ANA­LY­SE Wie

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - FUßBALL-EM 2016 -

Oli­ver Bier­hoff und ein Freund aus der Sport­för­der­grup­pe der Bun­des­wehr von 1987 das DFB-Team zum Gold­esel mach­ten. Die Na­tio­nal­mann­schaft ist mitt­ler­wei­le durch und durch ver­mark­tet. Im Ver­band fin­den das nicht al­le gut.

Ge­gend ge­karrt, der Mann­schafts­bus ist schwarz, so­gar das Pro­pel­ler­flug­zeug, mit dem sie zu Spie­len flie­gen, ist schwarz. Über­all prangt die Auf­schrift „Vi­ve la Mann­schaft“. Es ist nicht so leicht aus­zu­hal­ten, aber er­folg­reich. Der DFB kann es sich leis­ten, für die EM in­klu­si­ve der Kos­ten für das 600.000 Eu­ro teu­re Me­di­en­zen­trum in Evi­an rund 25 Mil­lio­nen Eu­ro lo­cker zu ma­chen.

Ganz ne­ben­bei hat Bier­hoff die Mann­schaft zu ei­ner selbst­stän­di­gen Ein­heit im Ver­band ge­macht. Das ge­fiel vie­len Funk­tio­nä­ren eben­so we­nig wie die Tat­sa­che, dass er sich ge­mein­sam mit Trai­ner Joa­chim Löw ei­ge­ne Ver­mark­tungs­ver- trä­ge aus­han­del­te. Und vor sechs Jah­ren stan­den die Ver­trags­ver­län­ge­run­gen der bei­den vor dem Schei­tern, weil durch ge­ziel­te In­dis­kre­tio­nen aus dem Ver­band Ein­zel­hei­ten an die Öf­fent­lich­keit ge­langt wa­ren.

Bier­hoff und Löw blie­ben, weil in Süd­afri­ka der sport­li­che Er­folg im WM-Tur­nier schwe­rer wog als die Be­den­ken der Tra­di­tio­na­lis­ten im Ver­band, die sa­hen, wie ih­nen die Na­tio­nal­mann­schaft ent­glitt. Die Ent­wick­lung des ei­gen­stän­di­gen Pro­dukts DFB-Elf konn­ten sie nicht auf­hal­ten.

Dass die­se Fas­sa­de auch mal Ris­se be­kom­men kann, war die­ser Ta­ge im be­sag­ten Me­di­en­zen­trum zu se­hen. Bier­hoff wur­de ge­fragt, ob die Quar­tier­wahl in Evi­an am Fuß der fran­zö­si­schen Al­pen et­was da­mit zu tun ha­be, dass der deut­sche Ma­na­ger einst als Wer­be­part­ner Ge­schäf­te mit dem orts­an­säs­si­gen In­dus­trie­gi­gan­ten Da­no­ne ge­macht ha­be. Da wur­de das smar­te Lä­cheln kurz ein­ge­fro­ren, und Bier­hoff zisch­te: „Du scheinst viel Zeit zu ha­ben, auf sol­che Fra­gen zu kom­men.“Dann, et­was be­herrsch­ter: „Mit Da­no­ne hat das nichts zu tun.“Das Lä­cheln tau­te wie­der auf.

Und als Bier­hoff in das schwar­ze Au­to stieg, war er schon wie­der ganz der smar­te Ma­na­ger. Na­tür­lich stand auf dem Au­to „Vi­ve la Mann­schaft“.

FO­TO: IM­A­GO

Zu­frie­den: Te­am­ma­na­ger Oli­ver Bier­hoff grüßt Fans.

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