Sha­re De­als sind bei Im­mo­bi­li­en ge­fragt

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - DÜSSELDORFER WIRTSCHAFT - VON JÜR­GEN GROSCHE

Mit Un­ter­neh­mens­trans­ak­tio­nen be­fas­sen sich auch Fa­mi­ly Of­fices und Pri­vat­in­ves­to­ren. Ex­per­ten be­ob­ach­ten hier der­zeit in­ter­es­san­te Ent­wick­lun­gen, die mit Im­mo­bi­li­en zu tun ha­ben.

Be­ra­tungs­un­ter­neh­men, An­walts­kanz­lei, Fa­mi­ly Of­fice: Lohr + Com­pa­ny in Düs­sel­dorf könn­te sich all die­se Be­zeich­nun­gen aufs Tür­schild schrei­ben. Vom Ur­sprung her ist sie ei­ne Wirt­schafts­prü­fungs­ge­sell­schaft; aus dem im­mer in­ten­si­ve­ren Kon­takt mit den Man­dan­ten sind wei­te­re Auf­ga­ben­fel­der da­zu­ge­kom­men und ge­wach­sen.

Zum Bei­spiel das M&A-Ge­schäft (Mer­gers & Ac­qui­si­ti­ons, al­so Un­ter­neh­mens­käu­fe und -ver­käu­fe). „Wir ha­ben das aus un­se­ren be­ste­hen­den Man­da­ten ent­wi­ckelt“, er­klärt Dr. Ma­xi­mi­li­an A. Werk­mül­ler. „Wir de­cken hier ei­ne gro­ße Band­brei­te im mit­tel­stän­di­schen Be­reich ab“, fügt Dr. Tas­si­lo W.M. Eng­lert hin­zu. Bei­de sind Ge­schäfts­füh­ren­de Ge­sell­schaf­ter bei Lohr + Com­pa- ny und er­fah­re­ne Ex­per­ten auf dem Ge­biet.

Der­zeit be­ob­ach­ten sie ei­ne „Son­der­kon­junk­tur“im Im­mo­bi­li­en­be­reich, sagt Eng­lert: In­ves­to­ren kau­fen Im­mo­bi­li­en nicht mehr nur als As­sets, al­so di­rekt, son­dern be­tei­li­gen sich an Ge­sell­schaf­ten, die die Im­mo­bi­li­en be­sit­zen. Bei sol­chen so ge­nann­ten Sha­re De­als über­neh­men sie die Ge­sell­schaf­ten ger­ne auch kom­plett.

Ge­gen­über dem Di­rekt­kauf hat die­ser Weg vie­le Vor­tei­le, führt Eng­lert aus, et­wa mit Blick auf Gestal­tungs­spiel­räu­me rund um die Grund­er­werb­steu­er, die in NRW mitt­ler­wei­le bei 6,5 Pro­zent liegt. Für aus­län­di­sche In­ves­to­ren sei die Kon­struk­ti­on zu­dem leich­ter zu hand­ha­ben. Und wenn man schon in die Pro­jekt­ge­sell­schaft ein­steigt, ist man frü­her an der Wert­schöp­fungs­ket­te be­tei­ligt, par­ti­zi­piert auch an de­ren Er­trä­gen. „Al­ler­dings steigt da­mit das Ri­si­ko“, nennt Eng­lert ei­ne an­de­re Sei­te der Me­dail­le.

Nach Be­ob­ach­tung der Ex­per­ten schät­zen Fa­mi­ly Of­fices sol­che Sha­re De­als zu­neh­mend. Sie er­hof­fen sich in zins­ar­men Zei­ten so­li­de Er­trä­ge. Kon­ser­va­ti­ve Of­fices zie­hen es vor, wenn das In­vest­ment lang­fris­tig plan­bar ist und ent­spre­chend lang­lau­fen­de Im­mo­bi­li­en­ver­trä­ge be­reits vor­lie­gen. Ri­si­ko­be­rei­te­re An­le­ger – un­ter ih­nen Un­ter­neh­mer, die ih­ren Fa­mi­li­en­be­trieb ver­kauft ha­ben – wa­gen hin­ge­gen eher ein­mal den frü­hen Ein­stieg be­reits in der Pro­jekt­pha­se.

