Testlabor Düs­sel­dorf

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - DÜSSELDORF - VON CHRIS­TI­AN HERRENDORF

Die Lan­des­haupt­stadt gilt als Kan­di­dat für ei­ne Pro­be­stre­cke für au­to­ma­ti­sier­tes Fah­ren. An­de­re Zu­kunfts­tech­ni­ken wer­den hier be­reits ge­tes­tet: Ro­bo­ter, die Wa­ren vor­bei­brin­gen, Bus­se, die gut se­hen, und Am­peln, die mit­den­ken.

Noch ist es nur ei­ne Idee im Lan­des­ver­kehrs­mi­nis­te­ri­um. Und noch gilt die Kon­kur­renz aus Bay­ern we­gen der lands­mann­schaft­li­chen Ver­bun­den­heit des Bun­des­ver­kehrs­mi­nis­ters als Fa­vo­rit. Aber in Düs­sel­dorf könn­te bald ei­ne Test­stre­cke für Au­tos ent­ste­hen, die au­to­nom fah­ren. Dass die NRW-Lan­des­haupt­stadt ein be­lieb­ter Stand­ort für Tests und Pi­lot­pha­sen ist, be­le­gen an­de­re Zu­kunfts­pro­jek­te: Klu­ge Am­peln Düs­sel­dorf war von 2012 bis En­de 2015 Teil des 80-Mil­lio­nen-Eu­ro-Pro­jekts „Ur:ban“. Fi­nan­ziert vom Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um so­wie 31 Part­nern aus Wirt­schaft und For­schung wur­den in ver­schie­de­nen Städ­ten Sys­te­me für in­tel­li­gen­te Ver­kehrs­steue­rung un­ter­sucht. Ne­ben di­gi­ta­len Hil­fen für Fah­rer im Au­to (ko­gni­ti­ve As­sis­tenz) und den psy­cho­lo­gi­schen Aus­wir­kun­gen auf den Men­schen ging es da­bei auch um Tech­ni­ken in der In­fra­struk­tur. Dar­auf lag der Schwer­punkt in Düs­sel­dorf. Da­bei er­forsch­ten das Ver­kehrs­amt und sei­ne Part­ner, wie Fahr­zeu­ge pas­send zu ih­rer An­triebs­art op­ti­mal durch die Stadt ge­lei­tet wer­den kön­nen. Ein Er­geb­nis ist heute noch auf den Ta­feln über den Haupt­stra­ßen zu se­hen, wenn dort Stö­run­gen und Um­lei­tungs­emp­feh­lun­gen an­ge­zeigt wer­den.

Ne­ben den pas­sen­den Rou­ten un­ter­such­ten die In­ge­nieu­re auch, wel­che In­for­ma­tio­nen ein Fahr­zeug braucht, um mit der rich­ti­gen Ge­schwin­dig­keit un­ter­wegs zu sein, so dass sie an Am­peln nicht brem­sen und wie­der be­schleu­ni­gen müs­sen. So er­hielt ein 40-Ton­ner An­ga­ben zu Stei­gun­gen, Tem­po­li­mits, Ze­bra­strei­fen und 250 Am­peln und er­rech­ne­te so die op­ti­ma­len Ge­schwin­dig­kei­ten. Die An­ga­ben da­zu ka­men aus dem Rech­ner der Ver­kehrs­leit­stel­le in Ober­kas­sel. An ei­ner Am­pel am Ober­bil­ker Markt wur­den die Da­ten auch per W-Lan über­tra­gen. Die­se Form wird aber aus Kos­ten- und Reich­wei­ten­grün­den kri­tisch be­ur­teilt. Lie­fer­r­o­bo­ter Auf dem Ge­län­de der Me­tro in Flin­gern sind Ro­bo­ter der Fir­ma Star­ship im Test­ein­satz. Klei­ne Qua­der mit vier Rol­len sol­len Wa­ren zum Kun­den brin­gen. Die Part­ner ha­ben dies zu An­schau­ungs­zwe­cken schon ein­mal zwi- schen La­ger und Haupt­ge­bäu­de so­wie mit Obst und Sü­ßig­kei­ten zwi­schen La­ger und ei­nem na­he­ge­leg­nen Kin­der­gar­ten aus­pro­biert. Da dies gut ge­klappt hat, un­ter­su­chen die Un­ter­neh­men nun die tech­ni­sche Sta­bi­li­tät der Ro­bo­ter, wie gut die­se Funk­si­gna­le emp­fan­gen und wie lan­ge die Ak­kus hal­ten. In we­ni­gen Wo­chen sol­len in Düs­sel­dorf auch die ers­ten rich­ti­gen Tests in Deutsch­land be­gin­nen. Die Ro­bo­ter wer­den dann mit ei­nem mensch­li­chen Be­glei­ter auf ih­re Tou­ren ge­hen, der schaut, wie die Ge­rä­te sich in kri­ti­schen Si­tua­tio­nen ver­hal­ten und wie Men­schen auf sie re­agie- ren. Je nach Ver­lauf der Tests wer­den die Ro­bo­ter in den nächs­ten Stu­fen dann im­mer stär­ker au­to­nom auf Geh­we­gen un­ter­wegs sein.

Die Me­tro sieht in der Er­fin­dung von Star­ship ei­ne Mög­lich­keit, On­li­ne-Lie­fe­run­gen schnel­ler und vor al­lem mi­nu­ten­ge­nau ab­zu­wi­ckeln so­wie zugleich Trans­port­kos­ten und Emis­sio­nen zu sen­ken. Wie groß der Markt be­zie­hungs­wei­se die Nach­fra­ge sein wird, da­zu gibt es noch kei­ne Vor­stel­lun­gen. Düs­sel­dorf ist für die Part­ner nicht nur we­gen des Fir­men­sit­zes der Me­tro und des­sen Um­feld ein gu­ter Stand­ort für die Tests. Die Stadt sei sehr ko- ope­ra­tiv mit Blick auf Ge­neh­mi­gun­gen und an­de­re be­hörd­li­che Fra­gen, heißt es aus dem Un­ter­neh­men. Bus­se der Zu­kunft Das is­rae­li­sche Un­ter­neh­men Mo­bi­leye ist da­für be­kannt, dass es op­ti­sche Tech­ni­ken ent­wi­ckelt, die für selbst­fah­ren­de Au­tos ent­schei­dend sind. Der Deutsch­land­sitz des Un­ter­neh­mens ist in Düs­sel­dorf. Vor Ort setzt Mo­bi­ly­eye sei­ne Er­fin­dun­gen un­ter an­de­rem in ei­nem Pro­jekt mit der Rhein­bahn ein. Die Part­ner ha­ben zwei Bus­se mit zu­sätz­li­cher Si­cher­heits­tech­nik aus­ge­rüs­tet, die den Fah­rern hel­fen soll, Un­fäl­le zu ver-

FO­TO: ULL­STEIN

Der Ro­bo­ter von Star­ship dreht sei­ne Test­run­den in Flin­gern auf dem und rund um das Ge­län­de der Me­tro. Ei­nes Ta­ges soll er On­li­ne-Be­stel­lun­gen au­to­nom vom La­ger bis zum Kun­den brin­gen kön­nen.

FO­TO: MO­BI­LEYE

Das Un­ter­neh­men Mo­bi­leye und die Rhein­bahn tes­ten, wie Tech­nik to­te Win­kel über­win­den kann.

RP-FO­TO: DA­VID YOUNG

Beim Pro­jekt „Ur:ban“wur­den un­ter an­de­rem Hilfs­tech­ni­ken für Au­to­fah­rer er­forscht.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.