Ver­kehrs­kol­laps mit An­sa­ge

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - STIMME DES WESTENS - VON MAR­TIN KESSLER VON EVA QUADBECK VON GRE­GOR MAYNTZ SEXTATEN KÖN­NEN KÜNF­TIG NUR . . ., SEI­TE A 4

Das Trau­er­spiel um die Au­to­bahn­brü­cke A 1 bei Le­ver­ku­sen ist sym­pto­ma­tisch für den Zu­stand der Ver­kehrs­pla­nung, nicht zu­letzt für die Po­li­tik ins­ge­samt. Es fängt da­mit an, dass Bund und Land der In­fra­struk­tur über Jahr­zehn­te kaum Be­ach­tung schenk­ten. Ma­ro­de Stra­ßen und Brü­cken zu sa­nie­ren, kos­tet viel Geld und bringt we­nig Stim­men. Die not­wen­di­gen In­ves­ti­tio­nen wur­den viel zu lan­ge auf­ge­scho­ben.

Zum zwei­ten gibt es in den Haus­hal­ten von Bund und Land kei­nen Zwang zu Ab­schrei­bun­gen für zen­tra­le In­fra­struk­tur­ein­rich­tun­gen. Das hät­te Po­li­ti­ker da­von ab­ge­hal­ten, das für die Sa­nie­rung not­wen­di­ge Geld in an­de­re, ge­fäl­li­ge­re Pro­jek­te zu ste­cken.

An der Au­to­bahn­brü­cke A 1 sind nun die Fol­gen zu be­sich­ti­gen. Die Brü­cke hat längst ihr Halt­bar­keits­da­tum über­schrit­ten, und die Po­li­zei kann noch nicht ein­mal ver­hin­dern, das Lkw ver­bo­te­ner­wei­se das ma­ro­de Bau­werk über­que­ren. Nun dro­hen To­tal­sper­rung und Ver­kehrs­kol­laps. Zehn­tau­sen­de von Fahr­zeu­gen nut­zen die Brü­cke, dar­un­ter vie­le Pend­ler, die zu den Ford-Wer­ken und zum Che­mie­park Le­ver­ku­sen wol­len. Ei­ne Al­ter­na­ti­ve gibt es nicht. Aber künf­tig soll­te man dar­aus die Leh­re zie­hen, wich­ti­ge Ver­kehrs­we­ge bes­ser zu pfle­gen. BE­RICHT DIE AU­TO­BAHN­BRÜ­CKE A 1 . . ., TITELSEITE

Dass bei­na­he die Hälf­te al­ler Al­lein­er­zie­hen­den als ar­muts­ge­fähr­det gilt, ist ei­ne alar­mie­ren­de Bi­lanz. Die­se Müt­ter und Vä­ter müs­sen ih­re Kin­der täg­lich er­mah­nen, was sie sich nicht leis­ten kön­nen: Schwimm­bad, Ki­no, Ge­schen­ke für die Ge­burts­tags­ein­la­dung, Mu­sik­schu­le und Nach­hil­fe. Auf Dau­er grenzt die­ser Zu­stand Kin­der aus und min­dert ih­re Zu­kunfts­chan­cen.

Selbst­ver­ständ­lich kann der Staat nicht an al­len Ecken und En­den den Al­lein­er­zie­hen­den das ge­ben, was auch Fa­mi­li­en selbst auf­brin­gen müs­sen. Der Staat könn­te sie aber stär­ker ent­las­ten. Wäh­rend vie­le Fa­mi­li­en üp­pig vom Ehe­gat­ten­split­ting pro­fi­tie­ren, fällt der Steu­er­frei­be­trag für Al­lein­er­zie­hen­de von knapp 2000 Eu­ro im Jahr ma­ger aus. Auch ei­ne Ent­las­tung bei den So­zi­al­ab­ga­ben für die un­te­ren Ein­kom­men, die eh kaum Steu­ern zah­len, ist er­wä­gens­wert. Die Al­lein­er­zie­hen­den hät­ten bei bes­se­rer Ent­las­tung ei­nen hö­he­ren An­reiz, so viel zu ar­bei­ten, dass sie es aus ei­ge­ner Kraft über die Ar­muts­schwel­le schaf­fen. Zugleich wä­re es für sie leich­ter, die­ses Ziel zu er­rei­chen. BE­RICHT JE­DER ZWEI­TE MANN VER­WEI­GERT . . ., TITELSEITE

EAr­me Al­lein­er­zie­hen­de

Die AfD bleibt sich treu

ine in­ter­es­san­te Ar­beits­tei­lung lässt sich der­zeit in der Po­li­tik be­ob­ach­ten: Die Ko­ali­ti­on biegt bei der In­te­gra­ti­on auf die Ziel­ge­ra­de, ihr Geg­ner von der AfD bei der In­tri­ge. Dem lan­ge schon sich ab­zeich­nen­den Show-down zwi­schen den Par­tei­chefs Jörg Meu­then und Frau­ke Pe­try fiel mit der Auf­spal­tung der AfD in zwei „Al­ter­na­ti­ve“-Frak­tio­nen in Ba­den-Würt­tem­berg zu­nächst ein­mal der dor­ti­ge Sta­tus als größ­te Op­po­si­ti­ons­par­tei zum Op­fer.

Das mag je­nen egal sein, die die Funk­ti­on der AfD oh­ne­hin im Auf­sam­meln von größt­mög­li­chem Pro­test­po­ten­zi­al statt in wahr­nehm­ba­rer par­la­men­ta­ri­scher Sach­ar­beit se­hen. Doch bleibt da­bei die Hoff­nung po­ten­zi­el­ler Wäh­ler auf der Stre­cke, ei­ne Al­ter­na­ti­ve zu den Que­re­len in den so­ge­nann­ten Alt­par­tei­en zu fin­den. Hier bleibt die AfD sich treu: Wie so vie­le ih­rer po­li­ti­schen Pro­vo­ka­tio­nen macht sie auch den in­ter­nen Macht­kampf plum­per, här­ter und ver­let­zen­der. An­de­re Par­tei­en lei­ten ih­ren Be­stand nicht zu­letzt aus der in­ne­ren Nest­wär­me ab. Die AfD ver­sucht es mit Käl­te. Das mag ih­ren Ab­stieg be­güns­ti­gen. BE­RICHT

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