900 Eu­ro Stra­fe für An­griff mit Hand­ta­sche

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - DÜSSELDORF -

(wuk) Ta­ten­los nahm ei­ne jun­ge Mut­ter (29) nicht hin, dass sie ih­re Toch­ter (9) über Wo­chen hin­weg nicht se­hen durf­te. Der Va­ter des Kin­des mach­te es sich leicht: „Es geht nicht um Lie­be, son­dern um das, was der Fa­mi­li­en­rich­ter ent­schie­den hat.“Doch weil die Mut­ter trotz­dem mit Nach­druck vor sei­ner Woh­nung auf­ge­taucht war und mit al­ler Em­pö­rung und ih­rer Hand­ta­sche so­gar noch zu­schlug, muss sie jetzt 900 Eu­ro Stra­fe zah­len. So das gest­ri­ge Ur­teil ei­ner Amts­rich­te­rin.

Der Streit um das Kind brach­te die An­ge­klag­te bit­ter­lich zum Wei­nen: „Ich hat­te die Klei­ne, die bei ih­rem Va­ter lebt, vier Wo­chen nicht ge­se­hen. Und nach ei­nem Gut­ach­ten soll­te ich in Zu­kunft so­gar noch we­ni­ger Kon­takt ha­ben! Die­ser Mann will mei­ne Toch­ter zer­stö­ren, hat sie mir weg­ge­nom­men. Ei­ne Frech­heit!“Ge­walt­sam zu­rück­ho­len woll­te sie ihr Kind vor ei­nem Jahr aber nicht, als sie mit ih­rer Mut­ter (58) aus dem Ruhr­ge­biet an­reis­te, um die Toch­ter zu se­hen. „Sie wiegt ge­ra­de mal 20 Ki­lo, woll­te auch wie­der zu mir zu­rück, aber nach ei­ner Kopf­wä­sche durch den Va­ter bin ich jetzt die bö­se Ma­ma, weil ich ihm weh­ge­tan ha­be.“

Kurz vor den Som­mer­fe­ri­en ha­be sie ihr Kind we­nigs­tens „noch mal umar­men“wol­len, sei aber an der Woh­nungs­tür des Va­ters ge­schei­tert. „Ich ha­be ihm nichts ge­tan, er hat mich da­für an den Haa­ren ge­ris­sen und ge­schubst.“An­ge­klagt war die jun­ge Mut­ter hier al­ler­dings, weil sie den Va­ter im Trep­pen­haus laut­hals mit übels­ten Ver­wün­schun­gen be­lei­digt ha­be, sich dann samt ih­rer Mut­ter doch noch in sei­ne Woh­nung ge­drängt und ihm dort mit ih­rer Hand­ta­sche ge­gen den Rü­cken ge­schla­gen ha­be. Das hat ei­ne an­de­re Mie­te­rin aus dem Haus so be­stä­tigt. An ei­nem Schuld­spruch für die 29-Jäh­ri­ge war da­mit nicht zu zwei­feln.

Die Rich­te­rin hielt der An­ge­klag­ten aber zu­gu­te: „Sie hat­te das Recht, ihr Kind zu se­hen.“Der Kinds­va­ter ha­be „sein ei­ge­nes Recht ge­spro­chen“, das Mäd­chen da­durch von der Mut­ter fern­ge­hal­ten. Aber mit Ge­walt hät­te die Mut­ter ihr Recht nicht durch­set­zen dür­fen, schon gar nicht, weil sie noch un­ter Be­wäh­rung stand. Ei­ne wei­te­re Be­wäh­rungs­stra­fe von sechs Mo­na­ten, die der Staats­an­walt we­gen Nö­ti­gung, Be­lei­di­gung, Haus­frie­dens­bruchs und Kör­per­ver­let­zung for­der­te, hielt die Rich­te­rin für zu hart. Sie ließ es bei 900 Eu­ro Stra­fe. Die mit­an­ge­klag­te Oma wur­de so­gar frei­ge­spro­chen. Sie hat­te nach Darstel­lung der Nach­ba­rin nur da­bei­ge­stan­den.

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