Bun­des­tag be­schließt: Grap­schen wird Straf­tat

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - POLITIK - VON EVA QUADBECK

BER­LIN Bun­des­tags­vi­ze­prä­si­den­tin Clau­dia Roth (Grü­ne) lei­tet die Sit­zun­gen des Par­la­ments häu­fig in hei­te­rem Ton­fall. Ges­tern al­ler­dings stand sie gleich dop­pelt un­ter Druck. So hat­ten sich Par­la­men­ta­ri­er dar­auf ge­ei­nigt, sich we­gen des Spiels der deut­schen Na­tio­nal­mann­schaft zu dis­zi­pli­nie­ren, da­mit al­le recht­zei­tig zum Fuß­ball­gu­cken kom­men. Zu­gleich aber lie­ßen et­li­che Ab­ge­ord­ne­te bei der De­bat­te zum Se­xu­al­straf­recht Dis­zi­plin ver­mis­sen, lie­fen durchs Plenum und un­ter­hiel­ten sich laut.

Da­bei war das, was auf der Ta­ges­ord­nung stand, aus Sicht der Vi­ze­prä­si­den­tin zu wich­tig, als dass man sein Des­in­ter­es­se zur Schau tra­gen könn­te: Der Bun­des­tag be­schloss die Re­form des Se­xu­al­straf­rechts. Jah­re­lang hat­ten Frau­en­grup­pen – kon­ser­va­ti­ve wie linke – ei­ne Ver­schär­fung ge­for­dert. Erst die Sil­ves­ter­nacht von Köln, in der rei­hen­wei- se Frau­en be­läs­tigt, be­grapscht und be­drängt wur­den, brach­te den St­ein ins Rol­len. Er­schro­cken muss­ten die Po­li­ti­ker fest­stel­len, dass den Tä­tern kaum bei­zu­kom­men ist, weil Grap­schen bis­lang kaum ge­ahn­det wer­den konn­te. Nun wird es ei­ne Straf­tat und kann mit bis zu zwei Jah­ren Ge­fäng­nis be­straft wer­den.

Bei Ver­ge­wal­ti­gun­gen gilt künf­tig das Prin­zip „Nein heißt Nein“– ei­ne Frau muss sich ge­gen Tä­ter nicht kör­per­lich ge­wehrt ha­ben, da­mit die­se als sol­che be­straft wer­den kön­nen. Ab­leh­nung – ver­bal oder auch durch Wei­nen si­gna­li­siert – reicht.

Um­strit­ten ist die Re­ge­lung, dass auch je­ne be­langt wer­den kön­nen, die zu ei­ner Grup­pe ge­hör­ten, aus der her­aus se­xu­el­le Über­grif­fe vor­ge­nom­men wur­den. Die Re­ge­lung wur­de noch in die­ser Wo­che da­hin ab­ge­schwächt, dass man die Tat bil­li­gend in Kauf ge­nom­men ha­ben muss. Aus Sicht von Grü­nen und Lin­ken ist die Ko­ali­ti­on da­mit den­noch übers Ziel hin­aus­ge­schos­sen.

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