Raz­zia an sechs Rya­nair-Stand­or­ten

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - WIRTSCHAFT - VON MERLE SIEVERS UND REIN­HARD KO­WA­LEW­SKY

Vie­le Pi­lo­ten wer­den über Leih­ar­beits­fir­men be­schäf­tigt. Die Jus­tiz ver­mu­tet nun Steu­er­hin­ter­zie­hung.

KOBLENZ/WEE­ZE An sechs Stand­or­ten der Bil­lig-Flug­li­nie Rya­nair ha­ben Be­am­te ges­tern Bü­ros durch­sucht. Die Ober­staats­an­walt­schaft Koblenz er­mit­telt ge­gen Part­ner­fir­men des iri­schen Kon­zerns we­gen des Ver­dachts der Steu­er­hin­ter­zie­hung und des Be­tru­ges an den deut­schen So­zi­al­ver­si­che­run­gen. Das be­stä­tigt die Be­hör­de auf An­fra­ge un­se­rer Re­dak­ti­on. Die Durch­su­chun­gen wur­den von Be­am­ten der Staats­an­walt­schaft und des Haupt­zoll­am­tes durch­ge­führt.

Be­trof­fen wa­ren Stand­or­te an den Flug­hä­fen Wee­ze, Köln-Bonn, Frank­furt-Hahn, Karls­ru­he-Ba­denBa­den, Bre­men und Ber­lin-Schö­ne­feld. Au­ßer­dem wur­den Wohn­räu­me von Pi­lo­ten durch­sucht, die für Rya­nair tä­tig sind. Da­bei wur­den vie­le Do­ku­men­te si­cher­ge­stellt, un­ter an­de­rem Abrech­nun­gen für das Be­schäf­ti­gen von Pi­lo­ten so­wie de­ren Di­enst­plä­ne.

Hin­ter­grund der Raz­zi­en sind die in der Bran­che um­strit­te­nen Be­mü­hun­gen von Rya­nair, an den ho­hen Lohn­kos­ten von Pi­lo­ten zu spa­ren, in­dem die­se an­ders als bei Luft­han­sa oder ähn­li­chen Tra­di­ti­ons­un­ter­neh­men zu ei­nem gro­ßen Teil über Leih­ar­beits­fir­men an­ge­heu­ert wer­den.

Den Durch­su­chun­gen liegt for­mal ein Er­mitt­lungs­ver­fah­ren ge­gen die Ver­ant­wort­li­chen zwei­er bri­ti­scher Per­so­nal­dienst­leis­ter zu­grun- de, die Per­so­nal an Rya­nair ver­mit­teln. Den Fir­men wird Steu­er­hin­ter­zie­hung vor­ge­wor­fen. Au­ßer­dem sol­len sie man­chen Pi­lo­ten Löh­ne vor­ent­hal­ten ha­ben.

Zu­dem wird auch ge­gen meh­re­re Pi­lo­ten we­gen Bei­hil­fe zur Steu­er­hin­ter­zie­hung er­mit­telt. Sie sol­len zu we­nig So­zi­al­ab­ga­ben ge­zahlt ha­ben. Da­bei steht die Staats­an­walt­schaft auf dem Stand­punkt, dass in Deutsch­land sta­tio­nier­te selbst­stän­di­ge Rya­nair-Pi­lo­ten Steu­ern und Ab­ga­ben hier­zu­lan­de zah­len müs­sen – die Leih­ar­beits­fir­men sa­hen das zum Teil mög­li­cher­wei­se an­ders. Schon seit sechs Jah­ren wird er­mit­telt.

Rya­nair er­klärt auf An­fra­ge, man sei sich kei­ner Schuld be­wusst. Schließ­lich wer­de ja nicht ge­gen das Un­ter­neh­men selbst son­dern ge­gen die bri­ti­schen Per­so­nal­dienst­leis­ter er­mit­telt. In ei­nem schrift­li­chen State­ment von Chef-Pres­se­spre­cher Ro­bin Kie­ly heißt es: „Rya­nair ver­langt von all sei­nen Pi­lo­ten, so­wohl sol­chen, die di­rekt an­ge­stellt sind, als auch von Ver­trags­pi­lo­ten, dass sie sich stets ent­spre­chend ih­rer steu­er­li­chen Pflich­ten ver­hal­ten.“Rya­nair wer­de die deut­schen Steu­er­be­hör­den bei all ih­ren wei­te­ren Er­mitt­lun­gen un­ter­stüt­zen.

Der Be­triebs­ab­lauf von Rya­nair wur­de durch die Raz­zia nicht ge­stört. An den Flug­hä­fen Wee­ze und Köln-Bonn konn­ten al­le Flü­ge plan­mä­ßig ab­ge­wi­ckelt wer­den. Das er­klär­ten die Flug­ha­fen­spre­cher auf Nach­fra­ge.

FO­TO: DPA

Ihr schnel­les Wachs­tum ver­dankt Rya­nair auch den Lohn­kos­ten, die weit nied­ri­ger sind als bei vie­len Wett­be­wer­bern.

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