Jo­han­nes Brahms’ schö­ne Mägd­lein in Wort und Ton

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - DÜSSELDORFER KULTUR - VON NOR­BERT LAU­FER

DÜS­SEL­DORF Dies ist die Ge­schich­te ei­nes jun­gen Gra­fen und ei­ner schö­nen Prin­zes­sin, von treu­er Lie­be und un­frei­wil­li­gen Aben­teu­ern, er­zählt in höchst ro­man­ti­scher Wei­se von Lud­wig Tieck. Er flocht Ge­dich­te hin­ein, die wie­der­um Brahms in ei­nem 15-tei­li­gen Zy­klus aus Lie­bes­lie­dern ver­ton­te. Beim Kla­vier-Fes­ti­val Ruhr wur­den nun Pro­sa und Ly­rik zu­sam­men­ge­führt – leicht ab­seits von der Ruhr, näm­lich im Düs­sel­dor­fer Schu­mann-Saal.

Kein Ge­rin­ge­rer als der Schau­spie­ler Ul­rich Mat­thes re­zi­tier­te den Tieck-Text mit In­brunst, doch dann und wann auch mit iro­ni­scher Dis­tanz. Als er vom „schö­nen Mägd­lein“er­zähl­te, ließ er sich ger­ne vom Schmun­zeln des Pu­bli­kums an­ste­cken. Die­se Text­pas­sa­gen wur­den in­nig ver­wo­ben mit Brahms’ Ge­dicht-Ver­to­nun­gen; bruch­los be­gann die Mu­sik, bruch­los, oft in glei­cher ly­ri­scher Stim­mung, schloss sich das ge­spro­che­ne Wort an, um die Hand­lung und ih­re emo­tio­na­len Aus­wir­kun­gen wei­ter­zu­füh­ren. Mat­thi­as Go­er­ne konn­te sich in sei­nem Fach des ly­ri­schen Ba­ri­tons aus­le­ben. Je­des der Lie­der ver­band die zar­ten Lie­bes­ge­füh­le mit der Dra­ma­tik von Un­ge­duld und Zwei­fel, Ei­le oder gar Zorn bis­wei­len auf engs­tem Raum. Sei­ne Stim­me form­te die Li­ni­en sanft, säu­selnd und mit weit um­span­nen­den Bö­gen; er konn­te aber auch auf­brau­sen und sich selbst­ge­wiss mit stäh­ler­nem Stimm­ein­satz be­haup­ten. Eben­so viel­schich­tig ging Ni­cho­las An­ge­lich am Kla­vier mit Brahms’ No­ten­text um. Klang­vol­le Ar­peg­gi­en be­ka­men da und dort die für die­sen Kom­po­nis­ten ty­pi­schen Be­to­nun­gen wie Lich­ter auf­ge­setzt.

Gleich­sam schwe­ben­de Be­gleit­fi­gu­ren wech­sel­ten sich mit drän­gen­den, wie ein Uhr­werk ab­schnur­ren­den Rhyth­men ab. Nicht nur Sän­ger und Pia­nist agier­ten als Ein­heit, mit Ul­rich Mat­thes bil­de­ten sie ein bes­tens ein­ge­spiel­tes Trio. Und zeig­ten in pau­sen­lo­sen 100 Mi­nu­ten, dass „Die schö­ne Ma­ge­lo­ne“zu den wich­tigs­ten ro­man­ti­schen Lie­der­zy­klen zählt.

FO­TO: MAR­CO BORGGREVE

Mat­thi­as Go­er­ne

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.