Un­kon­ven­tio­nell, aber Ver­such wert

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - DÜSSELDORFER STADTPOST - VON DENISA RICH­TERS UND MER­LE SIEVERS

Wo die Flä­che auf dem Bür­ger­steig zu knapp ist, kön­nen an­lie­gen­de Kn­ei­pen und Re­stau­rants im Som­mer ih­ren Gäs­ten kei­ne Au­ßen­plät­ze bie­ten. Selbst gut lau­fen­de Lä­den blei­ben an war­men Som­mer­ta­gen des­halb leer. Die Stadt Köln hat nun als Pi­lot­ver­such ei­ne Re­ge­lung ein­ge­führt, mit der auch schon Bonn gu­te Er­fah­run­gen ge­macht hat: Gas­tro­no­men wird er­laubt, Park­plät­ze vor ih­rem Lo­kal an­zu­mie­ten, um dort Au­ßen­gas­tro­no­mie zu be­trei­ben. Al­ler­dings gilt die Re­ge­lung zu­nächst nur für zwei der ins­ge­samt neun Stadt­be­zir­ke in Köln. Um die 1500 Eu­ro müs­sen Gas­tro­no­men da­für als Mie­te an die Stadt zah­len.

Ein Mo­dell für Düs­sel­dorf? Geht es nach der Stadt­ver­wal­tung, kei­nes­falls. Zu we­nig Platz und zu viel Ver­wal­tungs­auf­wand, sagt Micha­el Zim­mer­mann, Lei­ter des städ­ti­schen Ord­nungs­amts. Schließ­lich müss­ten bei solch ei­ner Re­ge­lung je­des Mal die Si­cher­heits­vor­keh­run­gen über­prüft wer­den. „Au­ßer­dem ha­ben wir in Düs­sel­dorf be- son­ders im In­nen­stadt­be­reich und am Ha­fen be­reits ver­hält­nis­mä­ßig vie­le Ter­ras­sen, auf de­nen Au­ßen­gas­tro­no­mie be­trie­ben wird. Da­her hat das In­ter­es­se der Bür­ger nach aus­rei­chend Park­plät­zen in der Stadt ein­deu­tig Vor­rang.“

Nor­bert Czer­win­ski, Frak­ti­ons­chef und Ver­kehrs­ex­per­te der Grü­nen, die im Düs­sel­dor­fer Rat­haus mit SPD und FDP re­gie­ren, fin­det die­se Äu­ße­rung Zim­mer­manns „ziem­lich frech“. Gera­de im Me­di­en­ha­fen ha­be die Stadt­ver­wal­tung vie­le Au­ßen­ter­ras­sen zu­ge­las- sen, was auch gut sei, da­bei aber Kon­flik­te pro­vo­ziert, weil mit­ten durch die Gas­tro­no­mie ein Rad­weg füh­re. Au­to­fah­rer sei­en hin­ge­gen nicht ein­ge­schränkt wor­den. Im Ge­gen­teil: Durch das punk­tu­el­le Zu­las­sen von Geh­weg­par­ken sei­en stadt­weit tau­sen­de neu­er Park­plät­ze ent­stan­den. „Köln hat be­stimmt nicht we­ni­ger Platz als Düs­sel­dorf“, sagt Czer­win­ski. Er will des­halb im nächs­ten Ord­nungs- und Ver­kehrs­aus­schuss ei­ne ent­spre­chen­de An­fra­ge stel­len. „Dann soll die Stadt­ver­wal­tung mal ge­nau be­grün­den, wes­halb die­ses Mo­dell in Düs­sel­dorf nicht funk­tio­nie­ren soll.“

Ro­bert Pott­hoff, Be­trei­ber der El­ling­ton Bar in Fried­rich­stadt, blickt nei­disch auf die neue Re­ge­lung in Köln. Sei­ne Bar hat kei­ne Flä­che un­ter frei­em Him­mel, auf der Gäs­te be­wir­tet wer­den könn­ten. Le­dig­lich ei­ne klei­ne Bank steht vor der Tür auf dem Geh­weg. „Für uns wä­re das su­per, wenn wir auf den Park­plät­zen vor un­se­rem La­den Ti­sche und Stüh­le auf­stel­len könn­ten. Im Som­mer zieht es die Gäs­te ein­fach nach drau­ßen.“Auch Clau­dia Verón vom Steak-Re­stau­rant „The Bull“in der In­nen­stadt wür­de es be­grü­ßen, wenn sie die Park­plät­ze vor ih­rem La­den nut­zen könn­te. „Zwar müss­te ich mich wahr­schein­lich auf Be­schwer­den der An­woh­ner we­gen der Laut­stär­ke ein­stel­len, aber ei­nen Ver­such wä­re mir das wert.“

Ist der Raum knapp, pral­len vie­le In­ter­es­sen auf­ein­an­der. Au­to­fah­rer wol­len par­ken, Rad­fah­rer und Fuß­gän­ger si­cher und rasch durch­kom­men – und die meis­ten von uns möch­ten laue Som­mer­aben­de in Re­stau­rant oder Kn­ei­pe drau­ßen ver­brin­gen. Da ist es nicht leicht, al­le In­ter­es­sen un­ter ei­nen Hut zu brin­gen. Dass die Stadt­ver­wal­tung aber ei­ne Idee, die in an­de­ren Groß­städ­ten mit glei­cher Raum­not funk­tio­niert, als un­mach­bar ab­lehnt, zeugt von al­ten Re­fle­xen. Über vie­le Jah­re wur­de Au­to­fah­rern stets höchs­te Prio­ri­tät ein­ge­räumt und da­durch vie­les ver­säumt. Park­plät­ze für Au­ßen­ter­ras­sen zu nut­zen, ist un­kon­ven­tio­nell. Aber ver­nünf­tig und punk­tu­ell ein­ge­setzt wird es kei­nem Au­to­fah­rer scha­den, dem Le­ben in der mo­der­nen Groß­stadt aber gut­tun. Ei­nen Ver­such ist es al­le­mal wert. denisa.rich­ters

@rhei­ni­sche-post.de

RP-FO­TO: ANDRE­AS ENDERMANN

Ro­bert Pott­hoff steht in sei­ner Bar El­ling­ton an der Scheu­ren­stra­ße. In der Schei­be spie­geln sich die Park­plät­ze, die er ger­ne als Ter­ras­se nut­zen wür­de.

RP-FO­TO: MER­LE SIEVERS

Das Schnör­res in der Köl­ner Südstadt hat Park­plät­ze vor der Tür an­ge­mie­tet, um dort Ti­sche und Stüh­le auf­zu­stel­len.

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