Ei­ne gu­te Grät­sche ist zu we­nig

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - FUßBALL-EM 2016 -

Aus­ge­rech­net vie­le bis­lang star­ke Spie­ler leis­te­ten sich Un­kon­zen­triert­hei­ten. Das deut­sche Team in der Ein­zel­kri­tik.

Ma­nu­el Neu­er Es war ein Spiel wie so oft für die deut­sche Num­mer eins. Neu­er hat­te über wei­te Stre­cken der Par­tie we­nig zu tun, konn­te sich so­gar Aus­flü­ge bis zur Mit­tel­li­nie er­lau­ben. Wenn er ge­braucht wur­de, war er zur Stel­le. Beim Elf­me­ter war er macht­los. No­te: 3 Jo­nas Hec­tor Der Köl­ner hat­te sich bis zum Halb­fi­na­le die bes­ten Zwei­kampf­wer­te ei­nes Ab­wehr­spie­lers im Tur­nier er­ar­bei­tet. Wirk­te ge­gen die Fran­zo­sen in­des über wei­te Stre­cken nicht so sou­ve­rän wie in den vor­an­ge­gan­ge­nen Par­ti­en. Er war es, der oh­ne Not den Ball zum Eck­ball lenk­te – aus der fol­gen­den Stan­dard­si­tua­ti­on ent­stand der durch Bas­ti­an Schwein­stei­ger ver­ur­sach­te Elf­me­ter. No­te: 4Be­ne­dikt Hö­we­des Man weiß, was Hö­we­des kann – und was ihm nicht so sehr liegt. Er hat­te im­mer dann un­glaub­li­che Stär­ken, wenn er sich mit Kampf und Lei­den­schaft in das Spiel ein­brin­gen konn­te. Deut­li­che Wack­ler hat­te er da­ge­gen, wenn er ver­such­te, so zu agie­ren, wie es der ge­sperr­te Mats Hum­mels ver­mut­lich ge­tan hät­te. Sei­ne stärks­te Sze­ne hat­te er in der 41. Mi­nu­te, als er mit ei­ner un­fass­ba­ren Ab­wehr­ak­ti­on ei­nen Schuss des Fran­zo­sen Oli­vier Gi­roud in höchs­ter Not ab­wehr­te. No­te: 3 Je­ro­me Boateng Er war bis zum Halb­fi­na­le der un­an­ge­foch­te­ne Ab­wehr­chef im deut­schen Team. Doch der Ver­tei­di­ger wirk­te von Be­ginn an nicht si­cher. Boateng stand oft zu hoch und ging da­durch gro­ßes Ri­si­ko ein. Ei­nen ver­un­glück­ten Kopf­ball von ihm nutz­ten die Fran­zo­sen zu ei­nem blitz­schnel­len Ge­gen­an­griff – an des­sen En­de schließ­lich Hö­we­des für Boateng ret­te­te. Muss­te in der zwei­ten Hälf­te ver­letzt aus­ge­wech­selt wer­den. No­te: 3Jos­hua Kim­mich Die Ab­wehr­kraft des FC Bay­ern Mün­chen war ei­ne der Ent­de­ckun­gen bei die­sem Tur­nier. Er lie­fer­te bä­ren­star­ke Par­ti­en ab. Doch dies­mal kam er nicht wirk­lich in die Par­tie, über sei­ne Sei­te ver­such­ten die Fran­zo­sen im­mer wie­der An­grif­fe zu in­iti­ie­ren – und ka­men da­mit auch oft durch. Vor dem 0:2 ver­lor er die Ori­en­tie­rung und er­mög­lich­te so den zwei­ten Tref­fer von Griez­mann. No­te: 5 Em­re Can Es war der ers­te Ein­satz bei die­ser EM für den Mit­tel­feld­spie­ler des FC Li­ver­pool. Er mach­te sei­ne Sa­che über wei­te Stre­cken or­dent­lich. Im neu aus­ge­rich­te­ten Sys­tem konn­te er sich schnell ne­ben Kroos und Schwein­stei­ger ein­le­ben. Er war manch­mal et­was zu un­ge­stüm und ver­ur­sach­te