Die Ab­si­che­rer der Ver­si­che­rer

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - DÜSSELDORFER WIRTSCHAFT - VON PATRICK PE­TERS

Ver­si­che­rer bie­ten Un­ter­neh­mens­käu­fern spe­zi­el­le Po­li­cen zur Ab­si­che­rung von Ga­ran­ti­en in Trans­ak­tio­nen an. Die be­kann­te M&A-Kanz­lei Ar­qis be­rät Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­men bei der Be­wer­tung der Ri­si­ken.

Ei­ne Un­ter­neh­mens­trans­ak­ti­on ist im bes­ten Fal­le ei­ne har­mo­ni­sche An­ge­le­gen­heit. Käu­fer und Ver­käu­fer ei­ni­gen sich, die An­wäl­te des Er­wer­bers über­prü­fen die Da­ten des Ziel­un­ter­neh­mens und ver­han­deln den Ver­trag mit den Be­ra­tern der Ge­gen­sei­te. Und nach Un­ter­zeich­nung und Ab­schluss sind al­le Par­tei­en glück­lich, Pro­ble­me gibt es kei­ne. Dass das häu­fig nur Wunsch­den­ken ist, be­tont Dr. Jörn-Chris­ti­an Schul­ze, Part­ner der M&A-Kanz­lei Ar­qis mit Bü­ros in Düs­sel­dorf, Mün­chen und To­kio. „In so gut wie je­dem De­al be­ste­hen Ri­si­ken für den Käu­fer, sei­en es of­fe­ne Steu­er­for­de­run­gen des zu er­wer­ben­den Un­ter­neh­mens, lau­fen­de Ver­fah­ren mit Pa­tent-, Kar­tel­lo­der an­de­ren Be­hör­den oder, oder, oder. Die­se Ri­si­ken will der Käu­fer na­tür­lich ab­si­chern, um kei­nen wirt­schaft­li­chen Nach­teil durch die Trans­ak­ti­on zu er­lei­den. Des­halb wird re­gel­mä­ßig ein Ga­ran­tie­ka­ta­log ver­ein­bart. Die­ser re­gelt spe­zi­fi­sche Ga­ran­tie­ver­spre­chen des Ver­käu­fers im Hin­blick auf den ope­ra­ti­ven Ge­schäfts­be­trieb des Ziel­un­ter­neh­mens. Für die Er­fül­lung der Ga­ran­ti­en haf­tet der Ver­käu­fer dann bis zur Hö­he des er­hal­te­nen Kauf­prei­ses oder ei­nes ver­ein­bar­ten ge­rin­ge­ren Bruch­teils.“

Doch der Ga­ran­tie­ka­ta­log al­lein hilft dem Käu­fer nicht wei­ter. Ist ei­ne Ga­ran­tie ver­letzt, muss der Käu­fer den dies­be­züg­li­chen Scha­den auch tat­säch­lich er­setzt be­kom­men. Es rea­li­sie­ren sich im Nach­gang zu Un­ter­neh­mens­trans­ak­tio­nen re­gel­mä­ßig Ri­si­ken, die bei der Due Di­li­gence-Prü­fung und den Ver­trags­ver­hand­lun- gen un­ent­deckt ge­blie­ben sind oder die der Ver­käu­fer ab­sicht­lich ver­schwie­gen hat, bei­spiels­wei­se Bi­lanz­fäl­schun­gen. Die Lö­sung für Un­ter­neh­mens­käu­fer, ganz gleich ob Mit­tel­stand, Kon­zern oder Pri- va­te Equi­ty: „Ver­si­che­run­gen bie­ten spe­zi­el­le Pro­duk­te zur Ab­si­che­rung von Schä­den durch Ver­let­zun­gen von Ga­ran­ti­en in M&A-Trans­ak­tio­nen an. Käu­fer er­hal­ten da­mit fi­nan­zi­el­le Si­cher­heit durch ei- nen Ver­si­che­rer, falls be­stimm­te Pro­ble­me auf­tre­ten“, sagt Dr. Mir­jam Bo­che, eben­falls Part­ne­rin bei Ar­qis. Stan­dard sei, dass der Ver­si­che­rer die wäh­rend der Due Di­li­gence nicht ent­deck­ten Ri­si­ken ab­si­che­re, (so­ge­nann­te „War­ran­ty and In­dem­ni­ty“-Ver­si­che­rung), selbst dann, wenn sie durch Arg­list des Ver­käu­fers ent­stan­den sei­en. Zu­dem ge­be es „Spe­cial Si­tua­ti­ons“-Po­li­cen, die auch er­kann­te Ri­si­ken in Spe­zi­al­fäl­len de­cken.

