Asyl­an­trä­ge über­for­dern Be­hör­den

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - POLITIK - VON GRE­GOR MAYNTZ

222.000 Neu­an­kömm­lin­ge und 283.000 Asy­l­ent­schei­dun­gen im ers­ten Halb­jahr. Doch das wa­ren le­dig­lich die ein­fa­chen Fäl­le. So kom­men Deutsch­land und Eu­ro­pa bei den Fra­gen vor­an, die vie­le Men­schen auf­wüh­len.

BERLIN Die Zah­len sei­en „hoch, aber stark rück­läu­fig“, und die Lö­sung der Kri­se kom­me „in Eu­ro­pa gut und in Deutsch­land sehr gut vor­an“. So lau­te­te die Halb­jah­res­bi­lanz von Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Tho­mas de Mai­ziè­re (CDU) bei der Vor­la­ge der ak­tu­el­len Flücht­lings­sta­tis­tik. Kommt Deutsch­land „vor die Wel­le“? Fra­gen und Ant­wor­ten dar­auf: Rei­chen die Ka­pa­zi­tä­ten? Eng­päs­se bei der Un­ter­brin­gung sind seit Mo­na­ten Ge­schich­te. Auch die in­zwi­schen 6300 Mit­ar­bei­ter des Bun­des­am­tes für Mi­gra­ti­on und Flücht­lin­ge schaf­fen im Halb­jahr mit 283.000 Asy­l­ent­schei­dun­gen mehr als dop­pelt so vie­le wie zu­vor. Kä­men auf Dau­er pro Halb­jahr 222.000 neue Flücht­lin­ge hin­zu, wie ak­tu­ell ge­zählt, wä­re al­les be­herrsch­bar. Doch weil 2015 so viel nicht ge­schafft wur­de, gab es zugleich 396.947 neue Asyl­an­trä­ge – und 150.000 Flücht­lin­ge vom ver­gan­ge­nen Jahr ha­ben im­mer noch nicht ih­ren An­trag stel­len kön­nen. Es geht al­so nur sehr lang­sam vor­an. Was ver­än­dert sich ak­tu­ell bei der Her­kunft der Flücht­lin­ge? Sy­rer lie­gen bei den An­trä­gen in je­dem Mo­nat deut­lich an der Spit­ze (fast 26.000 im April, gut 21.500 im Mai und mehr als 24.500 im Ju­ni). Da­hin­ter schie­ben sich die Af­gha­nen im­mer mehr nach vor­ne (von 8483 im April auf 15.109 im Ju­ni). Die Zah­len der Flücht­lin­ge aus dem Irak, dem Iran, aus Eri­trea und Pa- kis­tan wach­sen auf den fol­gen­den Plät­zen eben­falls, und von April bis Ju­ni ha­ben sich die An­trä­ge von Rus­sen (zu­meist Tsche­tsche­nen) von 908 auf 1835 ver­dop­pelt. Wirkt die Ein­stu­fung von Staa­ten als si­che­re Her­kunfts­län­der? Nach Ein­schät­zung von de Mai­ziè­re hat die­ser Schritt vor al­lem Si­gnal­cha­rak­ter. Nach den Asyl­sta­tis­ti­ken gin­gen die An­trä­ge von Al­ba­nern im Ver­gleich zum Vor­jah­res­zeit­raum von 22.209 auf 8010 zu­rück, die von

38.892 37.194 32.229 31.091 33.150

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Apr Ser­ben von 15.822 auf 4696. Doch bei­de Grup­pen be­fin­den sich wei­ter un­ter den Top Ten. Schon die Dis­kus­si­on über die Ma­ghreb-Staa­ten ha­be die Zah­len der An­kömm­lin­ge von dort ge­senkt, be­rich­te­te der In­nen­mi­nis­ter. Er sag­te vor­aus, dass sie wie­der stei­gen wür­den, wenn die Grü­nen das Vor­ha­ben ver­hin­der­ten. Be­ob­ach­ten die Si­cher­heits­be­hör­den neue Trends? Die Bal­kan-Rou­te gilt zwar als „ge­schlos­sen“, aber of­fen­bar nur für

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Ju­ni

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181.166

163.772

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206.101

Okt Nov

127.320

Dez grö­ße­re Be­we­gun­gen. Die kri­mi­nel­len Schleu­ser sei­en da­zu über­ge­gan­gen, ver­mehrt klei­ne­re Grup­pen über die grü­ne Gren­ze nach Deutsch­land zu brin­gen, er­läu­ter­te de Mai­ziè­re. Ita­li­en schi­cke zwar ver­trags­treu die übers Mit­tel­meer ge­kom­me­nen 70.000 Flücht­lin­ge nicht ein­fach wei­ter. Doch ver­mehr­te Be­we­gun­gen sei­en nun so­wohl über die Schweiz als auch über Po­len zu ver­zeich­nen. Die Dy­na­mik kommt al­so auf nied­ri­gem Ni­veau an an­de­rer Stel­le in Gang.

91.700

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61.428

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15.941 16.281 16.335

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Ju­ni Hat die EU ih­re Haus­auf­ga­ben er­le­digt? Sie ist da­bei. Der Um­bau der Grenz­schutz­agen­tur „Fron­tex“zu ei­ner wirk­sa­men Grenz­schutz­trup­pe ist be­schlos­sen. Da­ge­gen tun sich die Staa­ten schwer, die Rück­füh­rung und Ver­tei­lung nach dem aus­ge­setz­ten Du­blin-Ver­fah­ren neu zu re­geln. Die Ab­sicht der EU-Prä­si­dent­schaft, bis Jah­res­en­de we­nigs­tens zu ei­ner grund­sätz­li­chen Ver­stän­di­gung zu kom­men, nann­te de Mai­ziè­re „sehr am­bi­tio­niert“.

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