La Mann­schaft ge­gen Les Bleus

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - EM 2016 - VON RO­BERT PE­TERS

Zum Halb­fi­na­le ge­gen Frank­reich heute (21 Uhr) sagt DFB-Stür­mer Tho­mas Mül­ler: „Für sol­che Spie­le schaut man die Eu­ro.“

EVI­AN Tho­mas Mül­ler sitzt auf dem Po­di­um des DFB-Me­di­en­zen­trums in Evi­an. Er hält sich ein biss­chen am klei­nen Ball fest, in den das Mi­kro­fon mün­det. Ein schö­nes Bild für al­le, die im­mer noch glau­ben, er be­nö­ti­ge drin­gend Halt in die­ser bö­sen, für ihn bis­lang tor­lo­sen Eu­ro­pa­meis­ter­schafts-Welt. Dem wi­der­spricht er al­ler­dings. Und er hat ein nicht min­der schö­nes Bei­spiel für die wirk­lich wich­ti­gen Din­ge in sei­nem Sport­ler­le­ben. Er sagt: „To­re sind nicht mein Ben­zin, son­dern eher der Lack, der gut aus­sieht. Mein Ben­zin ist der An­trieb, et­was Gro­ßes zu leis­ten.“Die we­sent­li­chen The­men vor dem Halb­fi­na­le heute Abend in Marseille ge­gen Frank­reich: Gibt es Än­de­run­gen? Bis­lang hat Bun­des­trai­ner Joa­chim Löw dar­auf stets va­ge ant­wor­ten kön­nen. Das Wört­chen „vi­el­leicht“nahm brei­ten Raum in sei­nen Bei­trä­gen ein. Nun muss er sa­gen: „Es wird Än­de­run­gen ge­ben.“Er muss den ge­sperr­ten In­nen­ver­tei­di­ger Mats Hum­mels, den Stür­mer Ma­rio Go­mez und den Mit­tel­feld­spie­ler Sa­mi Khe­di­ra er­set­zen. Die na­he­lie­gen­den Lö­sun­gen: Be­ne­dikt Hö­we­des ver­tei­digt für Hum­mels, Ma­rio Göt­ze kehrt in den An­griff zu­rück. Und für Khe­di­ra hat­te Löw ges­tern abend in Bas­ti­an Schwein­stei­ger die Lö­sung pa­rat: „Er wird de­fi­ni­tiv be­gin­nen. Er hat die Phy­sis und die Kraft, von An­fang an zu spie­len. In so ei­nem He­xen­kes­sel ist sei­ne Er­fah­rung enorm wich­tig.“ Wer stoppt Pog­ba? Paul Pog­ba ist der gro­ße Star in Frank­reichs Mann­schaft, kör­per­lich stark, stra­te­gisch be­schla­gen, gut am Ball, vor­wärts ori­en­tiert und mit ei­nem aus­ge­präg­ten Sen­dungs­be­wusst­sein. Er un­ter­streicht es durch viel Glit­ter und Gold in sei­ner Frei­zeit­mo­de, ex­tra­va­gan­te Fri­su­ren und ex­trem läs­si­ges Auf­tre­ten. Ge­gen Pog­bas kör­per­li­che Prä­senz ist Can ein gu­tes Ge­wicht. Al­lein wird er den zen­tra­len Spie­ler in Frank­reichs Aus­wahl aber nicht neu­tra­li­sie­ren kön­nen. „Wir müs­sen das als Mann­schaft gut ma­chen“, fin­det Mül­ler. Da ist er nicht al­lein. Die deut­sche De­fen­si­ve. „Wir wis­sen, dass wir gera­de in der De­fen­si­ve bis­her ein sehr gu­tes Tur­nier spie­len“, er­klärt Ma­nu­el Neu­er. Er

DEUTSCH­LAND Un­schlag­bar: Der Welt­tor­hü­ter hat

in die­sem Tur­nier in der re­gu­lä­ren Spiel­zeit nur ein Ge­gen­tor kas­siert. Der Köl­ner Jo­nas Hec­tor hat die bes­ten Zwei­kampf­wer­te der EM. Of­fen­siv hat er noch Luft nach oben.

