Ten­gel­mann will schnel­le Kai­ser’s-Lö­sung

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - WIRTSCHAFT - VON GE­ORG WIN­TERS FO­TO: DPA

Kon­zern­chef Karl Eri­van Haub for­dert bis Mo­nats­en­de sicht­ba­re Er­geb­nis­se bei den Ver­hand­lun­gen zwi­schen Ede­ka und Ver­di. An­dern­falls könn­te die Über­nah­me der Su­per­märk­te plat­zen. Ein Hor­ror-Sze­na­rio für 15.000 Mit­ar­bei­ter.

MÜLHEIM/RUHR Gut vier Mo­na­te nach der Er­laub­nis durch das Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um steht hin­ter der ge­plan­ten Über­nah­me der Su­per­markt­ket­te Kai­ser’s Ten­gel­mann durch die Ham­bur­ger Ede­ka-Grup­pe ein di­ckes Fra­ge­zei­chen. Zwi­schen Ede­ka und der Ge­werk­schaft Ver­di kracht es näm­lich. Ver­di ver­mit­telt den Ein­druck, Ede­ka wol­le Zu­ge­ständ­nis­se er­zwin­gen, die so in der Mi­nis­ter­er­laub­nis nicht vor­ge­se­hen sei­en. Die Ham­bur­ger äu­ßern sich so gut wie gar nicht.

Die Mi­nis­ter­er­laub­nis aus dem März ver­langt rechts­si­che­re Ta­rif­ver­trä­ge mit den Ge­werk­schaf­ten, die Zu­sa­ge, dass Ede­ka die Kai­ser’sMärk­te fünf Jah­re in Ei­gen­re­gie wei­ter­füh­ren und das Flei­sch­werk Bir­ken­hof drei Jah­re be­trei­ben wird. Soll­ten ein­zel­ne Auf­la­gen nicht er­füllt wer­den, droht Ede­ka ei­ne Rück­ab­wick­lung der Fu­si­on. Ga­b­ri­el ver­langt Be­le­ge für die Ein­hal­tung der Auf­la­gen. Ei­ne Öff­nungs­klau­sel sieht zwar vor, dass in­ner­halb des fünf­jäh­ri­gen Mo­ra­to­ri­ums ein­zel­ne Fi­lia­len von Kai­ser’s Ten­gel­mann doch an selbst­stän­di­ge Ede­ka-Ein­zel­händ­ler ge­hen könn­ten, aber da müs­sen Ge­werk­schaf­ten und Ar­beit­neh­mer zu­stim­men.

Sol­che Zu­ge­ständ­nis­se will Ede­ka den Be­schäf­tig­ten-Ver­tre­tern of­fen­bar ab­rin­gen. Bei­de Sei­ten ha­ben ges­tern ih­re Be­reit­schaft zu ei­ner zü­gi­gen Ei­ni­gung of­fi­zi­ell be­kun­det, aber die Ver­hand­lun­gen sind zäh wie Le­der. Ten­gel­mann-Chef Karl Eri­van Haub scheint die Ge­duld zu ver­lie­ren. „Die Über­nah­me von Kai­ser’s kann kei­ne un­end­li­che Ge­schich­te wer­den“, sag­te Haub bei der Bi­lanz­vor­la­ge. Un­will­kür­lich fragt man sich, ob er den Schwar­zen Pe­ter eher bei Ede­ka oder bei der Ge­werk­schaft sieht. Je­den­falls hat es ei­ne au­ßer­or­dent­li­che Auf­sichts­rats­sit­zung ge­ge­ben, bei der sich Haub über den Stand der Ver­hand­lun­gen hat in­for­mie­ren las­sen, am Mitt­woch folgt ei­ne wei­te­re. Bis zum En­de des Mo­nats sol­le ein Ta­rif­ver­trag mög­lich sein, ha­be man ihm si­gna­li­siert, so Haub. Bis da­hin wol­le er auch wis­sen, ob es vor­an­ge­he.

Das ist fak­tisch ein Ul­ti­ma­tum. Wenn Haubs Vor­stel­lun­gen nicht Rea­li­tät wer­den, könn­te die ge­gen den Wil­len des Bun­des­kar­tell­am­tes durch­ge­setz­te Fu­si­on doch noch plat­zen. Es gibt ei­nen Ver­trag zwi­schen Ede­ka und Ten­gel­mann, aber im ge­gen­sei­ti­gen Ein­ver­neh­men könn­te man den na­tür­lich lö­sen. Haub be­tont zwar, er sei zu­ver­sicht­lich. Aber er schließt ein En­de der Ver­hand­lun­gen auch nicht aus, und so klar kann er das ei­gent­lich nur sa­gen, wenn Ede­ka das ge­nau­so sieht. Und das Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um hat in sei­ner Mi­nis­ter­er­laub­nis eben­falls kei­ne Frist für den Ab­schluss des De­als ge­setzt.

Kom­men Ede­ka und Ver­di nicht auf ei­nen Nen­ner, droht Kai­ser’s die Zer­schla­gung – mit Ver­kauf ein­zel­ner Fi­lia­len, mit Fi­li­al­schlie­ßun­gen, mit Jo­bab­bau. Viel­leicht so­gar mit der In­sol­venz. Haub hat das so for­mu­liert: „Wenn kei­ne Ei­ni­gung zu­stan­de kommt, dann gibt es ver­schie­de­ne Mög­lich­kei­ten, aber kei­ne sym­pa­thi­sche.“Ein Ka­ta­stro­phen-Sze­na­rio für die mehr als 15.000 Kai­ser’s-Be­schäf­tig­ten. Ver­han­delt wird in Bay­ern, in Ber­lin und Nord­rhein. Nir­gend­wo sind die Ge­sprä­che of­fen­bar so schwie­rig wie in NRW. Hier ist der bis­lang letz­te Ge­sprächs­ter­min ge­platzt, weil die Fron­ten ver­här­tet wa­ren. Ei­ne Ei­ni­gung, so hat Ver­di ges­tern noch ein­mal klar­ge­stellt, müs­se auf Grund­la­ge der Mi­nis­ter­er­laub­nis ge­sche­hen. Das heißt: Ver­di pocht auf die stren­gen Auf­la­gen zur Si­che­rung der Ar­beits­plät­ze und wird sich even­tu­el­le Zu­ge­ständ­nis­se nur teu­er ab­kau­fen las­sen wol­len.

So­lan­ge der De­al nicht funk­tio­niert, muss Ten­gel­mann die Ver­lus­te der Su­per­märk­te tra­gen. Das kann Ten­gel­mann zwar ver­kraf­ten, aber die ro­ten Zah­len der Su­per­markt­toch­ter sol­len nicht auf Dau­er durch die an­de­ren Spar­ten auf­ge­fan­gen wer­den. Wäh­rungs­be­rei­nigt ist der Um­satz des Kon­zerns 2015 um et­wa 4,5 Pro­zent auf 8,2 Mil­li­ar­den Eu­ro ge­stie­gen. Die Tex­til­ket­te Kik wächst in glei­chem Aus­maß, Obi mel­det auch ein Plus, wenn man den schwa­chen Ru­bel nicht be­rück­sich­tigt. Ba­by­markt.de macht mitt­ler­wei­le 75 Mil­lio­nen Eu­ro Um­satz und soll 2016 auf mehr als 100 Mi­lio­nen Eu­ro wach­sen.

Ten­gel­mann-Chef Karl Eri­van Haub will die Su­per­markt­ket­te Kai­ser’s nicht mehr be­trei­ben.

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