„Un­sinn­spoe­sie“im Hei­ne Haus

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - DÜSSELDORFER KULTUR - VON JES­SI­CA BALLEER

Beim Poe­sie­fest le­sen Alt­meis­ter Al­f­red Bren­del und ei­ne Nach­wuch­s­poe­tin.

DÜS­SEL­DORF Ei­nen Ohn­machts­an­fall hat es schon ge­ge­ben, als der Alt­meis­ter zum ers­ten Mal in der Stadt vor­las. Vor et­wa 15 Jah­ren war das, als der gro­ße Pia­nist Al­f­red Bren­del im Hei­ne Haus sei­nen ers­ten Ge­dicht­band prä­sen­tier­te. Da­mals im al­ten Le­se­saal, er­in­nert sich Se­lin­de Böhm von der Li­te­ra­tur­hand­lung, ver­lor ei­ne Frau das Be­wusst­sein. We­ni­ger we­gen der per­sön­li­chen, über­bor­den­den Fas­zi­na­ti­on für Bren­del als viel­mehr, weil der klei­ne Saal so über­lau­fen war von Fans.

Be­reits da­mals war die Buch­hand­lung das Herz, das Zen­trum al­ler Mü­hen rund um die Li­te­ra­tur in Düs­sel­dorf. Mitt­ler­wei­le ist sie auf der Bol­ker­stra­ße im Ge­burts­haus von Hein­rich Hei­ne zu fin­den. Jetzt pas­sen gut 150 Zu­schau­er in den Vor­trags­saal. Und so vie­le wer­den es am Mon­tag­abend si­cher wie­der wer­den, denn Al­f­red Bren­del kommt zum Poe­sie­fest. Der 85-Jäh­ri­ge bringt sein neu­es­tes Werk mit nach Düs­sel­dorf – und schon jetzt sind nur noch Rest­kar­ten an der Abend­kas­se er­hält­lich. Na­tür­lich steht das Fest im Hei­ne Haus wie­der un­ter ei­nem Mot­to. „Un­sinn­spoe­sie“lau­tet das, und es meint die Art von Poe­sie, de­ren ein­zi­ger Sinn im Spiel und Klang der Wor­te selbst be­steht. Es passt in das Jahr 2016, in dem das 100-jäh­ri­ge Be­ste­hen des Da­da­is­mus ge­fei­ert wird, dem größ­ten Un­sinn der Kunst.

So ei­nen Star wie Al­f­red Bren­del, welt­be­kann­ter Pia­nist und Mu­si­kLi­te­rat, nach Düs­sel­dorf zu ho­len, ist viel Ar­beit und be­darf ei­nes Netz­werks, sagt Se­lin­de Böhm. Dass er jetzt kommt und vor al­lem zu die­sem Mot­to per­fekt passt, ist ein Zu­fall, der die­se jah­re­lan­ge Ar­beit be­lohnt: An­fang des Jah­res ver­öf­fent­lich­te Bren­del „Mu­sic, Sen­se and Non­sen­se“– „Mu­sik, Sinn und Un­sinn“. Für das Neue in der Kö­nigs­klas­se der Li­te­ra­tur steht beim Poe­sie­fest ein Na­me: Ju­lia Trom­pe­ter. Die Nach­wuchs­li­te­ra­tin er­hält für ihr Buch „Zum Be­grei­fen nah“am Sonn­tag den ers­ten Düs­sel­dor­fer „Poe­sieDe­bütP­reis“. FAZRe­dak­teur Hubert Spiegel ist Ju­ryMit­g­lie und nennt gu­te Grün­de für die Wahl von Trom­pe­ter: „Ih­re Be­ob­ach­tungs­ga­be, sprach­schöp­fe­ri­sche Lust und Mu­si­ka­li­tät ge­hen in ih­ren Ge­dich­ten frucht­ba­re Ver­bin­dun­gen ein.“Die­se Re­zen­si­on zu le­sen, macht schon Lust auf mehr. Noch schö­ner wird es wohl sein, Ju­lia Trom­pe­ter bei der Ma­ti­nee im Hei­ne Haus ab 12 Uhr zu­zu­hö­ren (Ein­tritt acht Eu­ro). Das Opern­stu­dio der Deut­schen Oper am Rhein mit den Sän­gern Eva Bo­do­ro­vá und Ro­man Ho­za so­wie der Schau­spie­ler Ru­dolf Ko­wal­ski und Buch­händ­ler Ru­dolf Mül­ler wer­den dann auch da sein. Weil Poe­sie aber auch Fan­ta­sie, Krea­ti­vi­tät und Un­be­schwert­heit ist, gibt es auch das Kin­der­poe­sie­fest mit Kin­der­buch­au­to­rin Ro­traut Ber­ner und Li­te­ra­tur­wis­sen­schaft­le­rin Chris­ti­ne Knöd­ler. Ge­bas­telt, ge­malt und ge­dich­tet wird am Sams­tag von 14 bis 16 Uhr in der Deut­schen Oper am Rhein.

„Die Stadt­tie­re sind un­ter uns!“, ru­fen dann die ver­klei­de­ten Acht­bis Zwölf­jäh­ri­gen, die sich in die Welt der Tie­re träu­men. Ab Sams­tag bie­ten das Hei­ne Haus und die Deut­sche Oper am Rhein wie­der drei Ta­ge lang Zeit und Raum für reich­lich schö­nen Un­sinn.

FO­TO: P. SUSEWIND

Ju­lia Trom­pe­ter

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