Re­li macht stark!

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - DÜSSELDORF -

End­lich Fe­ri­en, und die kön­nen den meis­ten Kin­dern gar nicht lang ge­nug sein. Vie­le Erst­kläss­ler fie­bern aber auch vol­ler Span­nung dem ers­ten Schul­tag ent­ge­gen. Neu­er Weg, neue Ge­sich­ter, neu­er Ta­ges­ab­lauf. Da ist es gut, wenn man nicht al­lein ist und je­man­den, den man kennt, an sei­ner Sei­te hat. Ei­nen Freund aus dem Kin­der­gar­ten oder der Nach­bar­schaft. Ei­ne gro­ße Schwes­ter an der­sel­ben Schu­le. Im Re­li­gi­ons­un­ter­richt er­fah­ren die Schü­le­rin­nen und Schü­ler aber auch von je­man­dem, von dem wir Chris­ten glau­ben, dass je­der Mensch ihm wich­tig ist – von Gott. Das kann Kin­der stär­ken, für den Schul­an­fang, aber auch für das Le­ben. Ich war als Re­li­gi­ons­leh­re­rin an ei­ner Grund­schu­le in ei­nem „Stadt­teil mit be­son­de­rem Ent­wick­lungs­be­darf“tä­tig. In der Lern­grup­pe war ein Schü­ler mit För­der­schwer­punkt Emo­tio­na­le und So­zia­le Ent­wick­lung, der täg­lich mit an­de­ren in Streit ge­riet. Nach ei­ner Re­li­gi­ons­stun­de kam er zu mir und frag­te mich: „Frau Brink­m­öl­ler, glaubst du, Gott hat mich auch lieb?“Er hat­te ei­nen hoch­ro­ten Kopf und es war ihm sicht­lich un­an­ge­nehm, aber of­fen­sicht­lich doch sehr wich­tig zu klä­ren. Sei­ne Ve­r­un­si­che­rung war klar: täg­li­che Aus­ein­an­der­set­zun­gen, ge­nerv­te Mit­schü­ler, stän­dig Ge­sprä­che we­gen sei­nes Ver­hal­tens, auch zu Hau­se Stress. Nicht gera­de An­halts­punk­te ein lie­bens­wer­tes Kind zu sein. Ich ant- wor­te­te ihm, dass ich fest dar­an glau­ben wür­de, dass Gott ihn liebt. Und füg­te an: „Auch wenn er viel­leicht nicht al­les gut fin­det, was du tust.“Ein tie­fer Seuf­zer ging durch sei­nen Kör­per. Er rich­te­te sich auf, strahl­te mich an und hüpf­te da­von. Auch in den nächs­ten Ta­gen ging ein Lä­cheln über sein Ge­sicht, wenn wir uns tra­fen. Ich hat­te den Ein­druck, er hat­te et­was Wert­vol­les (wie­der-)ge­fun­den, das er ver­lo­ren hat­te. Auch ich fühl­te mich be­schenkt. Die Be­geg­nung hat mich dar­in be­stärkt, als Re­li­gi­ons­leh­re­rin ei­nen wich­ti­gen Bei­trag zur Ent­wick­lung von Kin­dern zu leis­ten. Als Chris­tin spü­re ich, dass der Glau­be an Gott Kraft und Mut auch in schwie­ri­gen Si­tua­tio­nen ge­ben kann. Die­se Er­fah­rung hat mir ge­zeigt, dass auch Got­tes Glau­be an je­den Ein­zel­nen von uns, stär­ken kann. Des­halb sa­ge ich: Wie gut, dass es Re­li­gi­ons­un­ter­richt gibt, denn Re­li macht stark! BEA­TE BRINK­M­ÖL­LER IST KA­THO­LI­SCHE SCHUL­RE­FE­REN­TIN

RP-FO­TO: ORT

Schul­re­fe­ren­tin Bea­te Brink­m­öl­ler

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