Al­lein ge­gen die Ma­fia

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - KINO - VON MAR­TIN SCHWICKERT

So­li­de Gen­re-Un­ter­hal­tung: Der Thril­ler „Ver­rä­ter wie wir“nach dem Ro­man von John le Car­ré er­zählt von ei­nem Geld­wä­sche-Syn­di­kat.

Seit über fünf­zig Jah­ren schreibt der bri­ti­sche Au­tor John le Car­ré Spio­na­ge­ro­ma­ne. Klas­si­ker wie „Der Spi­on, der aus der Käl­te kam“(1963), „Da­me, Bu­be, As, Spi­on“(1974) oder „Das Russ­land-Haus“(1989) ge­hen auf sein Kon­to und wur­den in ih­ren fil­mi­schen Ad­ap­tio­nen zu Mei­len­stei­nen des Gen­re­ki­nos. Mit dem En­de des Kal­ten Krie­ges unk­ten man­che, dass dem ehe­ma­li­gen Ge­heim­dienst­ler nun wohl der Stoff aus­ge­he. Aber in den ver­gan­ge­nen 20 Jah­ren hat Le Car­ré be­wie­sen, dass er im­mer auf der Hö­he der Zeit ist und sein zen­tra­les The­ma – die Kor­rum­pier­bar­keit von Men­schen und In­sti­tu­tio­nen – nie an Ak­tua­li­tät ver­liert. Mit „Ver­rä­ter wie wir“ver­filmt die bri­ti­sche Re­gis­seu­rin Su­san­na Whi­te nun Le Car­rés 23. Ro­man, der ei­nen Nor­mal­bür­ger in die Welt der Ma­fia und des Ge­heim­diens­tes ka­ta­pul­tiert.

Per­ry (Ewan McG­re­gor) und Gail (Nao­mie Har­ris) sind nach Mar­ra­kesch ge­reist, um ih­re Be­zie­hung wie­der auf­zu­fri­schen. Der Li­te­ra­tur­do­zent hat­te sich auf ei­ne Af­fä­re mit ei­ner Stu­den­tin ein­ge­las­sen und die selbst­be­wuss­te Rech­t­an­wäl­tin ge­hört nicht zu den Frau­en, die über sol­che Sei­ten­sprün­ge groß­zü­gig hin­weg­se­hen. In ei­nem Re­stau­rant lernt Per­ry den Rus­sen Di­ma (Stel­lan Skars­gård) ken­nen, der ihn zu­erst auf ei­ne teu­ren Wein und dann auf ei­ne aus­schwei­fen­de Par­ty ein­lädt. Dass Di­mas Reich­tum nicht auf le­ga­lem We­ge er­wirt­schaf­tet wur­de, ahnt Per­ry na­tür­lich schon bald. Aber der Mann fas­zi­niert ihn und auch Di­ma er­kennt in dem eng­li­schen Poe­sie-Pro­fes­sor, der kopf­los ei­ne Frau ge­gen die Zu­d­ring­lich­kei­ten ei­nes tä­to­wier­ten Ma­fia-Ge­sel­len ver­tei­digt, ei­nen grund­an­stän­di­gen Kerl, der ihm gu­te Di­ens­te er­wei­sen könn­te. Denn Di­ma ist Geld­wä­scher bei der Ma­fia und will aus dem Ge­schäft aus­stei­gen, um sei­ne Fa­mi­lie zu ret­ten.

Beim zwei­ten Tref­fen hält er Per­ry ei­nen USB-Stick mit In­si­der-In­for­ma­tio­nen vor die Na­se, den der Bri­te beim MI6 ab­ge­ben soll. Un­ser­eins wür­de in ei­ner sol­chen Si­tua­ti­on die Hän­de ganz tief in die Ho­sen­ta­schen ver­gra­ben, aber Per­ry sieht vor sich ei­nen Freund, der Hil­fe braucht, und greift zu. Mag sein, dass die Prä­mis­se von „Ver­rä­ter wie wir“zu­nächst un­glaub­wür­dig wirkt, aber das ist schon bald ver­ges­sen, denn dar­aus ent­wi­ckelt sich ei­ne in­ter­es­san­te Ge­schich­te nicht nur über Geld­wä­sche, Kor­rup­ti­on und die blu­ti­gen Hän­de der mo­der­nen Fi­nanz­welt, son­dern auch über die Freund­schaft Män­ner.

Su­san­na Whi­te und ihr Dreh­buch­au­tor Hos­sein Ami­ni („Dri­ve“) ar­bei­ten hier zwei un­ter­schied­li­che Männ­lich­keits­kon­zep­te her­aus. Der eng­li­sche Li­te­ra­tur­do­zent hat sich zwar mit den post­fe­mi­nis­ti­schen Ve­rän­de­rung der Ge­schlech­ter­ord­nung ar­ran­giert, trägt aber noch alt-

zwei­er

un­glei­cher ba­cke­ne Gen­tle­men-Tu­gen­den in sich. Ihm ge­gen­über steht mit Di­ma ein klas­si­sches Al­pha-Tier, ein har­ter Kerl mit gro­ßem Her­zen und ei­nem star­ken Sinn für Loya­li­tät, der je­doch im mo­der­nen Ma­fia­we­sen nichts mehr wert ist. Der Film bringt die­se bei­den Kon­zep­te auf frucht­ba­re Wei­se mit­ein­an­der in Rei­bung, oh­ne sie ge­gen­ein­an­der auf­zu­wie-

Be­wer­tung:

FO­TO: DPA

Ewan McG­re­gor spielt ei­nen eng­li­schen Li­te­ra­tur­pro­fes­sor, dem po­li­tisch bri­san­te In­for­ma­tio­nen zu­ge­steckt wer­den.

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