39.000 nah­men bis­her Pfle­ge-Aus­zeit

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - VORDERSEITE - VON JAN DREBES

Mi­nis­te­rin Schwe­sig spricht von ei­nem Er­folg, Grü­ne und Ex­per­ten üben Kri­tik.

BER­LIN Be­rufs­tä­ti­ge kön­nen ei­ne Aus­zeit neh­men, wenn sie ei­nen An­ge­hö­ri­gen pfle­gen müs­sen. Bis­her ha­ben 39.000 Men­schen von die­sem An­ge­bot Ge­brauch ge­macht, das ein Ge­setz von Bun­des­fa­mi­li­en­mi­nis­te­rin Ma­nue­la Schwe­sig (SPD) seit An­fang 2015 re­gelt. Aus Sicht der Mi­nis­te­rin be­deu­tet das ei­nen Er­folg. „Die Neu­re­ge­lun­gen zur Ver­ein­bar­keit von Pfle­ge und Be­ruf grei­fen“, sag­te sie den Zei­tun­gen der Fun­ke-Me­di­en­grup­pe. Die Aus­zei­ten wür­den er­freu­li­cher­wei­se mehr und mehr in An­spruch ge­nom­men. Grü­ne und Pfle­ge­ver­bän­de wer­ten die Zah­len hin­ge­gen als Flop.

Die Pfle­ge-Aus­zeit sieht vor, dass man für sechs Mo­na­te aus dem Be­ruf aus­stei­gen oder bis zu 24 Mo­na­te ver­kürzt ar­bei­ten kann, um sich um pfle­ge­be­dürf­ti­ge An­ge­hö­ri­ge zu küm­mern.

Die pfle­ge­po­li­ti­sche Spre­che­rin der Grü­nen-Bun­des­tags­frak­ti­on, Eli­sa­beth Schar­fen­berg, nann­te die Fa­mi­li­en­pfle­ge­zeit je­doch le­bens­fern. „Die Pfle­ge­zei­ten pas­sen nicht

Eu­gen Brysch in die Le­bens­wirk­lich­keit pfle­gen­der An­ge­hö­ri­ger“, sag­te Schar­fen­berg un­se­rer Re­dak­ti­on. „39.000 Per­so­nen sind nicht vie­le – bei min­des­tens ei­ner Mil­li­on be­rufs­tä­ti­ger pfle­gen­der An­ge­hö­ri­ger“, sag­te die Grü­nen-Po­li­ti­ke­rin. Statt ein­fach nur Zah­len zu ver­kün­den, sol­le Mi- nis­te­rin Schwe­sig her­aus­fin­den, war­um so vie­le die Pfle­ge­zei­ten nicht in An­spruch näh­men. „Nur wer auf Ein­kom­men ver­zich­ten kann, na­he bei dem pfle­ge­be­dürf­ti­gen Men­schen lebt, in ei­nem Be­trieb mit über 25 Mit­ar­bei­tern an­ge­stellt ist, kann Fa­mi­li­en­pfle­ge­zeit in An­spruch neh­men“, sag­te Schar­fen­berg. Und dann sei frag­lich, ob der Pfle­ge­be­dürf­ti­ge so funk­tio­nie­re, dass er im­mer nur in den ar­beits­frei­en Zei­ten Zu­wen­dung brau­che.

Auch Eu­gen Brysch von der Deut­schen Stif­tung Pa­ti­en­ten­schutz sieht „kei­nen Grund für Ju­bel­mel­dun­gen“. Das der­zei­ti­ge Mo­dell blei­be un­at­trak­tiv, so­lan­ge nicht auch für mehr­mo­na­ti­ge Aus­zei­ten ein steu­er­fi­nan­zier­tes Pfle­ge­zeit­geld ähn­lich dem El­tern­geld ge­zahlt wer­de, sag­te Brysch. Die Fa­mi­li­en­pfle­ge­zeit sei „ein Flop mit An­sa­ge“.

„Die Fa­mi­li­en­pfle­ge­zeit ist ein Flop mit An­sa­ge“ Vor­stand der Deut­schen Stif­tung

für Pa­ti­en­ten­schutz

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