Die neu­en Mehr­hei­ten im Stadt­rat

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - DÜSSELDORF - VON DENISA RICH­TERS

Al­le stim­men für die neue Bei­ge­ord­ne­te, bei Tour und Spar­kas­se gibt es brei­te Zu­stim­mung, ge­strit­ten wird nur we­nig.

Was hat es im Stadt­rat schon für ver­ba­le Schlach­ten ge­ge­ben, seit ei­ne Am­pel-Mehr­heit aus SPD, Grü­nen und FDP re­giert, die CDU hin­ge­gen als größ­te Rats­frak­ti­on in der Op­po­si­ti­on ist. Ges­tern war al­les an­ders. So­gar bei Themen, die sonst Kon­flik­te ga­ran­tier­ten, ging es re­la­tiv fried­lich zu. Vie­les war im Vor­feld ge­klärt wor­den – und so kam es so­gar zu ganz neu­en Mehr­hei­ten. Wahl Bau­de­zer­nen­tin Das hat es seit lan­gem nicht ge­ge­ben: Oh­ne Ge­gen­stim­me oder auch nur Ent­hal­tun­gen wur­de Cor­ne­lia Zusch­ke (par­tei­los) zur neu­en Bei­ge­ord­ne­ten für Bau­en, Stadt­pla­nung und Woh­nen ge­wählt – und das, oh­ne selbst da­bei ge­we­sen zu sein. Die 55-jäh­ri­ge Ar­chi­tek­tin ar­bei­tet näm­lich noch in sel­ber Po­si­ti­on im Darm­städ­ter Rat­haus, dort tag­ten die Stadt­ver­ord­ne­ten par­al­lel zur Rats­sit­zung in Düs­sel­dorf. Ober­bür­ger­meis­ter Tho­mas Gei­sel (SPD) rief Zusch­ke aus der Sit­zung her­aus an und frag­te, ob sie die Wahl an­neh­me. Sie hat Ja ge­sagt. Die letz­te Bei­ge­ord­ne­ten-Wahl – Do­ro­thée Schneider (SPD) als Käm­me­rin – war mit ge­hei­mer Ab­stim­mung und et­li­chen Ge­gen­stim­men noch zur Zit­ter­par­tie ge­ra­ten. Ihr Amt in Düs­sel­dorf soll Zusch­ke, die zu­vor 14 Jah­re Bei­ge­ord­ne­te in Ful­da war, am 12. Sep­tem­ber an­tre­ten. Stadt­spar­kas­se Das Top-Streit­the­ma der ver­gan­ge­nen ein­ein­halb Jah­re ist zu­min­dest ak­tu­ell in der Po­li­tik ab­ge­räumt. CDU, SPD, Grü­ne, FDP, Linke stimm­ten ein­mü­tig den Jah­res­ab­schlüs­sen 2014 und 2015 so­wie der dar­in ent­hal­te­nen Aus­schüt­tung an die Stadt in Hö­he von ins­ge­samt 25 Mil­lio­nen Eu­ro zu. Die­ser Sum­me war ei­ne Be­ans­tan- dung durch Gei­sel, ei­ne Ent­schei­dung der Fi­nanz­auf­sicht (die sei­ne Ar­gu­men­ta­ti­on stütz­te) und an­schlie­ßend noch har­tes Rin­gen um ei­nen Kom­pro­miss vor­aus­ge­gan­gen. Im Stadt­rat wur­de fried­voll ein Häk­chen da­hin­ter ge­macht. Tour de Fran­ce Eben­so in­ten­siv war bis vor we­ni­gen Ta­gen über den „Grand Dé­part“, den Start des be­rühm­ten Rad­ren­nens 2017 in Düs­sel­dorf ge­strit­ten wor­den. CDU und Linke hat­ten sich da­ge­gen po­si­tio­niert, noch mehr die