„Der Kar­ne­val ist das bes­te Trai­nings­la­ger“

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - DÜSSELDORFER WIRTSCHAFT -

Er ist ei­ner der be­kann­tes­ten deut­schen Co­me­di­ans und ei­ne fes­te Grö­ße im Kar­ne­val – auch in Düs­sel­dorf. Am 10. No­vem­ber kommt Gui­do Cantz mit sei­ner Show „Blon­di­lä­um“ins Sa­voy-Thea­ter, in der er auf 25 Jah­re im Show­ge­schäft zu­rück­blickt (Ti­ckets un­ter www.west­ti­cket.de oder Te­le­fon 0211 274000). Im In­ter­view spricht der Köl­ner über sein Al­ter, die ewi­ge Ri­va­li­tät der bei­den Rhein-Städ­te und die Her­aus­for­de­run­gen, die der Kar­ne­val mit sich bringt. Wenn Bands Best-of-Al­ben her­aus­brin­gen, sind sie meist in ei­nem ge­setz­te­ren Al­ter. Füh­len Sie sich mit 44 Jah­ren alt? CANTZ Nein, ei­gent­lich nicht. Wenn man zu­rück­denkt, dann sind die­se 44 Jah­re echt ver­flo­gen. Ich stel­le nur fest, dass ich sehr früh auf der Büh­ne ge­stan­den ha­be. Da­her füh­le ich mich mit Mit­te 40 im­mer noch recht jung. Wo­bei ich vor kur­zem in ei­ner Fern­seh­sen­dung war, bei der ich der äl­tes­te Co­me­di­an war. Hat sich in den ver­gan­ge­nen 25 Jah­ren der Hu­mor ge­än­dert? CANTZ Es gibt Zeit­geist und ge­wis­se Mo­den. Ir­gend­wann fan­den vie­le Leu­te Blon­di­nen­wit­ze toll ... Das fan­den Sie wahr­schein­lich nicht so gut. CANTZ Ich kann auch über mich sel­ber la­chen. Aber ir­gend­wann war die Zeit der Blon­di­nen-Wit­ze auch wie­der vor­bei. Und dann gab es ei­ne Zeit, in der schwar­zer Hu­mor an­ge­sagt war. Doch der Haupt­un­ter­schied ist, dass es schwie­ri­ger ge­wor­den ist, Leu­te zum Zu­hö­ren zu be­kom­men. Weil die Auf­merk­sam­keits­span­ne durch Smart­pho­nes und an­de­re Din­ge ge­rin­ger ge­wor­den ist? CANTZ Ge­nau. Man muss ein­fach mehr bie­ten auf der Büh­ne, da­mit die Leu­te bei ei­nem blei­ben. Wel­che Knif­fe wen­den Sie da an? CANTZ Die ak­tu­el­le The­men­aus­wahl bei ei­nem Büh­nen­pro­gramm ist sehr wich­tig. Man muss mit den Zu­schau­ern agie­ren. Man muss auch ein­fach re­agie­ren kön­nen, wenn sich im Pu­bli­kum et­was an­bie­tet. Das gilt be­son­ders im Kar­ne­val. Da lau­fen zum Bei­spiel die Kell­ner durch den Sit­zungs­saal. Zu Ih­rem So­lo­pro­gramm kom­men die Leu­te schließ­lich, weil sie Sie gut fin­den und nicht weil es die Sit­zung ist, die sie aus Ge­wohn­heit be­su­chen. CANTZ Ich glau­be, dass es deut­lich ein­fa­cher ist, wenn man aus dem Kar­ne­val kommt und dann Come­dy macht als um­ge­kehrt. Denn wenn man im­mer in dem ge­schütz­ten Rah­men ei­nes So­lo­pro­gramms auf­ge­tre­ten ist und dann zum ers­ten Mal auf ei­ner Kar­ne­vals­sit­zung auf­tritt, dann merkt man schnell, dass dort ein an­de­rer Wind weht. Wä­re Ih­re Kar­rie­re auch oh­ne Kar­ne­val denk­bar? CANTZ Nein, das glau­be ich nicht. Kar­ne­val ist das bes­te Trai­nings­la­ger für die Come­dy­büh­ne und das Fern­se­hen. Sie ha­ben al­so vom Kar­ne­val ge­lernt, wie man am bes­ten auf ein Pu­bli­kum ein­geht. CANTZ Wie ge­sagt, Kar­ne­val ist die bes­te Schu­le. In mei­nen 25 Jah­ren stand ich min­des­tens 5000 Mal auf der Kar­ne­vals­büh­ne. Das gibt es nicht mal in Las Ve­gas. Zum 20-jäh­ri­gen Büh­nen­ju­bi­lä­um sind Sie Eh­ren­se­na­tor ge­wor­den beim AVDK. Was kommt jetzt zum 25-Jäh­ri­gen? Gibt es da schon ei­ne Karn­vels­ge­sell­schaft in Düs­sel­dorf, die sich an­ge­mel­det hat? CANTZ Ich ge­he da­von, dass ich noch ho­he Wei­hen er­lan­gen wer­de. Ich hab Mal ge­hört, als Eh­ren­bür­ger von Köln wür­de man von den Steu­ern be­freit. Das wä­re doch ei­ne fei­ne Sa­che. Aber ger­ne auch in Düs­sel­dorf, wenn es sich denn lohnt. Ha­ben Sie noch Wün­sche und Träu­me, was Ih­re Show­kar­rie­re an­geht? Wol­len Sie auch mal das Olym­pia­sta­di­on fül­len wie Ma­rio Barth? CANTZ Ich war bei sei­nem Welt­re­kord so­gar da­bei. Das war ein gro­ßes Er­leb­nis 2014. Phä­no­me­nal, was Ma­rio da auf die Bei­ne ge­stellt hat. Ob das noch zu top­pen ist? Ich wür­de sehr ger­ne „Ver­ste­hen Sie Spaß?“noch ein paar Jah­re mo­de­rie­ren und wün­sche mir noch vie­le er­folg­rei­che Jah­re auf der Büh­ne. Da­mit wä­re ich sehr zu­frie­den. Ha­ben Sie mal über­schla­gen, wie vie­le Ih­rer 5000 Kar­ne­vals­auf­trit­te in Düs­sel­dorf statt­fan­den? CANTZ Das wer­den schon ei­ni­ge ge­we­sen sein. Klar gibt es die­se Kon­kur­renz­si­tua­ti­on zwi­schen Köln und Düs­sel­dorf, die auch ein biss­chen ge­macht ist. Ob ich jetzt in Düs­sel­dorf auf­tre­te oder in Köln macht ja kei­nen Un­ter­schied. Ich be­haup­te so­gar, dass die Düs­sel­dor­fer bes­ser zu­hö­ren, weil sie vi­el­leicht nicht so ver­wöhnt sind. Die Düs­sel­dor­fer freu­en sich, wenn ich bei ih­nen auf­tre­te, egal ob Kar­ne­val oder Come­dy­pro­gramm. Man darf sich selbst nicht so ernst neh­men und über Köln wie Düs­sel­dorf Scher­ze ma­chen. Jan Wie­fels

RP-FO­TO: HANS-JÜR­GEN BAU­ER

Gui­do Cantz beim „När­ri­scher Di­ens­tag“im Ma­ri­tim-Ho­tel. Der 44-Jäh­ri­ge wür­de sich die Eh­ren­bür­ger-Wür­de von Düs­sel­dorf wün­schen.

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