Ar­qis hat sich ei­nen Na­men als Be­ra­ter für drei Ver­si­che­rer ge­macht und be­glei­tet die­se seit Jah­ren als „Un­der­wri­ting Coun­sel“. Das heißt, die M&AAn­wäl­te ste­hen den Ver­si­che­rern wäh­rend Trans­ak­tio­nen zur Sei­te und be­wer­ten vor al­lem die Due Di­li­gence des Un­ter­neh­mens­käu­fers, um fest­zu­stel­len, ob dort wirk­lich al­le Ri­si­ken er­kannt und de­ment- spre­chend al­le mög­li­chen Ga­ran­ti­en ab­ge­ge­ben wor­den sind. Ver­si­che­rer bräch­ten im­mer ei­ge­ne An­wäl­te in sol­che Pro­jek­te mit ein, sagt JörnChris­ti­an Schul­ze. „Wir sind da­für ver­ant­wort­lich, dass die Trans­ak­ti­ons­par­tei­en ih­re Ver­hand­lun­gen nicht zu­las­ten des Ver­si­che­rers füh­ren. Et­wa in­dem der Ver­käu­fer Ri­si­ken nur über­nimmt, weil die­se dann ja oh­ne­hin ver­si­chert sind. Und für nicht er­kann­te Ri­si­ken kommt im­mer der Ver­si­che­rer auf.“Wich­tig sei, dass der „Un­der­wri­ting Coun­sel“pri­mär ein M&A-An­walt sei und nicht so sehr Ver­si­che­rungs­recht­ler. Er müs­se das Trans­ak­ti­ons­ge­schäft und die da­mit ein­her­ge­hen­den Spe­zi­al­the­men und -ri­si­ken ken­nen, be­wer­ten und ein­ord­nen kön­nen. Ei­ne Ein­mi­schung in die Trans­ak­ti­on selbst ge­be es aber nicht. „Kauf­ver­trags­the­men spie­len für un­se­re Ar­beit für die Ver­si­che­rer kei­ne Rol­le, das ma­chen Käu­fer und Ver­käu­fer und ih­re Be­ra­ter al­lein un­ter sich aus. Wir ge­ben dem Ver­si­che­rer die not­wen­di­gen In­for­ma­tio­nen an die Hand, da­mit er ge­ge­be­nen­falls den Schutz in der Ver­si­che­rungs­po­li­ce ein­schrän­ken oder im Ex­trem­fall auch die Zu­sam­men­ar­beit ab­leh­nen kann.“

Mir­jam Bo­che weist dar­auf hin, dass ei­ne „Tran­sac­tio­nal Risk In­suran­ce“, so der Ober­griff für Trans­ak­ti­ons­ver­si­che­run­gen, grund­sätz­lich bei je­der De­al-Grö­ße ab­ge­schlos­sen wer­den kann. „Je­der M&A-An­walt soll­te das The­ma auf dem Schirm ha­ben und die Par­tei­en zu­min­dest über die Mög­lich­keit auf­klä­ren, ei­nen Ver­si­che­rer mit an Bord zu neh­men. Meh­re­re Ver­si­che­rer bie­ten Po­li­cen spe­zi­ell für den Mit­tel­stand an.“

FO­TO: ALOIS MÜL­LER

Dr. Jörn-Chris­ti­an Schul­ze und Dr. Mir­jam Bo­che, bei­de Part­ner der M&A-Kanz­lei Ar­qis

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