Bier­hoffs Kunst­pro­dukt

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - FUßBALL-EM 2016 - VON RO­BERT PE­TERS

PA­RIS Der Prä­si­dent hat­te ei­ne wich­ti­ge Bot­schaft. Und er ver­kün­de­te sie an ei­nem vor­neh­men Ort, mit­ten in Pa­ris, am Fuß des Eif­fel­turms, vor dem drit­ten Grup­pen­spiel der deut­schen Mann­schaft. Rein­hard Gr­in­del prä­sen­tier­te die Ver­trags­ver­län­ge­rung des Deut­schen Fuß­ball-Bun­des mit sei­nem Aus­rüs­ter Adi­das. Dem Ver­band bringt der bis 2022 da­tier­te Kon­trakt 65 bis 70 Mil­lio­nen Eu­ro im Jahr ein. Der al­te Ver­trag ga­ran­tier­te le­dig­lich 25 Mil­lio­nen. Gr­in­del sprach stolz von „den trans­pa­ren­tes­ten, an­spruchs­volls­ten und wirt­schaft­lich er­folg­reichs­ten Ver­hand­lun­gen in der Ge­schich­te un­se­res Ver­bands“. Dar­un­ter macht er es ein­fach nicht.

Für den DFB ist der Ver­trag in der Tat ein Quan­ten­sprung in der Zu­sam­men­ar­beit mit Adi­das. Das Her­zo­ge­nau­ra­cher Un­ter­neh­men hat­te sich bis­lang auf die tra­di­ti­ons­rei­che Ge­schäfts­be­zie­hung be­ru­fen und deut­lich we­ni­ger ge­zahlt, als mit an­de­ren Aus­rüs­tern am Markt mög­lich ge­we­sen wä­re. Nun zahlt man bran­chen­üb­li­che Prei­se. Ne­ben Mer­ce­des, dem Ge­ne­ral­spon­sor, steu­ert der Sport­ar­ti­kel­her­stel­ler den größ­ten Bat­zen zu den Ein­nah­men des DFB bei. Der Au­to­gi­gant steht mit jähr­lich 50 Mil­lio­nen Eu­ro zur Sei­te. Über die Bei­trä­ge der so- ge­nann­ten Pre­mi­um­part­ner Bit­bur­ger, Co­ca-Co­la, Com­merz­bank, Post, Te­le­kom, SAP so­wie der Part­ner Hen­kel, Rewe, McDo­nald’s und Luft­han­sa ist Schwei­gen ver­ein­bart. Die ver­ord­ne­te Trans­pa­renz hat en­ge Gren­zen.

Be­kannt wie­der­um ist, dass der DFB im Jahr 2015 rund 230 Mil­lio­nen Eu­ro ein­ge­nom­men hat, 100

Oli­ver Bier­hoff Mil­lio­nen aus Spon­so­ring und Ver­mark­tung, rund 62 Mil­lio­nen aus Spiel­ein­nah­men und der kon­kre­ten Ver­mark­tung der Na­tio­nal­mann­schaft. Sie ist der Gold­esel im Stall. Schon wäh­rend der WM 2014 sag­te Ma­na­ger Oli­ver Bier­hoff: „Wir neh­men durch die Na­tio­nal­mann­schaft rund 100 Mil­lio­nen Eu­ro im Jahr ein, das sind rund 70 Pro­zent des Um­sat­zes, und wir ge­ben nur 25 Pro­zent aus. Der Rest geht an die Ba­sis.“Der Ver­band kann da­mit gu­te Wer­ke tun, wie den Ama­teur­fuß­ball för­dern, ei­ne ei­ge­ne Aka­de­mie auf dem Ge­län­de der frü­he­ren Frank­fur­ter Ga­lopp­renn­bahn er­rich­ten – oder der Kanz­lei Fresh­fiel­ds 3,5 Mil­lio­nen Eu­ro für den Be­richt über et­wai­ge Un­re­gel­mä­ßig­kei­ten bei der Ver­ga­be der WM 2006 zah­len.

Kein Zwei­fel, dem DFB geht’s gut, und da­für darf er sich na­tür­lich bei der Na­tio­nal­mann­schaft be­dan­ken. Zwei Män­ner ha­ben an der Er­folgs­sto­ry des Wirt­schafts­fak­tors DFBAus­wahl den größ­ten An­teil. Ih­re ge­mein­sa­me Ge­schich­te be­ginnt 1987. In der Sport­för­der­grup­pe der Bun­des­wehr be­geg­nen sich zwei Re­kru­ten, Oli­ver Bier­hoff (19) und Den­ni Strich (20). Sie spie­len ganz pas­sa­bel Fuß­ball und er­rei­chen mit der Bun­des­wehr-Aus­wahl Platz zwei bei der Mi­li­tär-WM. Strich spielt spä­ter als Pro­fi für Uni­on Solingen, Rot-Weiß Ober­hau­sen und den FC Hom­burg. Bier­hoff wird Eu­ro­pa­meis­ter 1996 und Tor­schüt­zen­kö­nig in Ita­li­ens Se­rie A.

Beim DFB tref­fen sie sich wie­der. Strich ist in­zwi­schen Mar­ke­ting­di­rek­tor (seit 2002) und für Bier­hoff wird 2004 das Amt des Ma­na­gers der Na­tio­nal­mann­schaft ein­ge­rich­tet. Das wird zum Start­schuss für ei­ne nie zu­vor ge­se­he­ne Ver­mark­tungs­of­fen­si­ve. Der neu­es­te Gag: Die Aus­wahl heißt „Die Mann­schaft“. Sie ist end­gül­tig zur Mar­ke ge­wor­den.

In Frank­reich fir­miert sie als „La Mann­schaft“, Be­treu­er und Spie­ler wer­den in ab­ge­dun­kel­ten schwar­zen Li­mou­si­nen und Vans durch die

„Wir neh­men durch die Na­tio­nal­mann­schaft rund 100 Mil­lio­nen Eu­ro

im Jahr ein“

Ma­na­ger der Na­tio­nal­mann­schaft

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