Ka­len­der­blatt 6. Ju­li 1908

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - UNTERHALTUNG - TEXT: JENI / FO­TO: DPA

Wel­cher Po­lar­for­scher den Nord­pol als ers­ter er­reicht hat, wird bis heu­te kon­tro­vers dis­ku­tiert. War es der US-ame­ri­ka­ni­sche For­scher Fre­de­rick Cook, der bis zu sei­nem Le­bens­en­de be­haup­te­te, im April 1908 am nörd­lichs­ten Punkt der Er­de ge­we­sen zu sein? Cook fehl­te es je­doch an Be­wei­se und sei­ne Rei­se­be­schrei­bung ge­riet bald in Miss­kre­dit. Ei­ner, der ak­tiv Zwei­fel an Cooks Be­haup­tung sä­te, war ei­ner sei­ner Kon­kur­ren­ten: Ro­bert Ed­win Pea­ry. Die­ser star­te­te selbst am 6. Ju­li 1908 ei­ne Nord­pol-Ex­pe­di­ti­on und be­haup­te­te nach sei­ner Rück­kehr, sein Ziel er­reicht zu ha­ben. Doch auch Pea­rys Be­richt ist frag­wür­dig. Nicht nur feh­len in den Auf­zeich­nun­gen aus­ge­rech­net die Berichte zu den ent­schei­den­den Ta­gen. Auch Pea­rys an­geb­li­che Ta­ges­etap­pen weck­ten Miss­trau­en. Hat­te der For­scher meist rund 20 Ki­lo­me­ter pro Tag ab­sol­viert, will er an den letz­ten Ta­gen bis zu 70 Ki­lo­me­ter und mehr ge­schafft ha­ben. Au­ßer­dem ließ er aus­ge­rech­net die Mit­glie­der sei­ner Ex­pe­di­ti­on zu­rück, die in der La­ge ge­we­sen wä­ren, sei­ne Be­haup­tun­gen durch ei­ge­ne Mes­sun­gen zu be­stä­tig­ten, und nahm nur un­er­fah­re­ne Be­glei­ter mit. Zeit­ge­nos­sen und mo­der­ne Wis­sen­schaft­ler schenken Pea­rys Be­richt des­halb nur we­nig Glau­ben. Ver­mut­lich wa­ren es dann doch Um­ber­to No­bi­le und Ro­ald Amund­sen, die an Bord des Luft­schiffs „No­bi­le“den Nord­pol erst­mals er­reicht ha­ben – auf dem Luft­weg.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.