung von Garz­wei­ler ih­rer „Koh­le­frak­ti­on“zu „ver­kau­fen“. Den Grü­nen wie­der­um kann der Aus­stieg aus der Braun­koh­le gar nicht schnell ge­nug ge­hen. Mit dem ge­fun­de­nen Kom­pro­miss kön­nen bei­de Sei­ten le­ben. BE­RICHT SCHLUSS­STRICH UN­TER . . ., TITELSEITE

Schä­bi­ges Re­fe­ren­dum

Un­garns Mi­nis­ter­prä­si­dent Vik­tor Or­ban lässt sei­nen An­kün­di­gun­gen Ta­ten fol­gen: Am 2. Ok­to­ber wird es ei­ne Volks­ab­stim­mung ge­ben, mit der Or­ban je­der Zu­tei­lung von Flücht­lin­gen durch die EU ei­nen Rie­gel vor­schie­ben will. Nun ist es ja nicht so, als sei Un­garns Blo­cka­de­hal­tung in die­ser Fra­ge nicht all­ge­mein be­kannt. Und es be­steht auch kaum ein Zwei­fel dar­an, dass sich ei­ne deut­li­che Mehr­heit der Un­garn in der strik­ten Ab­leh­nung von Zu­wan­de­rung ziem­lich ei­nig mit ih­rem Re­gie­rungs­chef ist. Wo­zu dann al­so die­ses Re­fe­ren­dum?

Weil es Or­ban längst nicht nur um die Flücht­lings­fra­ge geht – er rei­tet ei­nen Ge­ne­ral­an­griff ge­gen die die EU. Or­ban will Vol­kes Stim­me spek­ta­ku­lär ge­gen „die da in Brüs­sel“in Stel­lung brin­gen. Es han­delt sich um ei­ne Kam­pa­gne, die an­ge­sichts des Br­ex­itCha­os in Eu­ro­pa be­son­ders schä­big ist. War­um lässt Or­ban nicht gleich über ei­nen EU-Aus­tritt ab­stim­men? Das hät­te we­nigs­tens den gro­ßen Vor­teil, die un­ga­ri­schen Wäh­ler vor ei­ne ech­te Wahl zu stel­len. Denn auch für Un­garn gilt, dass man in der EU eben nicht nur Rech­te hat, son­dern auch Pflich­ten. BE­RICHT UN­GARN STIMMT ÜBER . . ., TITELSEITE

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