Er­folg­reich auch un­ter Zeit­druck

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - DÜSSELDORFER WIRTSCHAFT - VON JÜR­GEN GROSCHE

Käu­fe und Ver­käu­fe von Un­ter­neh­men oder Tei­len da­von zäh­len zu den wich­tigs­ten In­stru­men­ten in ei­ner In­sol­venz oder bei der Sa­nie­rung. Ein Un­ter­schied zum nor­ma­len M&A-Ge­schäft: Die Sa­nie­rungs­pro­fis ar­bei­ten un­ter hö­he­rem Zeit­druck.

In­sol­ven­zen und Re­struk­tu­rie­run­gen sind klas­si­sche Fel­der, die viel mit M&A, al­so mit dem Ver­kauf und Kauf von Un­ter­neh­men zu tun ha­ben. „Wir ma­chen ei­gent­lich nichts an­de­res“, sagt Horst Pie­pen­burg. Wenn der Düs­sel­dor­fer In­sol­venz­ver­wal­ter sei­nen Ar­beits­all­tag be­schreibt, wer­den die Zu­sam­men­hän­ge klar: „Es geht dar­um, Un­ter­neh­mens­ver­mö- gen zu ver­wer­ten. Al­so müs­sen Ver­kaufs­pro­zes­se in Gang ge­setzt wer­den.“Je­der In­sol­venz­ver­wal­ter sei letzt­lich al­so ein M&A-Ex­per­te.

In der Pra­xis holt Pie­pen­burg aber ex­ter­ne M&A-Spe­zia­lis­ten mit an Bord. „An die­se ver­ge­ben wir den Ver­kaufs­pro­zess, al­lein schon, um den An­schein von In­ter­es­sens­kol­li­sio­nen zu ver­mei­den.“Wenn ex­ter­ne Ex­per­ten den Ver­kauf über­neh­men, sei der ge­sam­te Pro­zess trans­pa­rent, zu­mal er un­ter Zeit­druck ab­läuft. Denn je län­ger der Ver­kauf der Ver­mö­gens­wer­te dau­ert, des­to mehr blu­tet das Un­ter­neh­men aus. „Know-how-Trä­ger, al­so die gu­ten Mit­ar­bei­ter, fin­den viel­leicht an­de­re Per­spek­ti­ven, Kun­den ori­en­tie­ren sich um, ei­ne Sa­nie­rung wird schwe­rer“, er­klärt Pie­pen­burg den Zeit­druck.

Die Sa­nie­rungs­pro­fis nut­zen al­le Mög­lich­kei­ten aus den M&A-Bau­käs­ten – As­set De­als (Ver­kauf von Wirt­schafts­gü­tern wie zum Bei­spiel Grund­stü­cken, Ge­bäu­den, Ma­schi­nen oder Vor­rä­ten) eben­so wie Sha­re De­als, al­so den Ver­kauf der An­tei­le am Un­ter­neh­men oder an Toch­ter­ge­sell­schaf­ten. „Sha­re De­als sind aber nur sinn­voll, wenn das Un­ter­neh­men gleich­zei­tig durch ei­nen In­sol­venz­plan ent­schul­det wird“, sagt Pie­pen­burg. Da­vor sind die Ri­si­ken für ei­nen Käu- fer nicht kal­ku­lier­bar. Man soll­te mei­nen, beim Kauf ei­nes in­sol­ven­ten Un­ter­neh­mens, sei­ner Töch­ter oder des Ver­mö­gens kön­ne man ein Schnäpp­chen ma­chen – schließ­lich han­delt es sich um Not­ver­käu­fe. Dem wi­der­spricht Pie­pen­burg im Grund­satz nicht. In der Pra­xis kommt es aber selbst un­ter den Pro­fiKäu­fern zu ei­nem Ef­fekt, den In­ter­net­nut­zer vom Por­tal Ebay ken­nen. „Wenn meh­re­re In­ter­es­sen­ten auf­tre­ten, steigt der Preis au­to­ma­tisch“, be­rich­tet der Sa­nie­rungs­spe­zia­list aus dem All­tag.

Mög­li­che Käu­fer wer­den durch Be­rich­te über In­sol­ven-

Je län­ger der Ver­kauf der Wer­te dau­ert, des­to mehr blu­tet das Un­ter­neh­men aus

zen auf­merk­sam. „Den­noch ist es nicht ein­fach, ernst­haf­te In­ter­es­sen­ten mit pas­sen­den Of­fer­ten zu fin­den“, stellt Pie­pen­burg fest. Selbst wenn dann meh­re­re An­ge­bo­te vor­lie­gen, ist der Ver­gleich schwie­rig. Der ei­ne möch­te nur Ma­schi­nen, Know-how und Kun­den­be­zie­hun­gen über­neh­men, der nächs­te lehnt die Über­nah­me be­stimm­ter Stand­or­te ab. Der In­sol­venz­ver­wal­ter muss die Her­aus­for­de­rung meis­tern, die Gläu­bi­ger mög­lichst gut zu be­frie­di­gen und idea­ler­wei­se auch noch Un­ter­neh­men und Ar­beits­plät­ze zu ret­ten.

