Kul­tu­rel­le Un­ter­schie­de: Aufs Ver­ständ­nis kommt es an

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - DÜSSELDORFER WIRTSCHAFT - VON JÜR­GEN GROSCHE

Bei in­ter­na­tio­na­len Un­ter­neh­mens-Trans­ak­tio­nen ist es wich­tig, Ge­pflo­gen­hei­ten und Denk­wei­sen der Part­ner zu ken­nen. Kul­tu­rel­le Be­son­der­hei­ten be­ein­flus­sen auch die ju­ris­ti­sche Aus­ge­stal­tung der Ver­trä­ge.

Welt­weit kau­fen der­zeit vie­le Un­ter­neh­men an­de­re Fir­men oder schlie­ßen Jo­int Ven­tures. Die­ses Trans­ak­ti­ons- oder M&A-Ge­schäft (Mer­gers & Ac­qui­si­ti­ons) ist auch in der Re­gi­on stark. Die M&A-Spe­zia­lis­ten der An­walts­so­zie­tät CMS Ha­sche Sig­le ha­ben je­den­falls viel zu tun, sa­gen die bei­den Ex­per­ten Dr. Mar­cel Ha­ge­mann und Dr. Ernst-Mar­kus Schu­berth. Gera­de auch am Stand­ort Düs­sel­dorf: „Vie­le in­ter­na­tio­na­le Trans­ak­tio­nen wer­den von hier aus ge­macht“, er­klärt Schu­berth. Von den 60 An­wäl­ten in Düs­sel­dorf be­schäf­ti­gen sich al­lein 15 mit dem M&A-Ge­schäft.

In nach­fra­ge­star­ken Seg­men­ten hat die Kanz­lei die Ex­per­ti­se in so ge­nann­ten Desks ge­bün­delt, in Düs­sel­dorf zum Bei­spiel für Iran, In­di­en, die Tür­kei und Russ­land. Die Ex­per­ten ar­bei­ten eng mit ih­ren Kol­le­gen im Aus­land zu­sam­men. So un­ter­hält CMS zum Bei­spiel in Chi­na Stand­or­te in Pe­king und Shang­hai. So kön­nen die An­wäl­te so­wohl deut­sche Fir­men bei ih­ren Aus­lands­ak­ti­vi­tä­ten be­glei­ten wie um­ge­kehrt auch In­ves­to­ren aus an­de­ren Län­dern auf ih­rem Weg nach Deutsch­land.

Im Fe­bru­ar hat CMS als ers­te in­ter­na­tio­na­le Groß­kanz­lei ein ei­ge­nes Bü­ro in Te­he­ran er­öff­net. Nach dem En­de der Sank­tio­nen hat das In­ter­es­se der deut­schen Wirt­schaft am Iran stark zu­ge­nom­men, die Un­ter­neh­men brau­chen die Ex­per­ti­se er­fah­re­ner Ju­ris­ten. In den Län­dern ver­tre­ten zu sein, häu­fig auch mit ein­hei­mi­schen An­wäl­ten, bringt vie­le Vor­tei­le, er­klä­ren die M&ASpe­zia­lis­ten. Denn die ju­ris­ti­sche Ar­beit muss kul­tu­rel­le Be­son­der­hei­ten, per­sön­li­che Ein­stel­lun­gen der Part­ner, ja, so­gar mehr als ein­mal auch psy­cho­lo­gi­sche Fak­to­ren be­rück­sich­ti­gen.

Als Bei­spiel nen­nen Ha­ge­mann und Schu­berth un­ter­schied­li­che Ver­hand­lungs­sti­le in Eu­ro­pa und Asi­en: Wäh­rend deut­sche Ge­schäfts­leu­te im Ver­hand­lungs­pro­zess ge­klär­te Punk­te ab­ha­ken, die noch of­fe­nen be­spre­chen und dann da­von aus­ge­hen, dass das Er­reich­te ab­ge­schlos­sen ist, ver­han­deln Ge­sprächs­part­ner aus Asi­en häu­fig die ei­gent­lich er­le­dig­ten Punk­te noch­mal nach. „Für sie ist der Pro­zess erst ab­ge­schlos­sen, wenn der Ver­trag no­ta­ri­ell be­ur­kun­det und be­sie­gelt ist, und auch das nicht im­mer“, be­schreibt Schu­berth die Ein­stel­lung.