da­durch ge­fähr­li­che Frei­stö­ße. No­te: 4 To­ni Kroos Er ver­such­te in den ers­ten Mi­nu­ten mit al­len Mit­teln Ru­he in die Par­tie zu brin­gen. Doch auch sei­ne Pass­quo­te war nicht so her­aus­ra­gend wie in den Spie­len da­vor. Im­mer­hin schaff­te er es, sei­ne Mit­spie­ler so gut es ging in Sze­ne zu set­zen. Er selbst schal­te­te sich un­ge­wohnt oft in die An­griffs­be­mü­hun­gen ein und setz­te zu Vor­stö­ßen an. Das er­mög­lich­te Frei­hei­ten für die Fran­zo­sen durch die Mit­te in der Um­schalt­be­we­gung. No­te: 3Bas­ti­an Schwein­stei­ger Der Ka­pi­tän der deut­schen Mann­schaft lie­fer­te in den ers­ten 45 Mi­nu­ten ei­ne rich­tig star­ke Vor­stel­lung ab. Doch dann kam die­se ver­häng­nis­vol­le Sze­ne in der Nach­spiel­zeit vor dem Pau­sen­pfiff. Er be­rühr­te mit der Hand den Ball. Der Schieds­rich­ter zö­ger­te kurz und zeig­te dann auf den Elf­me­ter­punkt und lag da­mit lei­der rich­tig. Schwein­stei­ger ver­such­te auch her­nach bis zu sei­ner Aus­wechs­lung dem Spiel Sta­bi­li­tät zu ver­lei­hen, mit zu­neh­men­der Spiel­zeit wur­den die Räu­me al­ler­dings im­mer grö­ßer. No­te: 4 Ju­li­an Drax­ler Ihm ge­lang auf der Au­ßen­bahn zu we­nig, um die Fran­zo­sen in grö­ße­re Be­dräng­nis zu brin­gen. Er war en­ga­giert und lie­fer­te kämp­fe­risch ei­ne durch­aus vor- zeig­ba­re Leis­tung ab. Er ent­deck­te so­gar die ei­ge­ne Hälf­te als Be­we­gungs­um­feld für sich. Doch nach vor­ne konn­te er kei­ne ent­schei­den­den Im­pul­se lie­fern. No­te: 4 Me­sut Özil Der Takt­ge­ber des deut­schen Spiels wur­de sei­ner Mit­tel be- raubt durch ag­gres­siv ver­tei­di­gen­de fran­zö­si­sche Ge­gen­spie­ler. Özil ver­such­te im­mer wie­der das Spiel zu ver­la­gern, fand aber kei­ne Ab­neh­mer für sei­ne Päs­se in die Schnitt­stel­len. No­te: 3 Tho­mas Mül­ler Es war nicht sein Tur­nier. Und das de­mons­trier­te er auch im Halb­fi­na­le ein­drucks­voll. Mül­ler er­ar­bei­te­te sich Mög­lich­kei­ten, ins­ge­samt war das aber zu harm­los, um die Fran­zo­sen in Ver­le­gen­heit zu brin­gen. Scha­de, dann eben in zwei Jah­ren. No­te: 4 Sh­ko­dran Musta­fi Kam für den ver­letz­ten Boateng. Ließ sich vor dem 0:2 von Pog­ba aus­tan­zen. Ma­rio Göt­ze Er lös­te Can ab. Göt­ze konn­te aber nicht für ei­ne Wen­de sor­gen. Er blieb wie auch in den an­de­ren Par­ti­en blass. Le­roy Sa­ne Ers­ter EM-Ein­satz für den Noch-Schal­ker. Er kam für Schwein­stei­ger kurz vor dem En­de ins Spiel. (gic)

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Ret­tungs­ak­ti­on in letz­ter Se­kun­de: Be­ne­dikt Hö­we­des mit ei­ner über­ra­gen­den Grät­sche ge­gen Oli­vier Gi­roud.

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Im Kampf um den Ball: Jos­hua Kim­mich (links) und Di­mi­tri Pay­et.

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