Ein Schul­jahr in den letz­ten Zü­gen

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - NORDRHEIN-WESTFALEN - VON FRAN­ZIS­KA HEIN UND HEN­NING RA­SCHE

Heu­te gibt es Zeug­nis­se – end­lich Fe­ri­en! Be­son­ders weil kurz vor den Som­mer­fe­ri­en nicht mehr viel pas­siert: Schü­ler es­sen Eis, gu­cken Fil­me oder ma­chen ei­nen Aus­flug. Der No­ten­druck fehlt. Wie nutzt man die Zeit sinn­voll?

DÜS­SEL­DORF Schon seit gut zwei Wo­chen hat An­na­le­na kei­ne Schul­bü­cher mehr. Sie muss­te sie ab­ge­ben und zu­rück in die Schul­bi­blio­thek brin­gen. Das 13 Jah­re al­te Mäd­chen be­sucht die sechs­te Klas­se der Hein­rich-Hei­ne-Ge­samt­schu­le in Düs­sel­dorf-Gra­fen­berg. Gera­de die Zeit un­mit­tel­bar vor den Som­mer­fe­ri­en ver­bringt sie kaum noch mit re­gu­lä­rem Un­ter­richt. Statt Ma­the und Eng­lisch ste­hen ein Wan­der­tag mit Ki­no und Spie­len im Frei­en auf An­na­le­nas St­un­den­plan. Ihr Va­ter Det­lef Wei­gand hat da­für kein Ver­ständ­nis. „Wenn die Schu­le nach den Fe­ri­en wie­der los­geht, dann herrscht Druck. Weil den Leh­rern die Herbst­fe­ri­en im Na­cken sit­zen, ma­chen sie Tem­po“, är­gert er sich. Selbst wenn die Bü­cher ab­ge­ge­ben wer­den müss­ten, könn­te man doch Themen wie­der­ho­len.

Ein Eis, ein Film, ein Aus­flug. Kurz vor den Som­mer­fe­ri­en zieht gern mal ein we­nig Frei­zeit­pro­gramm in die Klas­sen­zim­mer ein. Wo vor we­ni­gen Wo­chen noch viel ge­lernt und um Zeug­nis­no­ten ge­run­gen wur­de, geht es mit der Aus­sicht auf sechs­ein­halb freie Wo­chen ent­spannt zu. Die Zen­su­ren ste­hen seit den Zeug­nis­kon­fe­ren­zen fest, der Druck ist von den Schü­lern ab­ge­fal­len. Doch wie viel Frei­zeit ist mit gel­ten­dem Schul­recht ver­ein­bar? Und gibt es ent­spre­chen­de Vor­schrif­ten?

Ei­ne Spre­che­rin im nord­rhein­west­fä­li­schen Schul­mi­nis­te­ri­um weist dar­auf hin, dass es „kei­ne lan­des­wei­te An­wei­sung“ge­be. Je­de Schu­le müs­se für sich selbst ent­schei­den, wie die Zeit vor den Fe­ri­en am bes­ten ge­nutzt wer­den kann. Es gel­te auch kei­ne Son­der­re­ge­lung, die et­wa Wan­der­ta­ge be­güns­ti­ge. „Die Leh­rer han­deln ei­gen­ver­ant­wort­lich päd­ago­gisch sinn­voll“, be­tont die Spre­che­rin. Sie nennt au­ßer­dem das Recht von El­tern, sich in der Schul­kon­fe­renz ent­spre­chend zu be­schwe­ren. Sie sei ein gu­tes In­stru­ment, um zu viel Frei­zeit in den letz­ten Un­ter­richts­wo­chen vor Leh­rern und Schul­lei­tung zu the­ma­ti­sie­ren.

An­na­le­na je­den­falls ist in die­ser Wo­che häu­fig frü­her nach Hau­se ge­kom­men, weil die Haus­auf­ga­ben­be­treu­ung zwei­mal aus­ge­fal­len ist. Und heu­te, am letz­ten Schul­tag, fin­det die ers­te St­un­de nicht statt – weil die Klas­sen­leh­re­rin et­was mit ei­ner an­de­ren Klas­se un­ter­nimmt. Mo. 4.7 kein Un­ter­richt we­gen Zeug­nis­kon­fe­renz Di. 5.7 nor­ma­ler Un­ter­richt, nur et­was an­de­res gestal­tet mit Blät­tern, Grup­pen­ar­beit und Spie­len Mi. 6.7. Schwimm­wett­be­werb (kein Un­ter­richt) Do. 7.7. Früh­stück in der Klas­se, kur­zer Un­ter­richt, Auf­räu­men, Eis­es­sen mit der Leh­re­rin Fr. 8.7. Zeug­nis­aus­ga­be. Schu­le bis 11 Uhr

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.