Kei­ne Zu­kunft oh­ne Ve­rän­de­rung

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - DÜSSELDORFER WIRTSCHAFT -

Die Be­zeich­nung Mer­gers and Ac­qui­si­ti­ons (M&A), al­so zu Deutsch die Fu­si­on von Un­ter­neh­men und der Er­werb von Un­ter­neh­men be­zie­hungs­wei­se Un­ter­neh­mens­an­tei­len ist in der brei­ten Öf­fent­lich­keit kein The­ma. Da­hin­ter ste­hen aber Vor­gän­ge, die über das Wohl von Mil­lio­nen von Men­schen und ih­rer Be­schäf­ti­gung ent­schei­den, so dass es sich lohnt, hier den Blick und das In­ter­es­se et­was zu schär­fen. Noch ei­ne Stu­fe wei­ter be­trach­tet, geht es um je­ne Vor­gän­ge, die im Zu­sam­men­hang mit der Über­tra­gung und Be­las­tung von Ei­gen­tums­rech­ten an Un­ter­neh­men ein­schließ­lich der Kon­zern­bil­dung, der Um­struk­tu­rie­rung von Kon­zer­nen, der Ver­schmel­zung und Um­wand­lung, der Fi­nan­zie­rung des Un­ter­neh­mens­er­werbs, der Grün­dung von Ge­mein­schafts­un­ter­neh­men so­wie der Über­nah­me von Un­ter­neh­men ste­hen.

Klingt furcht­bar und ist oh­ne Zwei­fel kom­pli­ziert. Aber für das Ge­lin­gen der Ge­sell­schaft, der De­mo­kra­tie, des Un­ter­neh­mer­tums und auch der Stär­kung der Mit­tel­schich­ten ex­trem wich­tig und zu­kunfts­wei­send. Auf die­sem wei­ten Feld be­trach­te ich kurz die psy­cho­lo­gi­schen Be­din­gun­gen, die sich schnell ver­än­dern und uns al­le be­tref­fen. Beim Kau­fen und Ver­kau­fen von Un­ter­neh­men geht es wie beim Er­ben auch um Ge­füh­le, um Ei­tel­kei­ten, um Be­fürch­tun­gen, um Le­bens­wer­ke und un­ter­schied­li­che Sicht­wei­sen von Ge­ne­ra­tio­nen. Wer Jahr­zehn­te et­was auf­ge­baut hat, der trennt sich nicht leich­ten Her­zens und oh­ne stän­di­ges Zwei­feln.

Da­her ist die Be­wer­tung und Ein­schät­zung der Vor­gän­ge sehr oft von Wunsch­vor­stel­lun­gen be­herrscht und die Wirk­lich­keit wird in die­sem Sin­ne ge­deu­tet. Das tun wir fast al­le und in­so­fern ist un­se­re Mei­nung nur sel­ten ob­jek­tiv, son­dern ein Re­sul­tat un­se­res Blick­win­kels. In Zei­ten der ra­send schnel­len Ve­rän­de­rung nei­gen wir da­her da­zu, uns auf Ge­wohn­tes und Be­ste­hen­des zu ver­las­sen und be­geg­nen dem Neu­en mit Skep­sis. Das ist heut­zu­ta­ge aber ge­fähr­lich, da die Di­gi­ta­li­sie­rung schon jetzt un­se­re Le­ben spür­bar re­vo­lu­tio­niert und die Märk­te ge­ra­de­zu auf den Kopf stellt.

Wor­auf will ich hin­aus? Wer sein Un­ter­neh­men ver­kauft, wer ein an­de­res über­neh­men will, wer ei­nen an­de­ren Be­ruf er­wäh­len muss, wer plötz­lich in ei­nem neu­en Um­feld steht, kann nicht so wei­ter­ma­chen wie bis­her. Es geht um Ve­rän­de­rung, ja um be­wuss­te Selbst­ver­än­de­rung. Jahr­tau­sen­de ging es dar­um, al­les im Griff zu ha­ben, jetzt geht es dar­um, den rich­ti­gen Mo­ment im Meer der Un­vor­her­seh­bar­keit zu er­ken­nen und pro­ak­tiv zu han­deln. Das be­deu­tet, wir kön­nen den In­no­va­to­ren, den Vi­sio­nä­ren, den Mu­ti­gen nicht län­ger nur zu­se­hen, son­dern wir müs­sen uns selbst mas­siv be­we­gen. Das ist oh­ne Zwei­fel ein schwe­rer Schritt aus der Kom­fort­zo­ne, aber nur so kön­nen wir wie­der vor­an­ge­hen und nicht nur hin­ter­her­lau­fen. Wer zu spät kommt, hat das Nach­se­hen und auch die Chan­ce ver­lo­ren, selbst zu ge­stal­ten. Der Ver­mö­gen­s­psy­cho­lo­ge Prof. Dr. Tho­mas Druy­en ist Di­rek­tor des In­sti­tuts für Ver­glei­chen­de Ver­mö­gens­kul­tur und Ver­mö­gen­s­psy­cho­lo­gie an der Sigmund Freud Pri­vat- Uni­ver­si­tät Wi­en Pa­ris.

FO­TO: MÜL­LER

Ver­mö­gen­s­psy­cho­lo­ge Prof. Dr. Tho­mas Druy­en

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