Stam­mes­sen statt Re­stau­rant-Me­nü

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - STADTTEILE - VON TORS­TEN THIS­SEN

Das be­lieb­te De­ren­dor­fer Re­stau­rant „Le Lo­cal“hat ge­schlos­sen. Man ha­be sich von ei­nem Ein­bruch nicht er­holt, heißt es. Doch ein Grund für die In­sol­venz soll auch die neue Kon­kur­renz durch die Men­sa der Hoch­schu­le Düs­sel­dorf sein.

DERENDORF Die Gäs­te sit­zen auf neu­en De­si­gner­stüh­len, auch die Ti­sche sind vom Ar­chi­tek­ten des Ge­bäu­des aus­ge­sucht, da­mit sie zum Ge­samt­en­sem­ble pas­sen. Der Blick geht ins Grü­ne. Gut, manch­mal ist es ein we­nig laut, und das Es­sen müs­sen sich die Gäs­te selbst ho­len, da­für kos­tet das See­lachs­fi­let in Se­sam­krus­te mit ei­ner Dill-Rahmso­ße le­dig­lich 1,10 Eu­ro. Für 40 Cent gibt es au­ßer­dem noch ver­schie­de­ne Bei­la­gen, die sich je­der vom Büf­fet zu­sam­men­stel­len kann. Als Al­ter­na­ti­ve steht noch ein Kar­tof­felCor­don-Bleu mit Frisch­kä­se-Kräu­ter-Fül­lung auf der Kar­te. Der Preis: 1,20 Eu­ro.

In ih­rem wei­te­ren Um­kreis ist das An­ge­bot der Men­sa an der neu­en Hoch­schu­le Düs­sel­dorf un­schlag­bar. Zu­min­dest was den Preis an­geht. Hin­zu kommt noch, dass Qua­li­tät und Um­feld eben auch stim­men, die Men­sa ist nicht mehr bil­li­ge Ab­füt­te­rung ei­ner eher an­spruchs­lo­sen Kli­en­tel mit ir­gend­ei­ner Pam­pe wie frü­her, heu­te hat das Es­sen min­des­tens die Qua­li­tät ei­ner gu­ten Kan­ti­ne. Ein Re­stau­rant in der Um­ge­bung hat es dem­ent­spre­chend schwer.

Ei­ne Er­fah­rung, die nun auch die Be­trei­ber des „Le Lo­cal“ge­macht ha­ben. Das be­lieb­te Lo­kal an der Müns­ter­stra­ße ist in­sol­vent. Auf der Face­book-Sei­te schrei­ben die Be­trei­ber: „Lei­der muss­ten wir das Le Lo­cal schlie­ßen. Wir ha­ben uns nach un­se­rem Ein­bruch lei­der nicht mehr er­ho­len kön­nen. Wir be­dau­ern das sehr. Ein gro­ßes Dan­ke­schön an al­le Gäs­te, die mit uns ver­bun­den wa­ren. Eu­er Le Lo­cal Team.“Der Ein­bruch war im April. Da­mals hat­ten die Ein­bre­cher of­fen­bar das Lo­kal so ver­wüs­tet, dass ei­ne Re­no­vie­rung er­for­der­lich wur- de. Et­wa zwei Wo­chen blieb das Lo­kal dar­auf­hin ge­schlos­sen. Der Ein­bruch und erst recht die Schlie­ßung mach­ten vie­le Gäs­te des Lo­kals trau­rig. In der Nach­bar­schaft und auch dar­über hin­aus hat­te es ei­nen gu­ten Ruf. Die Be­trei­ber selbst wa­ren ges­tern für die RP nicht zu er­rei­chen. Al­ler­dings soll nicht un­be­dingt al­les aus sein. Of­fen­bar über­le­gen Tei­le des Per­so­nals, ob und wie sie das „Le Lo­cal“wei­ter­füh­ren. Die ak­tu­el­le Ge­schäfts­füh­rung soll für sich kei­ne Zu­kunft an der Müns­ter­stra­ße mehr se­hen.

Das soll auch dar­an lie­gen, dass der Ein­bruch le­dig­lich ein Grund für die In­sol­venz sei, sa­gen In­si­der. Es ge­be aber meh­re­re. Un­ter an­de­rem hat das Lo­kal kei­ne Kon­zes­si­on für den In­nen­hof des Hau­ses be­kom­men, der sehr be­liebt war. Hin­zu kam die Kon­kur­renz der Men­sa, so dass man sich be­reits im Mai ent­schloss, auf das Mit­tags­ge­schäft zu ver­zich­ten und nur noch abends das Re­stau­rant zu öff­nen.

An­fang Ju­ni schließ­lich er­hoff­ten sich die Be­trei­ber durch ein Spe­cial zur Eu­ro­pa­meis­ter­schaft wie­der auf die Bei­ne zu kom­men. Hier­für durf­ten sie so­gar den In­nen­hof tem­po­rär zum Pu­b­lic Viewing wie­der nut­zen, doch vor al­lem we­gen des schlech­ten Wet­ters war der Zu­spruch der Gäs­te eher be­schei­den. Letzt­lich deck­ten die Um­sät­ze nicht mehr den Be­trieb und die Ge­schäfts­füh­rung zog die Not­brem­se. Ob es in neu­er Kon­stel­la­ti­on wei­ter­geht, ist bis­lang un­klar, doch für die Gas­tro­no­mie in der Um­ge­bung des Cam­pus sei die Schlie­ßung ein Warn­si­gnal, sa­gen Ken­ner der Sze­ne. Vie­le, die sich durch den neu­en Cam­pus mehr Um­satz er­hofft hat­ten, se­hen sich jetzt durch die Men­sa be­droht. Zu­mal un­klar sei, ob Stu­den­ten und Mit­ar­bei­ter wirk­lich auch in der Um­ge­bung am Abend aus­gin­gen.

RP-FO­TO: HANS-JÜR­GEN BAU­ER

Die Um­sät­ze sol­len nicht mehr ge­stimmt ha­ben: Die Ge­schäfts­füh­re­rin des „Le Lo­cal“, Bet­ti­na St­ei­ner, ist erst in die­sem Jahr ge­kom­men.

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