RUND UMS RAT­HAUS CDU kürt Kan­di­da­ten nur auf Par­tei­ta­gen

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - DÜSSELDORF -

Ob­wohl die Ba­sis im Wahl­kreis Andre­as-Paul Stie­ber als kla­ren Fa­vo­ri­ten für die Land­tags­wahl ge­wählt hat­te, no­mi­nier­ten die De­le­gier­ten auf dem Par­tei­tag Olaf Leh­ne. Ein um­strit­te­nes Ver­fah­ren mit teils ab­sur­den Er­geb­nis­sen und neu­en Seil­schaf­ten.

Dass die Düs­sel­dor­fer CDU auch zwei Jah­re nach dem Macht­ver­lust im Rat­haus weit von ei­ner schlag­kräf­ti­gen Ein­heit ent­fernt ist, hat sich beim Par­tei­tag in der ver­gan­ge­nen Wo­che wie­der ge­zeigt: Bei der No­mi­nie­rung von Par­tei­chef Tho­mas Jar­zom­bek und Sylvia Pan­tel für den Bun­des­tag, bei der sich in den zahl­rei­chen Nein-Stim­men nach wie vor die La­ger der bei­den Wi­der­sa­cher im Burg­frie­den spie­gel­ten. Bei der er­war­tungs­ge­mäß aus­sichts­lo­sen, aber den­noch zwei­ten Ge­gen­kan­di­da­tur von Be­rit Zal­ber­tus ge­gen An­ge­la Er­win in ei­nem der Land­tags­wahl­krei­se (Zal­ber­tus war maß­geb­lich von Pan­tels La­ger un­ter­stützt wor­den). Oder bei der über- ra­schen­den Wen­de im Land­tags­wahl­kreis 40 (Düs­sel­dorf Nord), wo Olaf Leh­ne das Er­geb­nis der Vor­wahl durch die Ba­sis im Wahl­kreis dreh­te und ge­gen den fa­vo­ri­sier­ten Andre­as-Paul Stie­ber ge­wann. Noch im­mer be­herr­schen Macht­kämp­fe den Düs­sel­dor­fer Kreis­ver­band.

Zu­min­dest in Fol­ge des Du­ells Leh­ne con­tra Stie­ber gibt es jetzt ein Nach­spiel. Vor­ab­stim­mun­gen im je­wei­li­gen Wahl­kreis wer­den nicht mehr statt­fin­den, be­tont Jar­zom­bek, son­dern nur noch die No­mi­nie­run­gen auf dem Par­tei­tag. So

hand­habt es auch die Düs- sel­dor­fer SPD seit ei­ni­gen Jah­ren. De­ren Vor­sit­zen­der Andre­as Rim­kus sieht nur durch ge­samt­städ­ti­sche Ab­stim­mun­gen ei­ne brei­te Un­ter­stüt­zung durch die Par­tei­ba­sis ge­währ­leis­tet, schließ­lich ent­sen­den al­le Orts­ver­ei­ne ih­rer Grö­ße ent­spre­chend ei­ne be­stimm­te An­zahl an De­le­gier­ten. Bei Ab­stim­mun­gen in den ein­zel­nen Wahl­krei­sen sind al­le dort re­gis­trier­ten Mit­glie­der stimm­be­rech­tigt. Je nach­dem, wel­cher Kan­di­dat bes­ser mo­bi­li­siert, kann das zu ver­zerr­ten Er­geb­nis­sen füh­ren. Oder zu ab­sur­den. Wie bei der CDU vor der Kom­mu­nal­wahl 2014. Da­mals ka­men in ei­nem Wahl­kreis ge­ra­de mal zwei Mit­glie­der zur Ab­stim­mung, ei­ner der Teil­neh­mer war der Kan­di­dat selbst. Dass er mit ei­nem Vo­tum von 100 Pro­zent glän­zen konn­te, über­rasch­te nicht, war wohl auch ver­dient. Auf die­se Art könn­ten sich aber auch un­be­re­chen­ba­re Per­sön­lich­kei­ten auf­stel­len las­sen.

Die Ba­sis für die von Jar­zom­bek an­ge­kün­dig­te Ve­rän­de­rung ha­ben die Christ­de­mo­kra­ten be­reits bei ei­ner Re­form ih­rer Par­tei­sat­zung ge­legt. Die Vor­ent­schei­dun­gen in den Wahl­krei­sen ha­ben für die De­le­gier­ten auf dem Par­tei- tag nur noch emp­feh­len­den Cha­rak­ter, sie kön­nen – sie­he Bei­spiel Leh­ne – auch ei­nen an­de­ren Kan­di­da­ten kü­ren. Das sei auch deut­lich kom­mu­ni­ziert wor­den, ver­si­chert Jar­zom­bek. Der Frust bei den Stie­ber-An­hän­gern im Düs­sel­dor­fer Nor­den ist trotz­dem groß.

Leh­ne zum Sieg ver­hol­fen ha­ben sol­len gut in­for­mier­ten Par­tei­stra­te­gen zu­fol­ge auch ganz neue Seil­schaf­ten. So ha­be Andre­as Hart­nigk für ihn die par­tei­in­ter­ne Wer­be­trom­mel ge­rührt. Das lag of­fen­bar nicht nur an der räum­li­chen Nä­he ih­rer Bü­ros – bei­de sind Rechts­an­wäl­te im sel­ben Ge­bäu­de in der Düs­sel­dor­fer Ci­ty, in un­ter­schied­li­chen Kanz­lei­en –, son­dern auch an Hart­nig­ks po­li­ti­schen Am­bi­tio­nen. Er will Bür­ger­meis­ter wer­den, falls sein Frak­ti­ons­kol­le­ge im Stadt­rat, Fried­rich Con­zen, ir­gend­wann das Amt ab­ge­ben soll­te. Das ist längst ein of­fe­nes Ge­heim­nis.

We­ni­ger be­kannt ist, dass auch Leh­ne Ge­fal­len an der Bür­ger­meis­ter-Po­si­ti­on ge­fun­den hät­te – we­gen sei­ner Leut­se­lig­keit durch­aus mit Chan­cen. Mit sei­ner Kan­di­da­tur für den Land­tag und erst recht, wenn Leh­ne ein­zieht, lie­gen sol­che Plä­ne erst ein­mal auf Eis. Es wä­re nicht das ers­te Mal, dass ein Kon­kur­rent ein­fach weg­ge­lobt wird.

RP-FO­TOS: A.ENDERMANN

Andre­as-Pau­lS­tie­ber, Tho­mas Jar­zom­bek und Olaf Leh­ne (v.l.)

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.