FRANK­REICH Egal, wer auf der an­de­ren Sei­te steht, Ma­nu­el Neu­er ist ein­fach bes­ser – das gilt auch für Hu­go Llo­ris. kann das als Tor­wart bes­tens be­ur­tei­len. Er schließt dar­aus: „Wir müs­sen kei­ne Angst ha­ben. Aber die Fran­zo­sen be­herr­schen das Um­kehr­spiel sehr gut, da müs­sen wir hell­wach sein.“Ma­na­ger Oli­ver Bier­hoff ur­teilt: „Sie ha­ben ei­ne sehr ho­he in­di­vi­du­el­le Qua­li­tät, da müs­sen wir Ge­schlos­sen­heit ent­ge­gen­set­zen.“ Drei­er- oder Vie­rer­ket­te. Löw gibt vor, sich nicht ent­schie­den zu ha­ben. „Für das Spiel ge­gen Frank­reich muss ich mir noch et­was ein­fal­len las­sen“, sagt er. Das hat er vor den an­de­ren Tur­nier­spie­len auch ge­sagt. Die Drei­er­ket­te in der Ab­wehr war ge­gen Ita­li­en si­cher­lich das rich­ti­ge Mit­tel. „Frank­reich ist aber schon auch ei­ne an­de­re Mann­schaft“, er­klärt der Coach. Gut vor­stell­bar, dass er zur klas­si­schen Vie­rer­ket­te zu­rück­kehrt. Die Schlüs­sel­spie­ler. Die DFB-Aus­wahl hat ei­ne spiel­be­stim­men­de Ach­se. Sie be­steht aus Tor­wart Neu­er, Ver­tei­di­ger Je­ro­me Boateng, den Mit­tel­feld­spie­lern To­ni Kroos, Me­sut Özil und Stür­mer Mül­ler. Für al­le gilt, was Mül­ler be­reits vorm Ach­tel­fi­na­le sag­te: „Ab jetzt müs­sen wir al­le un­ser bes­tes Spiel spie­len.“Özil stellt mit der Er­fah­rung aus vier Halb­fi­nal-Par­ti­en in gro­ßen Tur­nie­ren fest: „Ein Feh­ler kann das En­de sein.“Und wer will das schon? Die Of­fen­si­ve. Dass Löw um­bau­en muss, steht fest. Wer in die An­griffs­mit­te rückt, ist da­ge­gen of­fen. Nach vie­len Jah­ren, in de­nen das Da­hin­schei­den der klas­si­schen Neun mal er­klärt, mal be­trau­ert, mal kri­ti­siert wur­de, sagt Bier­hoff: „Wir dür­fen nun nicht den Feh­ler ma­chen, zu den­ken: Es geht nicht oh­ne ech­te Neun.“Go­mez hat der Mann­schaft mit sei­ner kör­per­li­chen Prä­senz im Straf­raum sehr ge­hol­fen. Aber der Kol­le­ge Mül­ler er­klärt zu Recht: „Ma­rio war sehr wich­tig für un­ser Spiel, aber er ist nicht die An­spiel­sta­ti­on ge­we­sen wie bei den Ita­lie­nern Pel­lè.“Das deut­sche Spiel ent­steht aus der Kom­bi­na­ti­on über die Flü­gel und in die Tie­fe. Ei­nen Ab­neh­mer im Straf­raum be­nö­tigt es frei­lich auch. Das könn­te Mül­ler sein. „Wenn das mei­ne Rol­le ist, dann muss ich mich als Stür­mer auf den ers­ten Pfos­ten be­we­gen“, sagt er. Weil er wir­kungs­vol­ler auf­tritt, wenn er sei­ne Räu­me selbst ent­deckt, könn­te Göt­ze als be­weg­li­cher Mit­tel­stür­mer die nächs­te Chan­ce be­kom­men. Da­mit er kei­ne schlech­te Lau­ne be­kommt, ha­ben ihn die Trai­ner bei je­der Ge­le­gen­heit für sei­ne läu­fe­risch über­zeu­gen­den Auf­trit­te in den ers­ten bei­den Grup­pen­spie­len ge­lobt. Der Klas­si­ker. Ein Spiel von Deutsch­land ge­gen Frank­reich ge­hört längst zu den Groß­er­eig­nis­sen im Fuß­ball. „Für sol­che Spie­le schaut man die Eu­ro“, er­klärt Mül­ler. Und Löw ist gleich mal völ­lig be­geis­tert. „Das ist so ein Spiel auf Au­gen­hö­he“, sagt der Trai­ner, „su­per, dass es sol­che Spie­le gibt. Ich lie­be die­se Spie­le.“Die Vor­freu­de strahlt aus je­dem Knopf­loch. Löws Rol­le. Der Bun­des­trai­ner de­mons­triert Ge­las­sen­heit. Er kann es sich leis­ten. „Er hat ja auch ei­ne ge­wis­se Er­folgs­his­to­rie auf­zu­wei­sen“, be­tont Mül­ler, „er wirkt auf uns sehr zu­ver­sicht­lich. Er merkt, wel­che Ge­schlos­sen­heit und Qua­li­tät die Mann­schaft zeigt.“Ziel­stre­big sei der Coach, aber nie­mals hek­tisch. „Da sind wir schon gut ver­sorgt mit Jo­gi Löw.“Das meint nicht nur Mül­ler.

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