Die prak­ti­sche Um­set­zung sol­cher De­als ist klas­si­sches M&A-Ge­schäft, er­läu­tern Eng­lert und Werk­mül­ler: Da­zu ge­hört die Due Di­li­gence, die sorg­fäl­ti­ge Prü­fung der Ge­sell­schaft wie der Im­mo­bi­lie, der Steu­er­his­to­rie und Ver­lust­vor­trä­ge, der wirt­schaft­li­chen Eck­da­ten und so wei­ter. „Hier ist dann un­se­re Be­ra­tungs­ka­pa­zi­tät ge­fragt“, sagt Werk­mül­ler. So kön­nen die Lohr-Spe­zia­lis­ten die Se­rio­si­tät von An­ge- bot und An­bie­ter nach der Due Di­li­gence meist bes­ser be­ur­tei­len als an­de­re Be­tei­lig­te. „Wich­tig ist ins­be­son­de­re für Fa­mi­ly Of­fices, dass auch beim Sha­re De­al nicht ei­ne Black Box er­wor­ben wird.“

Die Prüf- und Be­ra­tungs­auf­ga­ben um­fas­sen in solch kom­ple­xen Pro­zes­sen noch viel mehr: Häu­fig kommt es vor, dass Un­ter­la­gen nicht vor­lie­gen, auf de­nen in Ver­trä­gen Be­zug ge­nom­men wird. Die Ex­per­ten prü­fen auch sol­che Zu­sam­men­hän­ge, eben­so die Ver­trä­ge selbst. „Da­bei geht es um al­les rund um den Im­mo­bi­li­en­kauf eben­so wie um al­le Fra­gen rund um das M&A-Ge­schäft“, er­läu­tert Eng­lert die Kom­ple­xi­tät.

Die Man­dan­ten ha­ben nicht nur die Ren­di­te im Vi­sier. Viel­mehr steht bei vie­len der Ver­mö­gens­er­halt ganz oben auf der Agen­da. „Wir pla­nen mit un­se­ren Man­dan­ten ge­ne­ra­tio­nen­über­grei­fend“, sagt Werk­mül­ler. Da spie­len auch steu­er­recht­li­che Fra­gen ei­ne wich­ti­ge Rol­le. Von da­her sind mit Blick auf die Erb­schafts­steu­er für Fa­mi­li­en oft In­vest­ments in Woh­nungs­bau­un­ter­neh­men in­ter­es­sant – sie sind hier pri­vi­le­giert.

Dies ist nur ein Bei­spiel für Trans­ak­tio­nen, die Lohr + Com­pa­ny be­ar­bei­tet. „Wir be­treu­en in klei­nem Um­fang auch Ver­käu­fe“, sagt Eng­lert, „wir ken­nen M&A al­so von bei­den Sei­ten.“Die Man­dan­ten kom­men meist aus dem Mit­tel­stand, un­ter ih­nen vie­le Hid­den Cham­pi­ons, die De­als ha­ben im Schnitt ein Vo­lu­men von 20 bis 40 Mil­lio­nen Eu­ro. „Viel Dy­na­mik herrscht in der Star­t­up-Sze­ne“, so Werk­mül­ler. Da kommt es häu­fig zu Über­nah­men – und schon sind die Ex­per­ten wie­der ge­fragt.

FO­TO: ALOIS MÜL­LER

Dr. Tas­si­lo W.M. Eng­lert (links) und Dr. Ma­xi­mi­li­an A. Werk­mül­ler ken­nen sich im M&A-Ge­schäft aus.

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