Au re­voir, Evi­an!

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - FUßBALL-EM 2016 -

Ich bin ein biss­chen trau­rig. Der Kof­fer ist ge­packt, der Kühl­schrank ge­räumt, mein Zim­mer mit dem klapp­ri­gen Sperr­holz­schrank, dem rus­ti­ka­len Schreib­tisch und dem Bal­kon mit dem Blick zwi­schen den Äs­ten ei­nes Kirsch­baums auf den Gen­fer­see sieht schreck­lich auf­ge­räumt aus. Gleich geht es nach Marseille, ich ver­las­se Evi­an. Schnüff!

Ein biss­chen mehr als vier Wo­chen ist das nun mei­ne Hei­mat ge­we­sen, un­ter­bro­chen von Aus­flü­gen in die gro­ße Fuß­ball­welt von Lil­le, Pa­ris und Bor­deaux. Das Städt­chen ist mir ans Herz ge­wach­sen. Der See mit den vie­len Schif­fen, das See­ufer mit den Ca­fés und den Bän­ken, auf de­nen im­mer noch ein Plätz­chen frei ist. Die Ber­ge, die sich lan­ge in Re­gen­wol­ken ver­steckt ha­ben, seit vie­len Ta­gen aber nun vor ei­nem wol­ken­lo­sen Bil­der­buch­him­mel strah­len, als woll­ten sie den Ab­schied be­son­ders schwer ma­chen.

Die Seil­bahn, die ei­nen so ge­müt­lich den Berg hin­auf­rat­tert mit ih­ren su­per­freund­li­chen Chauf­feu­ren, die Qu­el­le, an der je­der sei­ne Trink­fla­schen mit dem be­rühm­ten Was­ser von Evi­an auf­fül­len kann. Die Men­schen im Su­per­markt, die ei­nen vol­ler Freu­de mit ei­nem Wort­schwall ein­de­cken und die nichts da­bei fin­den, dass ich rat­los zu­rück­läch­le. An den Kas­sen wird ge­quatscht wie im Rhein­land, kein Wun­der, dass ich mich ein biss­chen zu Hau­se füh­le.

Evi­an hat mich mit sei­ner Ge­las­sen­heit an­ge­steckt. Vi­el­leicht war es ja auch der Bun­des-Jo­gi, der die Ge­müts­ru­he ei­nes ti­be­ti­schen Mönchs aus­strahlt. Er passt bes­tens hier­her.

Der Ab­schied aus Evi­an fällt schwer. In Er­in­ne­rung blei­ben su­per­freund­li­che Seil­bahn-Chauf­feu­re, ei­ne Lieb­lings-Ecknei­pe so­wie der Blick auf das glit­zern­de Lau­sanne auf der an­de­ren Sei­te des Sees.

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