Die gro­ße Bla­ma­ge am Flug­ha­fen Hahn

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - WIRTSCHAFT - VON GI­SE­LA KIRSCHSTEIN UND FLO­RI­AN RINKE

Mit dem Ver­kauf an ei­nen chi­ne­si­schen In­ves­tor woll­te die Lan­des­re­gie­rung in Rhein­land-Pfalz ei­nen Be­frei­ungs­schlag lan­den. Der de­fi­zi­tä­re Re­gio­nal­flug­ha­fen soll­te ei­ne neue Chan­ce be­kom­men. Doch dann kam al­les an­ders.

MAINZ Als Ro­ger Le­w­entz An­fang Ju­ni zur Pres­se­kon­fe­renz am Flug­ha­fen Hahn ein­lud, war die Welt noch in Ord­nung. „Mit der Über­nah­me durch ei­nen Pri­vat­in­ves­tor be­ginnt ein neu­es Ka­pi­tel für Hahn, das für wei­te­ren Schub bei der Ent­wick­lung des Flug­ha­fens sor­gen wird“, sag­te der In­nen­mi­nis­ter von Rhein­land-Pfalz. Es war ei­ne Art Be­frei­ungs­schlag, end­lich wür­de das Land den Flug­ha­fen los­wer­den, der im­mer mehr zur Be­las­tung ge­wor­den war. Statt­des­sen: ein chi­ne­si­scher In­ves­tor, Flü­ge aus Fer­n­ost, viel­leicht so­gar ein wirt­schaft­li­cher Im­puls für die gan­ze Re­gi­on.

Ei­nen Mo­nat spä­ter ist al­les an­ders: Der Ver­kauf ist ge­platzt, der In­ves­tor of­fen­bar al­les an­de­re als die gro­ße Lö­sung, als den ihn die Lan­des­re­gie­rung prä­sen­tiert hat­te. Aus dem Be­frei­ungs­schlag wur­de ei­ne pein­li­che Pos­se, bei der nicht nur die Lan­des­re­gie­rung, son­dern auch die Wirt­schafts­prü­fungs­ge­sell­schaft KPMG bla­miert da­steht, die den Ver­kauf or­ga­ni­sie­ren soll­te.

Ges­tern kam es im Main­zer Land­tag bei ei­ner Son­der­sit­zung zur Aus­spra­che. Denn nach dem Schei­tern des Ver­kaufs des Flug­ha­fens an die Shang­hai Yi­qi­an Tra­ding Com­pa­ny (SYT) steht Mi­nis­ter­prä­si­den­tin Ma­lu Drey­er (SPD) nun auch per­sön­lich im­mer mehr un­ter Druck. „Ihr Käu­fer war doch von An­fang an un­se­ri­ös“, warf Op­po­si­ti­ons-Che­fin Ju­lia Klöck­ner (CDU) der Re­gie­rung vor: Die Adres­sen kaum mehr als Brief­käs­ten, „Hin­ter­hof­bil­der“statt se­riö­ser Ge­schäfts­räu­me, grö­ßen­wahn­sin­nig auf­tre­ten­de Bie­ter – „das ist aben­teu­er­lich“. Die Re­gie­rung hät­te dem Ziel, den Flug­ha­fen zu ver­kau­fen, al­les un­ter­ge­ord­net.

Drey­er per­sön­lich, aber auch In­nen­mi­nis­ter Le­w­entz (SPD) räum­ten in der von der CDU be­an­trag­ten Son­der­sit­zung Feh­ler ein: Es sei „bit­ter, dass die­ser schlim­me Feh­ler pas­siert ist“, sag­te Drey­er. „Der zum Zu­ge ge­kom­me­ne Bie­ter hat­te kri­mi­nel­le Ab­sich­ten.“Das er­ga­ben of­fen­bar die Re­cher­chen des am Mon­tag spon­tan nach Chi­na ge­reis­ten In­nen-Staats­se­kre­tärs Ran­dolf Stich, der erst ges­tern ge­gen acht Uhr wie­der in Frank­furt lan­de­te. Was der Staats­se­kre­tär in Chi­na er­fuhr, ließ die Mi­nis­ter­prä­si­den­tin von „kri­mi­nell“spre­chen, den In­nen­mi­nis­ter gar von „Be­trug“– die ge­sam­mel­ten Er­kennt­nis­se, hieß es am Mit­tag aus der Staats­kanz­lei, soll­ten nun aber erst ein­mal aus­ge­wer­tet wer­den. len Ver­kauf an die pfäl­zisch-chi­ne­si­sche Fir­ma ADC ge­sche­hen. Qua­si über Nacht ver­kauf­te die Re­gie­rung die ei­gent­lich SYT zu­ge­sag­te Hou­sing Area und das Schu­lungs­zen­trum in Hahn. Le­w­entz be­stä­tig­te, der Kauf­ver­trag sei un­ter­schrie­ben, der Kauf­preis – 3,4 Mil­lio­nen Eu­ro sol­len es sein – auf ein No­tar­kon­to über­wie­sen wor­den.

Die Ko­ali­ti­ons­part­ner Grü­ne und FDP er­fuh­ren von dem De­al aus der Zei­tung. Trotz­dem ver­tei­dig­ten sie ges­tern das Re­gie­rungs­han­deln und for­der­ten, es müs­se jetzt al­les ge­tan wer­den, um den Ver­kauf zu rea­li­sie­ren und den Flug­ha­fen zu ret­ten.

FO­TO: DPA

Ei­ne Bo­eing 737-800 von Rya­nair auf dem Flug­ha­fen Frank­furt-Hahn.

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