„In vie­len Fäl­len ist es durch­aus die güns­ti­ge­re Lö­sung, wenn der Käu­fer al­le Ar­beit­neh­mer über­nimmt, selbst wenn der Kauf­preis nied­ri­ger aus­fällt als bei ei­nem an­de­ren An­ge­bot“, er­klärt Pie­pen­burg. Denn man müs­se auch die er­spar­ten Kos­ten zum Bei­spiel für ei­nen Ar­beits­platz­ab­bau in die Ver­gleichs­rech­nung ein­be­zie­hen.

„Man­che Käu­fer ver­lan­gen wie bei nor­ma­len M&A-Ge­schäf­ten Ga­ran­ti­en vom In­sol­venz­ver­wal­ter“, er­zählt Pie­pen­burg wei­ter aus der Pra­xis. „Das ma­chen wir aber nicht. Denn wir kön­nen das Un­ter­neh­men ja nicht so schnell im De­tail ken­nen­ler­nen.“Hier bie­te aber der Markt mitt­ler- wei­le Lö­sun­gen, sagt der er­fah­re­ne Pro­fi: Spe­zi­el­le M&A Ver­si­che­rer de­cken auch Ri­si­ken im Zu­sam­men­hang mit In­sol­ven­zen ab.

An­de­rer­seits fal­len für die Käu­fer ei­ni­ge Ri­si­ken im Ver­gleich mit an­de­ren M&A-Ge­schäf­ten so­gar weg, er­klärt Pie-

Horst Pie­pen­burg pen­burg: Bei As­set De­als sind durch die In­sol­venz al­te Ver­bind­lich­kei­ten, Schul­den und Las­ten und auch vie­le Haf­tungs­ri­si­ken ab­ge­schnit­ten. Und ein mit Hil­fe ei­nes In­sol­venz­plans sa­nier­tes Un­ter­neh­men ist für Käu­fer im Rah­men ei­nes Sha­re De­als in­ter­es­sant, weil al­le Schul­den be­rei­nigt sind und in der Re­gel ein ho­hes po­si­ti­ves Ei­gen­ka­pi­tal ent­steht. Ein Ver­kauf ist zu­dem schnel­ler mög­lich als ein klas­si­sches M&A-Ge­schäft. Tren­nung von lang­lau­fen­den Ver­trä­gen, Stel­len­ab­bau, Schlie­ßung von Stand­or­ten, Kün­di­gung von Miet­ver­trä­gen – all dies ist in ei­ner In­sol­venz kurz­fris­tig mach­bar, bei ei­ner üb­li­chen Trans­ak­ti­on kaum.

Vom Kauf wäh­rend ei­ner Kri­se, al­so vor der In­sol­venz, ra­ten Pro­fis al­ler­dings ab. „Wir In­sol­venz­ver­wal­ter war­nen seit je­her da­vor“, sagt Pie­pen­burg, wohl wis­send, dass sich vie­le Käu­fer nicht dar­an hal­ten. So fehlt in der Kri­se die Rechts­si­cher­heit, und im In­sol­venz­fall droht dem Käu­fer ei­ne An­fech­tung des Kau­fes durch den In­sol­venz­ver­wal­ter.

Ins­ge­samt bie­tet der Kauf aus der In­sol­venz für bei­de Sei­ten ei­ne in­ter­es­san­te Per­spek­ti­ve. Ein gut ge­mach­tes Trans­ak­ti­ons­ge­schäft si­chert den Gläu­bi­gern ei­ne bes­se­re Quo­te. Die Käu­fer fin­den span­nen­de Ob­jek­te, an die sie schnel­ler her­an­kom­men als bei her­kömm­li­chen Trans­ak­tio­nen.

„Wenn meh­re­re In­ter­es­sen­ten auf­tre­ten, steigt der Preis au­to­ma­tisch“

Pie­pen­burg – Ger­ling

FO­TO: MICHA­EL LÜB­KE

Horst Pie­pen­burg ist In­sol­venz­ver­wal­ter in Düs­sel­dorf: „Je­der In­sol­venz­ver­wal­ter ist letzt­lich ein M&A-Ex­per­te.“

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