Ro­nal­do, schenk’ mir ein Fo­to

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - FUßBALL-EM 2016 - VON THO­MAS SCHUL­ZE

Bil­der mit dem Su­per­star von Re­al Ma­drid sind bei die­ser EM be­son­ders be­liebt. Zwei sei­ner Mit­spie­ler stan­den im Halb­fi­na­le spie­le­risch mit ihm im Mit­tel­punkt: Neu-Bay­er Renato Sanches und Neu-Dort­mun­der Raphael Guerreiro.

DÜS­SEL­DORF Die ein­zig wirk­li­che Über­ra­schung gab es für Ser­gio da Sil­va Pin­to vor dem Halb­fi­na­le zwi­schen Por­tu­gal und Wa­les (2:0). Da blie­ben zwei ju­gend­li­che Hel­fer aus dem Vor­pro­gramm ein­fach auf dem Ra­sen. Der ei­ne schlich sich an Cris­tia­no Ro­nal­do her­an, um ein Sel­fie mit ihm zu schie­ßen; der an­de­re stell­te sich mit auf das por­tu­gie­si­sche Mann­schafts­fo­to. Die Spie­ler nah­men es mit Hu­mor. Die Uefa auch – aber nur kurz. Sie twit­ter­te das Team­fo­to und nann­te den Fan ei­nen „dreis­ten Spitz­bu­ben“, lösch­te den Ein­trag aber we­nig spä­ter, weil er zu ver­harm­lo­send er­schien.

Da­mit en­de­ten die Über­ra­schun­gen an dem Abend – zu­min­dest für Ser­gio Pin­to, wie er über­all nur kurz ge­nannt wird. „Die Mann­schaft hat im­mer ein kla­res Ziel ge­habt, näm­lich das End­spiel zu er­rei­chen, und der Trai­ner hat ge­sagt, er will das Tur­nier ge­win­nen“, sagt der 35 Jah­re al­te ehe­ma­li­ge Mit­tel­feld­spie­ler, der 211 Bun­des­li­ga­spie­le ab­sol­vier­te, zu­letzt für Zweit­li­gist Fortu­na Düs­sel­dorf spiel­te und nach ei­ner schlim­men Kie­fer­ver­let­zung sei­ne Kar­rie­re be­en­det hat.

Ser­gio Pin­to kann die Kri­tik am we­nig an­sehn­li­chen Spiel der Por­tu­gie­sen über­haupt nicht nach­voll­zie­hen. „Je­de Mann­schaft hat ih­re Tak­tik“, sagt er. „Fuß­ball ist ein Er­geb­nis­sport, wenn da­zu ein über­ra­gen­des Spiel kommt, ist es per­fekt. Aber an­de­re Mann­schaf­ten ha­ben drei Mal ge­won­nen und sind dann im Vier­tel­fi­na­le aus­ge­schie­den. Por­tu­gal hat sein Spiel um­ge­stellt, spielt jetzt de­fen­siv, aber er­folg­reich.“Der ehe­ma­li­ge Spie­ler von Han­no­ver, Aa­chen und Schal­ke er­freut sich an den Qua­li­tä­ten des Teams. Da­zu zäh­len vor al­lem die men­ta­le und cha­rak­ter­li­che Stär­ke. „Vier Mal lag die Mann­schaft in Rück­stand, und sie ist je­des Mal zu­rück­ge­kom­men“, sagt Pin­to. „Die Mann­schaft kann nicht nur gut spie­len, son­dern auch um je­den Ball kämp­fen.“

Zu­dem lobt er ih­re va­ria­ble Spiel­wei­se. „Die Mann­schaft kann von ei­ner de­fen­si­ven Spiel­wei­se pro­blem­los auf Of­fen­si­ve um­stel­len“, sagt er. „Ge­gen Wa­les hat sie in der ers­ten Halb­zeit ver­hal­ten ge­spielt, aber dann nach dem Wech­sel ei­ne Vier­tel­stun­de lang ein Feu­er­werk ab­ge­brannt. Das zeigt, dass sie un­be­re­chen­bar ist.“

Be­ein­druckt hat Pin­to im Tur­nier­ver­lauf vor al­lem Renato Sanches. „Wie er mit sei­nen 18 Jah­ren das Spiel nach vor­ne treibt, ist un­glaub- lich. Er hat And­re Go­mes vom FC Va­len­cia ver­drängt, sich durch­ge­setzt und dem Spiel sei­nen Stem­pel auf­ge­drückt. Er hat sich un­glaub­lich ent­wi­ckelt.“Scheint, als ha­be Bay­ern Mün­chen für den Nach­wuchs­ki­cker zwar tief in die Ta­sche ge­grif­fen, doch als sei­en die 35 Mil­lio­nen Eu­ro gut in­ves­tiert.

Ge­gen Wa­les trumpf­te Sanches nicht so auf wie zu­vor, da­für glänz­te sein Mit­spie­ler Raphael Guerreiro, der künf­tig eben­falls in der Bun­des­li­ga spielt – für Bo­rus­sia Dort­mund. Der 22 Jah­re al­te Au­ßen­ver­tei­di­ger, der für „nur“zwölf Mil­lio­nen Eu­ro wech­selt, hat­te bei­de Tref­fer mit sei­nen Flan­ken vor­be­rei­tet und hat­te die meis­ten Ball­kon­tak­te im Spiel.

„Wir woll­ten ins Fi­na­le, das ha­ben wir ge­schafft“, sag­te Sanches und füg­te grin­send hin­zu: „Der Geg­ner ist mir völ­lig egal.“

FO­TOS (2): IMA­GO

Über­ra­schungs­gäs­te: Zwei jun­ge Teil­neh­mer aus dem Vor­pro­gramm blie­ben auf dem Feld – ei­ner mach­te ein Sel­fie mit Ro­nal­do, der an­de­re schlich sich aufs Mann­schafts­fo­to.

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