FDP, die bei die­sem The­ma kon­se­quent aus der Am­pel-Ko­ope­ra­ti­on aus­scher­te. Haupt­ar­gu­ment: die ho­hen Kos­ten. Die sind mit ins­ge­samt 11,2 Mil­lio­nen Eu­ro an­ge­setzt, für 4,9 Mil­lio­nen Eu­ro gibt es den An­ga­ben der Stadt­spit­ze zu­fol­ge noch kei­ne Ge­gen­fi­nan­zie­rung (u.a. durch Spon­so­ren, Ver­kauf von VIP-Be­rei­chen, Ver­mark­tung von Event-Flä­chen). Doch be­reits die­ses Jahr muss Geld flie­ßen – für Or­ga­ni­sa­ti­on und Li­zenz­ge­büh­ren. Dar­über muss­te der Rat nun ent­schei­den. 3,1 Mil­lio­nen Eu­ro wer­den in den Etat ein­ge­stellt. Dem ste­hen 2,1 Mil­lio­nen Eu­ro Er­trä­ge ge­gen­über. Gei­sel woll­te ei­ne Mil­li­on mehr, CDU-Frak­ti­ons­chef Rü­di­ger Gutt poch­te auf den nied­ri­ge­ren Be­trag – als Be­din­gung für die Zu­stim­mung, die es am En­de auch gab. Ein­zig die FDP blieb beim Nein. „Für ein Fahr­rad­wo­chen­en­de müs­sen wir zig Mil­lio­nen Eu­ro hin­le­gen“, sag­te Frak­ti­ons­che­fin Ma­rieAg­nes Strack-Zim­mer­mann. Gleich­zei­tig lie­ge bei den Stadt­fi­nan­zen und Schu­len vie­les im Ar­gen. Gei­sel ha­be „bru­tal durch­ge­zo­gen, dass städ­ti­sche Töch­ter Geld“ge­ben müs­sen (Flug­ha­fen 500.000, Mes­se ei­ne Mil­li­on Eu­ro). Hö­he­punkt die­ser Pos­se sei, „dass die Op­po­si­ti­on Ih­nen jetzt das Ge­säß ret­tet“, oh­ne ein Druck­mit­tel zu ha­ben, falls Gei- sel die nicht eta­ti­sier­te Mil­li­on durch Spon­so­ren nicht auf­bringt. Ka­pa­zi­täts­aus­wei­tung Flug­ha­fen Bei die­ser Ab­stim­mung for­mier­te sich die Po­li­tik noch mal neu – und un­ge­wöhn­lich: CDU, SPD und FDP stimm­ten da­für, die Grü­nen scher­ten dies­mal aus der Am­pel aus, ent­schie­den sich wie Linke, FW/Tier­schutz­par­tei und Rep fürs Nein. Al­te Käm­me­rei Dann bra­chen kurz doch die üb­li­chen Fron­ten auf. CDU-Frak­ti­ons-Vi­ze Andre­as Hart­nigk kri­ti­sier­te das von der Stadt ge­plan­te In­ves­to­ren-Mo­dell für die 44 Mil­lio­nen Eu­ro teu­re Sa­nie­rung der Al­ten Käm­me­rei. SPD-Frak­ti­ons­chef Mar­kus Raub hielt ihm vor, beim Bau des Bal­lett­hau­ses selbst dar­auf ge­setzt zu ha­ben. Die Am­pel stand zu­sam­men, der An­trag der CDU, die Stadt sol­le selbst sa­nie­ren, fand kei­ne Mehr­heit.

FO­TOS: BAU­ER, DPA, BRETZ

Die Stadt­spar­kas­se schüt­tet 25 Mil­lio­nen Eu­ro an die Stadt aus, die Stadt stellt 3,1 Mil­lio­nen Eu­ro im Etat für den „Grand Dé­part“be­reit, und für die Al­te Käm­me­rei wird ein In­ves­tor ge­sucht.

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