Jo­int Ven­tures sind da­bei meist so­gar kom­ple­xer als Un­ter­neh­mens­käu­fe, denn die Part­ner ar­bei­ten ja über lan­ge Zeit zu­sam­men und müs­sen Vor­sor­ge für künf­ti­ge Ent­wick­lun­gen tref­fen. „Ob ein Jo­int Ven­ture wirk­lich der rich­ti­ge Weg ist, muss sorg­fäl­tig ab­ge­wo­gen wer­den, selbst wenn der schein­bar pas­sen­de Part­ner be­reits ge­fun­den ist“, so Schu­berth. Auch wenn der An­fang noch ver­gleichs­wei­se ein­fach ver­läuft – bei­de ha­ben stim­mi­ge In­ter­es­sen –, kön­nen in der spä­te­ren Zu­sam­men­ar­beit Pro­ble­me auf­tre­ten, die die Part­ner so nicht er­war­tet ha­ben: Ei­ner will ex­pan­die­ren, der an­de­re nicht. Der ei­ne geht da­von aus, nun selbst den Markt zu ken­nen und den Part­ner nicht mehr zu brau­chen, der an­de­re hat das Know-how und will es jetzt al­lein ver­mark­ten. Wie in ei­ner Ehe kann das lau­fen. „Für ei­ne mög­li­che Schei­dung muss man al­so wie bei ei­nem Ehe­ver­trag Vor­keh­run­gen tref­fen“, sagt Ha­ge­mann. Wich­tig sei­en Re­geln, wie das Jo­int Ven­ture wie­der auf­ge­löst wer­den kann. „Und man muss re­gel­mä­ßig die Ver­trä­ge prü­fen, ob sie noch mit der In­ter­es­sens­la­ge über­ein­stim­men“, rät Schu­berth.

Je nach Land kom­men be­son­de­re Aspek­te da­zu. So müs­sen In­ves­to­ren in In­di­en ei­ne aus­ufern­de Bü­ro­kra­tie ein­kal­ku­lie­ren. Wich­ti­ge Re­geln un­ter­schei­den sich häu­fig in den Bun­des­staa­ten. Wenn die Re­geln ei­nes Lan­des zwin­gend ei­nen in­län­di­schen Part­ner vor­schrei­ben, wird es mit der ExitOp­ti­on schwie­rig. Die M&APart­ner müs­sen den re­gu­la­to­ri­schen Rah­men ih­res Um­fel­des im Blick ha­ben. Sprach­bar­rie­ren ver­kom­pli­zie­ren die Ver­hand­lung. Wäh­rend zum Bei­spiel in In­di­en vie­le Ma­na­ger eng­lisch spre­chen, ist das in Chi­na nicht un­be­dingt selbst­ver­ständ­lich. „Je­des Land er­for­dert Ex­per­ten, die das Sys­tem ken­nen“, meint denn auch Ha­ge­mann. Die Grö­ße ei­ner Kanz­lei kann da durch­aus von Vor­teil sein.

CMS zählt zu den füh­ren­den wirt­schafts­be­ra­ten­den An­walts­so­zie­tä­ten. Welt­weit un­ter­hält CMS 60 Bü­ros in 34 Län­dern. 3000 An­wäl­te, da­von 800 Part­ner sind für die Kanz­lei tä­tig. In Deutsch­land be­ra­ten mehr als 600 An­wäl­te Un­ter­neh­men und Kon­zer­ne ver­schie­de­ner Bran­chen im Inund Aus­land in al­len Fra­gen des na­tio­na­len und in­ter­na­tio­na­len Wirt­schafts­rechts. Al­lein in Eu­ro­pa ha­ben die An­wäl­te im ver­gan­ge­nen Jahr rund 370 Trans­ak­tio­nen be­glei­tet.

FO­TO: ALOIS MÜL­LER

Dr. Mar­cel Ha­ge­mann (links) und Dr. Ernst-Mar­kus Schu­berth sind pro­fun­de Ken­ner des M&A-Mark­tes.

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