Kun­gelt die Po­li­tik mit den Au­to­bau­ern?

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - WIRTSCHAFT -

Was Kri­ti­ker seit Jah­ren mo­nie­ren, soll nun ein Un­ter­su­chungs­aus­schuss des Bun­des­tags er­grün­den.

BER­LIN (dpa/frin) Ge­gen die Be­zeich­nung „Au­to­kanz­ler“hat sich noch kein Re­gie­rungs­chef ge­sträubt. Wie wich­tig die Schlüs­sel­bran­che mit ih­ren fast 800.000 Jobs für die In­dus­trie­na­ti­on Deutsch­land ist, stand schon für den SPDMann Ger­hard Schrö­der au­ßer Fra­ge. Nicht viel an­ders hält es Amts­in­ha­be­rin An­ge­la Mer­kel von der CDU. Gera­de spen­dier­te sie den Kon­zer­nen ei­ne Mil­li­ar­den­sprit­ze fürs schwä­cheln­de Ge­schäft mit Elek­tro­au­tos – in­mit­ten des Skan- dals um Ab­gas-Trick­se­rei­en, die nicht nur den Bran­chen­pri­mus VW in Er­klä­rungs­not brin­gen. Was Kri­ti­ker seit Jah­ren mo­nie­ren, soll nun ein Un­ter­su­chungs­aus­schuss des Bun­des­tags er­grün­den: Kun­gelt die Po­li­tik mit den Au­to­bau­ern?

Die Op­po­si­ti­on, die das Gre­mi­um durch­ge­setzt hat, fährt zur ers­ten Sit­zung schwe­res Ge­schütz auf. Es ge­he um „or­ga­ni­sier­tes Staats­ver­sa­gen, wel­ches Be­trü­gen und Schum­meln ei­ner gan­zen Bran­che erst mög­lich ge­macht hat“, sagt Grü- nen-Frak­ti­ons­vi­ze Oli­ver Kri­scher. „Wir wol­len wis­sen, war­um die Re­gie­rung weg­ge­schaut hat, ob­wohl ihr zahl­rei­che Hin­wei­se vor­la­gen, dass Au­tos die Grenz­wer­te auf der Stra­ße nicht ein­hal­ten.“Der de­si­gnier­te Aus­schuss-Vor­sit­zen­de Her­bert Beh­rens (Lin­ke) will ge­klärt se­hen, ob die Bran­che Schlupf­lö­cher mit ag­gres­si­vem Lob­by­is­mus durch­ge­boxt hat.

Ver­kehrs­mi­nis­ter Alex­an­der Do­brindt kann fest mit ei­ner Vor­la­dung in den U-Aus­schuss rech­nen. Die Op­po­si­ti­on wirft dem CSU-Mann Ver­sa­gen bei der Auf­klä­rung vor. Um­welt­schüt­zer pran­gern nicht zu­letzt an, dass die VW-Ab­gas-Af­fä­re in den USA auf­flog, wäh­rend Do­brindts Kraft­fahrt-Bun­des­amt (KBA) tief ge­schlum­mert ha­be.

Der Mi­nis­ter ver­weist auf den hier­zu­lan­de längst an­ge­lau­fe­nen Pflicht-Rück­ruf für 2,5 Mil­lio­nen VW-Mo­del­le. Als ei­ne Kon­se­quenz soll das KBA nun auf­rüs­ten und ei­ge­ne Prüf­tech­nik be­kom­men. Ge­ne­rell sol­len Mes­s­prak­ti­ken ge- schärft wer­den. Auf eu­ro­päi­scher Ebe­ne hat­te Do­brindt au­ßer­dem zu­letzt laut der „Welt“ver­sucht, we­ni­ger Aus­nah­men beim so­ge­nann­ten „Bau­teil­schutz“durch­zu­set­zen, war da­mit je­doch zu­nächst ge­schei­tert, weil et­wa Ru­mä­ni­en blo­ckier­te.

In der EU ist es er­laubt, die Ab­gas­rei­ni­gung un­ter be­stimm­ten Um­stän­den her­un­ter­zu­fah­ren, wenn an­dern­falls Bau­tei­le Scha­den neh­men könn­ten. Die im Ge­setz vor­ge­se­he­nen Aus­nah­men hat­te die Bran­che sehr groß­zü­gig aus­ge­legt.

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