Por­tu­gal dank Dop­pel­schlag im Fi­na­le

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - FUßBALL-EM 2016 - VON FLO­RI­AN LÜTTICKE UND MIRIAM SCHMIDT

Cris­tia­no Ro­nal­do und Na­ni sor­gen ge­gen Wa­les kurz nach der Halb­zeit mit ih­ren To­ren in­ner­halb von drei Mi­nu­ten für die Ent­schei­dung. Da­mit ste­hen die Sü­d­eu­ro­pä­er zum zwei­ten Mal nach 2004 im End­spiel der Eu­ro­pa­meis­ter­schaft.

LYON (dpa) Re­kord-Tor­schüt­ze Cris­tia­no Ro­nal­do hat mit Por­tu­gal den mär­chen­haf­ten Lauf von Wa­les be­en­det und darf vor dem EM-Fi­na­le ge­gen Deutsch­land oder Frank­reich nun vom er­sehn­ten Ti­tel träu­men. Mit ei­nem Tref­fer und ei­ner Vor­la­ge führ­te Ro­nal­do sein Team beim 2:0 (0:0) ge­gen den tap­fe­ren Tur­nierDe­bü­tan­ten ins zwei­te End­spiel nach 2004 und ent­schied das Su­per­star-Du­ell mit Ga­reth Ba­le für sich.

Per Kopf ega­li­sier­te der 31-Jäh­ri­ge in Lyon mit sei­nem neun­ten EMTref­fer (50. Mi­nu­te) den Tor­re­kord von Mi­chel Pla­ti­ni und leg­te auch das 2:0 von Na­ni drei Mi­nu­ten spä­ter auf. Da­mit kön­nen die Por­tu­gie­sen, die vor zwölf Jah­ren ge­gen Grie­chen­land im Heim-End­spiel den ers­ten Tri­umph noch ver­pass­ten, nun ent­spannt das Du­ell des Teams von Joa­chim Löw mit Gast­ge­ber Frank­reich ver­fol­gen. Die Fans der Wa­li­ser ver­ab­schie­de­ten ihr Team vor 55.679 Zu­schau­ern trotz der Nie­der­la­ge mit Ap­plaus und lau­ten Ge­sän­gen.

Ba­le ge­gen Ro­nal­do – das Du­ell der bei­den teu­ers­ten Fuß­bal­ler der Welt hat­te die Fans seit Ta­gen elek­tri­siert. Und die bei­den Su­per­stars von Re­al Ma­drid stan­den vor 55.679 Zu­schau­ern in ei­nem in­ten­si­ven Spiel gleich im Mit­tel­punkt. Zu­nächst Ro­nal­do, weil er sich zwei­mal im Un­recht sah. Erst wur­de ihm ein Frei­stoß in aus­sichts­rei­cher Po­si­ti­on nach ei­ner Grät­sche von Ash­ley Wil­li­ams ver­wehrt (3.). Dann be­kam er ei­nen Elf­me­ter nicht zu­ge­spro­chen, nach­dem Ja­mes Col­lins in Cat­cher-Ma­nier bei ei­nem Kopf­ball-Du­ell zu Wer­ke ge­gan­gen war (10.). Der Wa­li­ser hät­te sich auch nicht über ei­nen Straf­stoß be­schwe­ren kön­nen. Oh­ne­hin hat­te CR7 ei­nen schwe­ren Stand. Meist wur­de der Aus­nah­me­spie­ler, der als ers­ter Spie­ler zum drit­ten Mal in ei­nem EM-Halb­fi­na­le stand, in dop­pel­te Mann­de­ckung ge­nom­men.

Die fuß­bal­le­ri­schen Ak­zen­te setz­te im ers­ten Durch­gang noch Ba­le, der er­neut ein ho­hes Lauf­pen­sum auf­wies und gleich an zwei gu­ten Ak­tio­nen be­tei­ligt war. In der 19. Mi­nu­te kam der Mann aus Car­diff nach ei­ner Ecke frei zum Schuss, der Ball ging aber knapp ne­ben das Tor. Kurz dar­auf hol­te er sich tief in der ei­ge­nen Hälf­te den Ball, sein an­schlie­ßen­der Schuss war aber kein Pro­blem für Tor­hü­ter Rui Patri­cio (23.). Im­mer wie­der wur­de Ba­le von sei­nen Mit­spie­lern ge­sucht, auch weil der 26-Jäh­ri­ge kaum vom Ball zu tren­nen war.

Ein Spek­ta­kel war es aber nicht, auf die gro­ßen Tor­chan­cen war­te­ten die Zu­schau­er lan­ge ver­ge­bens. Die Por­tu­gie­sen leis­te­ten sich ei­ni­ge Fehl­päs­se im Spiel­auf­bau. Bay­erns zu­künf­ti­ger Jung­star Re­na­to San­ches war im Mit­tel­feld zwar sehr prä­sent, zeig­te in sei­nem Spiel aber auch Un­ge­nau­ig­kei­ten. So hat­te die si­cher ste­hen­de wa­li­si­sche De­fen­si­ve kaum Pro­ble­me.

Por­tu­gal war nicht in Best­be­set­zung an­ge­tre­ten. Der an­ge­schla­ge­ne Ab­wehr­chef Pe­pe wur­de durch den 34-jäh­ri­gen Bru­no Al­ves er­setzt. Da­zu spiel­te Da­ni­lo an­stel­le des ge­sperr­ten Mit­tel­feld­spie­lers Wil­li­am Car­val­ho. War der drei­ma­li­ge Welt­fuß­bal­ler Ro­nal­do im ers­ten Durch­gang noch blass ge­blie­ben, zeig­te er nach der Pau­se sei­ne gan­ze Klas­se. Nach ei­ner Flan­ke des zu­künf­ti­gen Dort­mun­ders Ra­pha­el Gu­er­rei­ro ent­wisch­te Ro­nal­do sei­nem Ge­gen­spie­ler Ja­mes Ches­ter und traf per Kopf zur Füh­rung. Und drei Mi­nu­ten spä­ter war es Ro­nal­dos Tor­schuss, den Na­ni mit ei­ner Grät­sche zum zwei­ten Tor ver­edel­te. Da­mit hat­te Por­tu­gal in nur 196 Se­kun­den die Wei­chen klar auf Fi­nal-Ein­zug ge­stellt. Und es hät­te nicht viel ge­fehlt, dann wä­re Ro­nal­do die wohl end­gül­ti­ge Ent­schei­dung ge­lun­gen. Ein 28-Me­ter-Frei­stoß des Kunst­schüt­zen ver­pass­te nur knapp das Ziel (63.). Kurz dar­auf setz­te Jo­ao Ma­rio au­ßer­dem den Ball knapp ne­ben das Tor, nach­dem Wa­les-Kee­per Way­ne Hen­nes­sey ei­nen Na­ni- Schuss nur ab­pral­len las­sen konn­te (66.).

Die Wa­li­ser wa­ren sicht­lich ge­schockt von den Ge­gen­tref­fern, Trai­ner Co­le­man ver­such­te durch drei Wech­sel in acht Mi­nu­ten neue Im­pul­se zu set­zen. Ge­gen die si­che­re De­fen­si­ve der Por­tu­gie­sen war aber kein Durch­kom­men mehr.

FO­TO: IM­A­GO

Der Por­tu­gie­se Jo­se Fon­te räumt die Wal­li­ser Ja­mes Col­lins und Ja­mes Ches­ter bei­sei­te und macht so den Weg für Cris­tia­no Ro­nal­dos Kopf­ball zum Füh­rungs­tor frei.

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