Das Krebs­ge­schwür des Ras­sis­mus

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - STIMME DES WESTENS - VON MAR­TIN KESS­LER VON GRE­GOR MAYNTZ ASYL­AN­TRÄ­GE ÜBER­FOR­DERN . . ., SEI­TE A 6 VON GI­AN­NI COS­TA MEISTERTRAINER, SEI­TE B 1

Das un­ge­klär­te Ver­hält­nis zwi­schen Wei­ßen und Schwar­zen durch­zieht die ame­ri­ka­ni­sche Ge­schich­te wie ein ro­ter Fa­den. Die Skla­ve­rei, der Bür­ger­krieg, die Ras­sen­tren­nung im Sü­den und die Dis­kri­mi­nie­rung im Nor­den. We­der die Bür­ger­rechts­be­we­gung in den 60er Jah­ren, noch die An­ti-Dis­kri­mi­nie­rungs­ge­set­ze da­nach, nicht ein­mal der ers­te schwar­ze Prä­si­dent ha­ben dar­an fun­da­men­tal et­was ge­än­dert. Selbst wenn ei­ne wach­sen­de Mit­tel­schicht der schwar­zen Be­völ­ke­rung am Wohl­stand in­zwi­schen teil­hat.

Ent­spre­chend ist das Land durch die jüngs­ten Er­eig­nis­se in Loui­sia­na, Min­ne­so­ta und Dal­las auf­ge­wühlt. Die bru­ta­le Gan­gart der Po­li­zei bei Kon­trol­len, bei de­nen ge­ra­de Schwar­ze im­mer wie­der durch Schüs­se der Ord­nungs­hü­ter zu To­de kom­men, reißt die­se Wun­den auf. Wenn dann selbst er­nann­te Rä­cher in Ta­li­ban-Ma­nier wahl­los auf Po­li­zei­be­am­te schie­ßen, schließt sich der Teu­fels­kreis.

Die tie­fe Kluft zwi­schen Schwarz und Weiß ist schwer zu über­win­den. Bil­dung könn­te ein Schlüs­sel sein, auch ein re­strik­ti­ve­rer Um­gang mit Schuss­waf­fen. Wäh­rend mehr Bil­dung nur als lang­fris­ti­ges Pro­jekt funk­tio­niert, dürf­te ein Ver­bot des Ver­kaufs von Schuss­waf­fen ein Wunsch­traum blei­ben. BE­RICHT PO­LI­ZIS­TEN­MOR­DE SCHO­CKEN . . . , TITELSEITE

SDie Flücht­lings­bi­lanz

eit Jah­res­an­fang 222.000 Flücht­lin­ge – das ist im Ver­gleich zu über 200.000 al­lein im No­vem­ber ver­gan­ge­nen Jah­res ei­ne so schnell nicht für mög­lich ge­hal­te­ne Ent­span­nung. En­de Ja­nu­ar ging es noch um die Fra­ge, ob in die­sem Jahr wie­der über ei­ne Mil­li­on bei uns Schutz su­chen. Nun sieht es nach we­ni­ger als der Hälf­te aus.

Doch das Pro­blem ist nicht er­le­digt. Ei­ner­seits wirkt die Dy­na­mik des Vor­jah­res nach: 150.000 ha­ben nach mehr als sechs Mo­na­ten nicht mal ih­ren An­trag stel­len kön­nen. Und die In­te­gra­ti­on ist noch lan­ge nicht ge­lun­gen. An­de­rer­seits sagt die Zahl 222.000 nichts über die Zu­kunft. Im ers­ten Halb­jahr 2015 ka­men 227.000 – im zwei­ten dann wei­te­re 865.000. Die Schlep­per ver­le­gen sich auf neue Län­der und die grü­ne Gren­ze.

Wenn in un­se­rer Nach­bar­schaft die größ­te Flucht­ka­ta­stro­phe seit Men­schen­ge­den­ken läuft, kann Eu­ro­pa nicht so tun, als lä­ge es auf ei­nem an­de­ren Pla­ne­ten. Mi­gra­ti­on ge­hört da­zu, seit es Men­schen gibt. Die­se hu­man und für al­le er­träg­lich zu ge­stal­ten, ist kei­ne Sa­che für ein Jahr, son­dern für ein Jahr­zehnt. BE­RICHT

EM der Nörg­ler

Man kann nicht im­mer ge­win­nen. Die­se sim­ple Fest­stel­lung zu ver­in­ner­li­chen, macht im Le­ben vie­les leich­ter. Als deut­scher Fuß­ball­fan fällt das frei­lich schwer: weil das Team so sel­ten ver­liert. Joa­chim Löw zum Bei­spiel ist in sei­ner Amts­zeit seit 2006 mit dem deut­schen Team im­mer min­des­tens ins Halb­fi­na­le bei ei­ner WM und EM ein­ge­zo­gen. Ei­ne Bi­lanz, bei der er in En­g­land mit so­for­ti­ger Wir­kung zum Thron­fol­ger be­stimmt wor­den wä­re.

In Deutsch­land fehlt es oft an der Leich­tig­keit, sich auch über die klei­nen Din­ge zu freu­en. Die Nörg­ler sind oft lau­ter. Tat­säch­lich ist wohl nur bei be­son­ders Hart­ge­sot­te­nen in den ver­gan­ge­nen vier Wo­chen EM-Stim­mung auf­ge­kom­men.

Das lag vor al­lem an ei­nem to­tal auf­ge­bläh­ten Teil­neh­mer­feld. Für den eu­ro­päi­schen Fuß­ball­ver­band ist ei­ne EM eben nicht ganz über­ra­schen­der­wei­se in ers­ter Li­nie kein völ­ker­ver­bin­den­des Fest, son­dern ein Ge­schäfts­mo­dell. Um­so tol­ler, dass Is­land die­se Büh­ne be­tre­ten hat und mit sei­nem kraft­vol­len „Hu!“ei­nen gan­zen Kon­ti­nent ver­zau­ber­te. BE­RICHT

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