KRUSE „Deutsch­land kommt ins Fi­na­le“

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - FUßBALL-EM 2016 -

Der 28-jäh­ri­ge Wolfs­bur­ger spricht über sei­ne Per­spek­ti­ven und schließt ei­ne Rück­kehr nach Mön­chen­glad­bach nicht aus.

DÜS­SEL­DORF Max Kruse ist ei­ne der schil­lernds­ten Per­sön­lich­kei­ten im deut­schen Fuß­ball. Für noch mehr Fu­ro­re als auf dem Platz sorg­ten al­ler­dings sei­ne Es­ka­pa­den: Da­men­be­such im Mann­schafts­ho­tel, Po­ker, Sex-Vi­de­os mal mit Da­men, mal al­lein und schließ­lich die im Ta­xi lie­gen ge­blie­be­nen 75.000 Eu­ro in bar – das war zu­viel für Bun­des­trai­ner Jo­gi Löw, der ihn aus dem Ka­der der Na­tio­nal­mann­schaft strich. Ha­ben Sie die EM-Spie­le der deut­schen Na­tio­nal­mann­schaft ver­folgt? KRUSE Ja, selbst­ver­ständ­lich, ich ha­be al­le Spie­le ge­se­hen. Nach der WM 2014 ge­hö­ren Sie auch bei der EM nicht zum Ka­der. KRUSE Das ist na­tür­lich kein schö­nes Ge­fühl. Vor al­lem weil ich bei bei­den Qua­li­fi­ka­ti­ons­pha­sen im Ka­der war, ist es na­tür­lich bit­ter. Aber am En­de muss man das sport­lich se­hen. Ich hab’s zwei Mal nicht ge­schafft un­ter die letz­ten 23 zu kom­men und jetzt geht es halt wei­ter. Es ist wie­der an der Zeit Gas zu ge­ben. Al­so se­hen Sie für sich in Zu­kunft er­neut ei­nen Platz im DFB-Team? KRUSE Das ist die Ent­schei­dung des Bun­des­trai­ners, aber ich wer­de al­les da­für tun, um mit mei­ner sport­li­chen Leis­tung wie­der auf mich auf­merk­sam zu ma­chen. Wie ner­vös wa­ren Sie beim Elf­me­ter­schie­ßen ge­gen Ita­li­en? KRUSE Elf­me­ter­schie­ßen ist na­tür­lich im­mer ein biss­chen Lot­te­rie. Aber ich war mit ei­gent­lich si­cher, dass wir das Ding auch beim Elf­me­ter­schie­ßen ge­win­nen. Dass wir die­ses Mal gleich drei von den ers­ten fünf ver­schos­sen ha­ben, war na­tür­lich bit­ter. Aber mit Ma­nu­el Neu­er hat­ten wir ei­nen si­che­ren Rück­halt. Wer hat die bes­se­re Aus­gangs­po­si­ti­on im Halb­fi­na­le? KRUSE Das wird re­la­tiv aus­ge­gli­chen sein. Na­tür­lich könn­te man sa­gen, Deutsch­land hat ei­nen Tag mehr Re­ge­ne­ra­ti­on, da­für hat­ten die Jungs aber auch noch­mal 30 Mi­nu­ten mehr Spiel­zeit und dann auch noch das Elf­me­ter­schie­ßen. Durch die Aus­fäl­le ist die Si­tua­ti­on vi­el­leicht et­was schwie­ri­ger, aber die Mann­schaft hat auch in der zwei­ten Rei­he Spie­ler, die ein Spiel ent­schei­den kön­nen. Von da­her ma­che ich mir kei­ne Sor­gen. Deutsch­land wird das Fi­na­le er­rei­chen. Sie ha­ben sich im Ur­laub auf Face­book in ei­ner Vi­deo-Live-Über­tra­gung Fra­gen der Fans ge­stellt. War­um su­chen Sie di­rek­ten Kon­takt? KRUSE Ich ha­be mich lan­ge Zeit zu gar kei­nem The­ma öf­fent­lich ge­äu­ßert. Vie­les wur­de ge­schrie­ben, was nicht der Wahr­heit ent­spricht. Ich glau­be, dass es bes­ser ist, mich di­rekt an die Fans zu wen­den. Weil sie dann aus mei­ner Sicht er­fah­ren, was bei mir pas­siert. Und ich den­ke, die­ser di­rek­te Weg führt da­zu, dass es kei­ne Miss­ver­ständ­nis­se gibt und dass nie­mand et­was schrei­ben kann, was ich nie ge­sagt ha­be. Sie ern­ten da­für viel Lob, aber auch Kri­tik. Wie ge­hen Sie da­mit um? KRUSE Sach­li­che Kri­tik fin­de ich gut. Bei sol­chen Live-Über­tra­gun­gen mer­ken die Fans auch, dass das, was ich in die­sem Mo­ment er­zäh­le, kei­ne Lü­ge ist. Das ist mir wich­tig. Chris­toph Kra­mer wech­selt zu­rück nach Glad­bach. Was sa­gen Sie da­zu? KRUSE Wir sind sehr gu­te Freun­de. Zu dem Schritt, von Le­ver­ku­sen zu- rück nach Glad­bach zu ge­hen, kann ich Chris­toph nur gra­tu­lie­ren. Ich glau­be, auch für ihn war es kein leich­tes Jahr. Wo­bei ich nicht ver­ste­hen kann, wo­her zum Teil die Kri­tik an ihm kam. Aber ich weiß, dass Chris­toph sich bei Glad­bach sehr wohl ge­fühlt hat. Für ihn war si­cher schnell klar, dass er die­sen Schritt geht, als Glad­bach In­ter­es­se hat­te. Wä­re ein Wech­sel zu­rück nach Glad­bach für Sie ei­ne Op­ti­on? KRUSE Noch ist bei mir al­les of­fen. Das kann ich we­der aus­schlie­ßen noch zu­sa­gen. Wel­che Per­spek­ti­ve ha­ben Sie beim VfL Wolfs­burg? KRUSE Die letz­te Sai­son war für uns al­le nicht zu­frie­den­stel­lend. Ich glau­be, dass die nächs­ten Ta­ge und Wo­chen da­zu die­nen wer­den, Klar­heit über mei­ne Per­so­na­lie zu schaf­fen – wie und wo es wei­ter­geht. Im letz­ten Jahr ha­ben Sie pri­vat ei­ne tur­bu­len­te Zeit durch­ge­macht. Glau­ben Sie, dass ein Wech­sel not­wen­dig ist? Es gibt Ge­rüch­te, dass Sie zu ei­nem Ver­ein in Las Ve­gas wech­seln. KRUSE Al­so Las Ve­gas ist ab­so­lu­ter Quatsch. Die ha­ben ja nicht mal ei­nen rich­ti­gen Ver­ein. Da soll­te wohl ein Som­mer­loch ge­füllt wer­den. Aber na­tür­lich ist es reiz­voll, auch mal im Aus­land zu spie­len und neue Er­fah­run­gen zu sam­meln. Ei­ne Op­ti­on kann das Aus­land even­tu­ell wer­den. Aber das wer­den die nächs­ten Wo­chen zei­gen.

DAS GE­SPRÄCH FÜHR­TE SA­BI­NE KRICKE

FO­TO: IM­A­GO

Max Kruse kon­zen­triert sich wie­der auf den Fuß­ball.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.