EuGH: Markt­be­trei­ber müs­sen Mar­ken­pi­ra­ten raus­wer­fen

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - WIRTSCHAFT -

LU­XEM­BURG (dpa) Güns­ti­ge Klei­dung mit Eti­ket­ten von La­cos­te, Bur­ber­ry oder Tom­my Hil­fi­ger, bil­li­ge Uh­ren mit der Mar­ken­be­zeich­nung Ra­do - in den Pra­ger Markt­hal­len wur­den preis­be­wuss­te Kun­den fün­dig. Man­che Käu­fer mö­gen ge­ahnt ha­ben, dass sie hier ge­fälsch­te Pro­duk­te er­war­ben. Sie grif­fen den­noch zu.

Ein neu­es Ur­teil des Eu­ro­päi­schen Ge­richts­hofs (EuGH) dürf­te sol­che il­le­ga­len Ge­schäf­te künf­tig wei­ter er­schwe­ren. Die EuGH-Rich- ter in Lu­xem­burg stell­ten in ei­nem EU-weit maß­geb­li­chen Ur­teil fest: Ein Markt­be­trei­ber muss ge­gen An­bie­ter ge­fälsch­ter Mar­ken­wa­re auf sei­nem Ge­län­de vor­ge­hen. Die obers­ten EU-Rich­ter ga­ben da­mit den Her­stel­lern von Mar­ken­uh­ren und -klei­dung Recht, die ge­gen den Be­trei­ber des Mark­tes Pras­ká­trnice in Prag ge­klagt hat­ten. Ver­mie­ter von Stand­plät­zen kön­nen dem Ur­teil zu­fol­ge ge­zwun­gen wer­den, von ein­zel­nen Händ­lern be­gan­ge­ne Mar­ken­rechts­ver­let­zun­gen ab­zu- stel­len und neue Ver­stö­ße zu ver­hin­dern. Ein ähn­li­ches EuGH-Ur­teil gab es schon zu On­line-Markt­plät­zen im Fall L’Oréal.

Die Fra­ge, ob die ge­fälsch­te Wa­re im In­ter­net oder an­de­ren Ver­kaufs­stel­len an­ge­bo­ten wer­de, sei nicht von Be­deu­tung, „weil der An­wen­dungs­be­reich der Richt­li­nie nicht auf den elek­tro­ni­schen Han­del be­schränkt ist“, ur­teil­te der EuGh jetzt. Die Rich­ter ho­ben gleich­zei­tig her­vor, dass die Vor­ga­ben für die Markt­be­trei­ber „nicht nur wirk­sam und ab­schre­ckend, son­dern auch ge­recht und ver­hält­nis­mä­ßig sein“müs­sen. Sie dürf­ten „nicht über­mä­ßig kost­spie­lig“sein und den recht­mä­ßi­gen Han­del nicht ein­schrän­ken. Von den Ver­mie­tern der Markt­stän­de kön­ne al­so „kei­ne ge­ne­rel­le und stän­di­ge Über­wa­chung ih­rer Kun­den“ver­langt wer­den. Fal­len aber Ver­stö­ße ge­gen Mar­ken­rech­te auf, müs­sen die Markt­be­trei­ber tä­tig wer­den.

Die Her­stel­ler teu­rer Wa­ren ha­ben da­mit ei­nen Etap­pen­sieg er- run­gen, ih­ren Kampf ge­gen Mar­ken­pi­ra­ten aber noch lan­ge nicht ge­won­nen. Jüngs­te vor­han­de­ne Zah­len der EU-Kom­mis­si­on wie­sen auch für das Jahr 2014 ei­ne Zu­nah­me ein­schlä­gi­ger Fäl­le auf. Dem­nach be­schlag­nahm­te der Zoll mehr als 95.000 Sen­dun­gen mit ver­däch­ti­gen Wa­ren, die nach Kom­mis­si­ons­an­ga­ben „wahr­schein­lich aus In­ter­net­ver­käu­fen stamm­ten“. Die ent­spre­chen­den ech­ten Pro­duk­te hät­ten mehr als 617 Mil­lio­nen Eu­ro ge­kos­tet.

Von den rund 33 Mil­lio­nen si­cher­ge­stell­ten Ar­ti­keln la­gen Zi­ga­ret­ten mit et­wa 35 Pro­zent an der Spit­ze, ge­folgt von Spiel­zeug und Arz­nei­mit­teln. Chi­na war laut EU-Kom­mis­si­on „das Land, aus dem Wa­ren, die geis­ti­ge Ei­gen­tums­rech­te ver­let­zen, haupt­säch­lich in die EU ver­sandt wer­den“. Be­trof­fen sei­en ne­ben den Her­stel­lern der Ori­gi­na­le auch ge­täusch­te Ver­brau­cher so­wie Ar­beit­neh­mer, die we­gen der Pro­dukt­fäl­scher wo­mög­lich ih­ren Job ver­lö­ren.

FO­TO: DONG ENER­GY

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